Skispringen: Kuttin über Kraft: „Seine Serie ist phänomenal“
„Wir kommen alle aus verschiedenen Bereichen: Kofi (Kofler) hat trainiert, Gregor kommt nach der Verletzung, die anderen aus Pyeongchang. Wichtig ist, dass wir das Gefühl für die Schanze kriegen“, erklärte Kuttin. Darum sei es schwierig, schon vorher jemand zu benennen. „Danach stellt sich die Mannschaft sowieso auf“, glaubt Kuttin. Der Kärntner wollte sich übrigens auch nicht darauf festlegen, dass seine zwei besten Samstag-Akteure automatisch am Sonntag im Team-Mixed antreten: „Unser Fokus ist von Tag zu Tag, das werden wir am Samstag nach dem Wettkampf entscheiden.“
Der WM-Bronzegewinner von Lahti 1989 weiß aber natürlich, dass nicht nur aufgrund der Leistungen von Stefan Kraft die Hoffnungen der Österreicher in allen vier Skisprung-Bewerben groß sind. „Natürlich haben wir grundsätzlich eine sehr gute Saison. Wir sind während der Tournee ein bisschen auseinandergewürfelt worden durch diesen Virus. Ich glaube, dass jetzt alle wieder mit frischer Energie zurückkommen“, hofft Kuttin. Vom Lauf Krafts ist auch Kuttin angetan. „Die Serie, die er zur Zeit hinlegt, ist phänomenal. Er kommt im Weltcup gesamt wieder dorthin, wo er eigentlich auch das klare Ziel festgelegt hat.“
Das doch rasche Comeback von Gregor Schlierenzauer, der sogar von Beginn an in Lahti dabei ist, hat Kuttin nicht mehr überrascht, weil er und sein Betreuerteam von Tag zu Tag klar geklungen hätten. „Gregor ist einer der ganz großen Sportler. Was der in der Vergangenheit schon gewonnen hat und jetzt hat er eine schwere Verletzung und ein mentales Tief überstanden“, erinnerte Kuttin. Vom Umgang, vom Auftreten und von der Willensstärke her stuft er Schlierenzauer hoch ein. „Es treibt ihn dorthin, er will von Anfang an dabei sein – als Trainer kann man solche Athleten nur forcieren.“
Schlierenzauer war froh, dass er überhaupt bei der WM antreten kann. „Das war sicherlich nicht ganz so einfach. Es war 50:50, dass ich überhaupt dabei sein darf, dafür bin ich extrem dankbar“, erklärte der Tiroler. Nun fühle er sich von Tag zu Tag besser. „Die Zeit spielt für mich“.
Nachdem das Knie abgeklärt war, bereitete ihm die Muskulatur im Oberschenkel etwas Sorgen. „Zu Beginn konnte ich weder in eine gescheite Hockeposition kommen, noch ins Auto steigen.“ Nun dürfe man sein Befinden nicht mehr mit Schmerzen bezeichnen. „Da erwischt es andere härter. Ab und zu zwickt’s, aber das ist klar, man wird ja auch älter.“
Stefan Kraft ist freilich in allen Bewerben im engsten Favoritenkreis einzuordnen: „Ich weiß, was ich zu tun habe, natürlich gilt es das hier wieder abzurufen“, hofft der Salzburger, der aber weiß, dass die Konkurrenz nicht schläft. „Gegner sind sehr viele da, auch im eigenen Team gibt es harte Konkurrenz.“ Die 13 Podestplätze, darunter vier Siege, sind vor allem mental wichtig. „Von den Stockerlplätzen kann ich mir nicht viel kaufen, aber das Selbstvertrauen stimmt.“
Neben Kraft möchte freilich auch Michael Hayböck, der im Vorjahr beide Bewerbe in Lahti gewonnen hat, an alte Erfolge anschließen. Bei ihm war die Formkurve zuletzt nicht optimal. „Es stimmt schon, dass es in den letzten Bewerben nicht nach Wunsch verlaufen ist, vor allem in Japan. Das hat dem Selbstvertrauen nicht gerade gut getan, aber ich habe mich in Pyeongchang wieder zurückgekämpft.“ Sollte es ihm in Lahti nicht von Beginn weg wieder gut laufen, dann hat der Oberösterreicher eine „Geheimwaffe“ im Gepäck: „Ich habe mir die Sprünge vom Vorjahr in die dropbox geladen“, verriet er lächelnd.
Als „sechsten Mann“ im Team sieht sich WM-Debütant Markus Schiffner. „Aber die Chance lebt. Es kann ja sein, dass ich springen kann und da werde ich alles daran setzen. Ich habe nichts zu verlieren und muss auch riskieren, sonst wird es nichts“, sagte der 24-jährige Oberösterreicher.
Ein wahrer Routinier ist hingegen Andreas Kofler, der nach einer dreiwöchigen Auszeit und intensivem Training in Villach und Seefeld zurückkehrt. „Ich habe viele Sprünge gesammelt, auch auf der kleinen Schanze. Ich habe die Zeit gebraucht.“
Last but not least möchte ein anderer Routinier, der seine bisher beste Saison zelebriert, ganz vorne mitmischen. Manuel Fettner hat Lunte gerochen. „Je näher man ganz an die Spitze kommt, desto mehr Spaß macht es auch. Wenn man wirklich, aktiv das Gefühl hat, dass man um Medaillen mitkämpfen kann.“
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