Segelsport der Zukunft: Kiten und Foilen vor Marseille

Als Roman Hagara im olympischen Segelsport aktiv war und 2000 und 2004 mit Hans Peter Steinacher jeweils Gold im Tornado gewann, gab es Kiten und Foilen im Zeichen der Fünf Ringe noch nicht. Bei den Regatten heuer vor Marseille sind die ähnlich wie Flugzeug-Flügel konzipierten Foils nicht mehr wegzudenken und die Lenkdrachen färben den blauen Himmel bunt. Hagara erlebt als Weltmeister der GC32 Racing Tour 2021 und Leiter der Technologieabteilung im OeSV die Entwicklung mit.

Ihm gefalle die Ist-Situation des olympischen Segelns sehr gut, weil er selbst in seiner Karriere auch diesen Weg gegangen sei, sagte Hagara im APA-Gespräch. „Ich bin immer gern schnelle Boote gesegelt. Ich befürworte diese Richtung sehr. Und es dürfte auch die jungen Leute ansprechen. Es machen viele junge Leute, es macht extrem viel Spaß und man hat auch schnell Erfolgserlebnisse.“

KiteFoil oder Formula Kite vereint beides Neue. Die Athletinnen und Athleten können ihre Kites und Foils aus einem Pool an Anbietern wählen und innerhalb des Reglements adaptieren. Österreichs Verband bringt mit WM-Bronzemedaillengewinner Valentin Bontus einen Medaillenanwärter an den Start. Im Frauenbewerb wird Alina Kornelli dabei sein.

„Der Segelverband hat mittlerweile genug Erfahrung und sich weiterentwickelt, ich glaube, dass wir sehr gut aufgestellt sind, was den Betreuerstab und die Trainer betrifft. Deshalb haben wir es auch geschafft, in relativ schneller Zeit das Olympische auf diese Athleten zu transferieren: also was ist notwendig, um bei einer olympischen Kampagne erfolgreich zu sein. Das ist natürlich etwas Anderes, als auf einem See schnell hin und her zu fahren oder Kunststücke zu machen“, sagte Hagara.

Bontus spielte rasch in der Topliga mit. 2023 war er WM-Vierter, heuer EM-Vierter, als es dann Mitte Mai vor Hyeres mit dem WM-Medaillengewinn klappte. „Er hat sich diese Lockerheit aus dem Freestyle bewahrt, wo er herkommt und aus dem Umfeld, in dem er aufgewachsen ist. Aber er hat auch diese Race-Intelligenz, er hat genau verstanden, was notwendig ist, um im olympischen Kiten erfolgreich zu sein. Er ist sehr schnell in der Auffassung, kann alles sofort umsetzen, das ist ideal. Und spiegelt sich in den Medaillen wider.“ Bontus habe mit Luca Bursic einen sehr erfahrenen Trainer an seiner Seite, sagte Hagara. „Es ist perfekt aufgestellt.“

Von der Geschwindigkeit sei es ähnlich mit dem Segelsport, wie er ihn selbst betrieben habe, sagte Hagara, aber freilich sind da noch mehr Ähnlichkeiten. „Wie du den Wind einfängst zum Beispiel.“ Es sei auch nicht ganz ungefährlich, wenn man mit siebzig, achtzig km/h unterwegs sei, blaue Flecken erleide man bald einmal. „Aber es ist faszinierend, wenn man so schnell über das Wasser fahren kann.“

Neue Technologien und Materialumstellungen in den Bootsklassen seien nicht nur finanziell relativ kostspielig. „Du musst auch von Anfang an schauen, welches Material zu dem Athleten passt, wie man das Material bearbeiten muss. Da ist extrem viel Testen dahinter und viele Ressourcen notwendig.“

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Man habe einen eigenen Materialtechniker, der sich nur um die Oberflächen bei den foilenden Booten kümmere und fast permanent im Einsatz sei. „Wir versuchen für die einzelnen Reviere das Material zu adaptieren. Für unterschiedliche Gewässer und unterschiedliche Temperaturen brauchst du unterschiedliche Oberflächen. Da ist viel Know-how schon drinnen, da brauchst du natürlich auch die Manpower dazu, dass du das auch so umsetzen kannst“, erläuterte Hagara.

Die Kitesurfer brauchen während eines Wettkampftages an Land einen Betreuer, der die Kites vorbereitet. „Du darfst vier verschiedene Kites fahren. Wenn du Änderungen im Wind hast, kann man während des Tages an Land fahren und den Kite wechseln“, erklärte Hagara. Während Olympia darf ein gewünschter Wechsel aber nicht gefunkt werden, da muss alles innerhalb kürzester Zeit bereitstehen und erledigt werden.

Bontus ergänzte, dass man durch die Wettervorhersage prinzipiell ein gutes Bild für den Tag habe. „Aber es kann immer mal sein, dass ein Gewitter dazukommt. Dass du am Anfang das größte Kite fährst und dann auf ein kleineres wechseln musst. Das ist wie in der Formel 1 beim Reifenwechsel, du musst den richtigen Moment erwischen.“

Im Vergleich zu Weltmeisterschaften, Europameisterschaften oder Weltcups sind bei Olympischen Spielen weniger Akkreditierungen verfügbar, aber man sei trotzdem gut aufgestellt, versicherte Hagara. Der selbst noch voller Leidenschaft für seinen Job ist. „Der Segelsport war immer meines, seit ich angefangen habe. Ich komme sowieso nicht los davon.“

(APA)

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Beitragsbild: Imago