Schwimm-Star Marchand auf den Spuren von Spitz und Phelps

Als insgesamt erst dritter Schwimmer der Olympia-Geschichte hat Leon Marchand bei einer Ausgabe Olympischer Spiele zumindest vier Einzel-Goldmedaillen erreicht. Mark Spitz gelang das 1972 in München, seinem US-Landsmann Michael Phelps 2004 in Athen und sogar mit fünf Titeln 2008 in Peking. Marchand ist es zuzutrauen, Phelps‘ Rekord in vier Jahren einzustellen oder vielleicht sogar zu überbieten. Vor Heimfans bot der Franzose in der La Defense Arena jedenfalls eine große Show.

Hatte sich Phelps bei seiner Medaillenjagd nicht mit den Brustschwimmern angelegt, tat das Marchand sehr wohl. Und der 22-Jährige realisierte auch den bisher einzigartigen Coup, in einer Session die so unterschiedlichen 200-m-Rennen in Delfin und Brust für sich zu entscheiden. Wie in den zwei Lagen-Entscheidungen siegte er jeweils mit olympischem Rekord. Und da scheint noch viel Potenzial zu sein, denn die große Kraul-Palette hat Marchand noch ganz ausgespart.

„Es ist unglaublich“, meinte der Liebling seiner Landsleute selbst über seine Leistungen. „Ich hätte mir nicht gedacht, vier Goldmedaillen gewinnen zu können. Ich hatte versucht, eine zu holen. Nachdem ich das über 400 m Lagen geschafft hatte, war ich aber wirklich entspannt.“ Es hätten sogar mehr als vier Goldene sein können, wenn seine Staffelkollegen mehr mitgeholfen hätten. Doch während es über 4 x 100 m Lagen der Männer immerhin Bronze wurde, reichte es in der Mixed-Ausgabe dieses Bewerbs bloß zu „Blech“. Phelps hatte immer auch „goldige“ Kollegen dabei.

Marchand über Phelps: „Michael ist eine Schwimmlegende“

Als Marchand vor einem Jahr bei der Fukuoka-WM über 400 m Lagen seinen ersten Weltrekord fixiert und damit Phelps dessen letzten Individual-Weltrekord entriss, übergab ihm die US-Legende die Goldmedaille. Der mittlerweile 39-jährige Phelps ist ein Fan von Marchand, schrieb ihm etwa nun nach dem 400-m-Lagen-Erfolg eine Textnachricht. „Er war so beeindruckt, wirklich glücklich für mich“, erzählte der aus Toulouse stammende Marchand. „Michael ist eine Schwimmlegende. Ich bin immer stolz, wenn mich jemand mit ihm vergleicht. Er hat den Sport für immer verändert.“

Gemeinsam haben die beiden nicht nur sehr viel Talent, sondern auch den Trainer. Bob Bowman führte Phelps durch eine bei den Rio-Spielen 2016 endende Karriere mit insgesamt 23 Olympia-Goldenen. Eine Olympiade später entschied sich der Coach, Marchand unter seine Fittiche zu nehmen. Der Youngster hatte Anfang 2020 ein gewisses Tief, schrieb diverse US-Unis an und das Glück, dass sich Bowman für ihn interessierte. Noch in Tokio 2021 wurde Marchand über 400 m Lagen „nur“ Sechster, zwei Jahre später schwamm er in Fukuoka 8,66 Sek. schneller und Weltrekord.

Ein weiteres Jahr danach hat er in Paris nun die nächste Stufe erklommen. „Es war nicht leicht für mich“, räumte Marchand ein. „Ich bin erst 22 und hatte eine Menge Druck auf meinen kleinen Schultern. Aber ich denke, ich habe es ganz gut gemacht. Ich habe einfach versucht, das Positive zu akzeptieren und das Negative zu ignorieren.“ Und Marchand hat sich auch weiter Bowman verschrieben. Gemeinsam waren sie bis ins vergangene Studienjahr an der University of Arizona. Als der 59-jährige Coach nun nach Austin wechselte, ging Marchand wie selbstverständlich mit.

Marke von Phelps schwer erreichbar

Ob der Ausnahmekönner noch an die 23 Olympia-Goldenen von Phelps herankommt, ist fraglich. Hat Phelps seine ersten Titel im Zeichen der Fünf Ringe mit 19 Jahren geholt, ist Marchand 23. Er müsste bis zu den Spielen 2036, bei denen er schon 34 Jahre alt sein wird, im Schnitt mehr als sechs Goldene holen, um die Phelps-Marke zu holen. Auszuschließen ist es freilich nicht, das liegt auch an der erblichen Vorbelastung. Vater Xavier Marchand war genauso Olympia-Schwimmer wie Mutter Celine Bonnet. Ebenso verhält es sich mit Onkel Christophe Marchand.

Diesen Fakt sieht Felix Auböck als wesentlich an. „Leon Marchand ist natürlich in einem schwimm-verrückten Umfeld aufgewachsen. Was ihn selbst auszeichnet, dass er unglaublich technisch sauber in vielen Lagen ist. Er ist nicht der Kräftigste, aber er weiß ganz genau seinen Körper so einzusetzen, dass er das Beste herausholt. Er ist unglaublich ausdauer-mäßig veranlagt, er hat ein unglaubliches Lungenvolumen. Er sieht extrem nett, ehrlich, offen aus. Deswegen ist er auch so beliebt in Schwimmer-Kreisen. Er ist jemand, den man mag und der nicht arrogant rüberkommt.“

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(APA)/Beitragsbild: Imago