„Schwierige Geschichte“: Kroatien vor Gruppenfinale mit dem Rücken zur Wand
Bei der WM 2022 in Katar noch im Halbfinale, bei der EM 2024 in Deutschland nach zwei Gruppenspielen vor dem Aus: Das Fußball-Nationalteam von Kroatien hätte sich die Endrunde ganz anders vorgestellt. Auch gegen Albanien gab es am Mittwoch mit einem 2:2 keinen Sieg. „Wir hätten uns nicht erwartet, dass es so eine schwierige Geschichte wird in diesen beiden Matches. Es war ein Kampf“, sagte Kroatiens Teamchef Zlatko Dalic. Von Aufgeben ist im Aufstiegsrennen aber keine Spur.
Fakt ist, dass die mit Albanien punktgleichen Kroaten unabhängig vom Ausgang des Donnerstagabendspiels Spanien gegen Italien am Montag gegen die „Squadra Azzurra“ als Tabellenletzter der Gruppe B mit dem Rücken zur Wand stehen. Doch auch den Albanern wird gegen die Iberer nur ein Sieg weiterhelfen, da seit der EM-Aufstockung auf 24 Teams 2016 noch nie ein Team mit nur zwei Punkten den Aufstieg als einer der vier besten Gruppendritten geschafft hat.
„Wir werden weiter an uns glauben und versuchen, zu beweisen, wie gut wir sind“, sagte Kroatiens 2:1-Torschütze Andrej Kramaric (72.) am Tag seines 33. Geburtstags. Darauf hofft auch Salzburgs Luka Sucic, der nach der Pause frischen Schwung gebracht hatte. „Wir müssen positiv bleiben. Wir wissen, dass wir die Qualität haben, um doch noch weiterzukommen“, meinte der Offensivakteur. Davon überzeugt ist auch Dalic, der nach einem Auftakt-0:3 gegen die Spanier und jetzigem Remis nun auch das Sieggefühl spüren möchte. „Ein Sieg gegen Italien und wir sind weiter. Wir sind noch immer im Rennen“, betonte der 57-Jährige.
Kroatien braucht Leistungssteigerung
Klar ist, dass eine deutliche Leistungssteigerung nötig ist. Laut Dalic habe man nach einer „sehr schlechten“ ersten Hälfte zumindest „viel besser“ agiert. Allgemein war das gegen einen Gegner, der in der Weltrangliste um 56 Ränge schlechter klassiert ist, viel zu wenig. „Die Enttäuschung ist riesig, so etwas darf einer Mannschaft wie uns nicht passieren“, meinte Sucic. Der WM-Dritte von 2022 hat jedenfalls seinen Glanz früherer Tage verloren, spielte ohne Tempo und Inspiration.
Die Goldene Generation rund um den 38-jährigen Luka Modric ist ein Schatten ihrer selbst. Auch Dalic musste zugeben, dass seine Spieler „schön langsam“ älter werden würden. Seine Startelf hatte ein Durchschnittsalter von fast 30 Jahren. Kramaric führte noch einen anderen Grund ins Treffen. „Wir wissen, was wir in den letzten fünf, sechs Jahren geleistet haben. Alle wollen gut spielen gegen Kroatien und schaffen schwierige Situationen für uns“, gab der Hoffenheim-Stürmer zu Protokoll.
Kramaric hadert mit Remis
Seine Truppe hätte die Partie gewinnen müssen. „Aber so ist der Fußball. Manchmal triffst du in den letzten Sekunden, manchmal kassiert du noch ein Tor, das ist uns leider passiert“, sagte Kramaric. Albanien gelang der Ausgleich in der 95. Minute. Klaus Gjasula sicherte sich einen Eintrag in den Geschichtsbüchern, hatte doch zuvor noch nie ein eingewechselter Spieler bei einer EM oder WM ein Eigentor (76.) und auch ein Tor erzielt. Erst in der 72. Minute war er auf das Feld gekommen.
„Ich bin die ersten 15 Minuten durch die Hölle gegangen. Es ist unglaublich. Das war ein Wechselbad der Gefühle für mich“, verlautete der 34-jährige Darmstadt-Kicker, der im Jänner 2022 auch in der 2. deutschen Liga in einem Spiel in beide Tore getroffen hatte.
Sylvinho: „Das Spiel war verrückt“
Albaniens Teamchef Sylvinho freute sich sehr für Gjasula. „Es ist schwierig, in so ein Spiel reinzukommen und sich an das Tempo zu gewöhnen. Aber am Ende hat er es gemacht. Er war am Ende für alle da und hat ein Tor geschossen“, sagte der Brasilianer. Das Spiel gegen Kroatien werde „ewig“ in Erinnerung bleiben. „Das war eine unglaubliche Sensation“, betonte Sylvinho. Nach der frühen Führung durch Qazim Laci (11.) hatte Kramaric erst spät ausgeglichen, ehe Gjasula ausgerechnet an seiner ehemaligen Wirkungsstätte in Hamburg „doppelt“ im Mittelpunkt stand. „Das Spiel war verrückt“, resümierte Sylvinho.
Auf jeden Fall hat es im albanischen Lager, das ein Auftakt-1:2 gegen Italien verdauen hatte müssen, Lust auf mehr gemacht. „Wir wissen, dass Spanien ein Brocken ist, es noch einmal eine Mammutaufgabe wird. Aber im Fußball weiß man nie“, sagte Gjasula. Sensationen seien schon öfter vorgekommen. „Wir geben alles“, versprach der Mittelfeldspieler.
