Sky exklusiv || Affengruber zwischen Anfield und ÖFB: „Jetzt heißt es liefern“

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Für David Affengruber jagte zuletzt ein Highlight das andere: Klassenerhalt mit Elche im Herzschlagfinale am letzten Spieltag, WM-Teilnahme mit dem ÖFB-Team, der Top-Transfer in die Premier League samt Debüt an der legendären Anfield Road. Und vor wenigen Tagen folgte sein ÖFB-Startelfdebüt, gekrönt mit seiner Torpremiere in Rot-Weiß-Rot.

Jetzt spricht der 25-Jährige im exklusiven Interview mit Sky-Reporter Eric Niederseer erstmals ausführlich über seinen neuen Karriereabschnitt in England, seine ersten Wochen bei Fulham, das Leben in der Premier League und seine Ziele mit dem ÖFB. Dank sukzessiver Karriereplanung ist David Affengruber längst auf der großen Fußballbühne angekommen – und ist hungrig auf mehr.

Sky: David, zunächst vielen Dank, dass Sie sich an Ihrem freien Tag die Zeit für ein Interview genommen haben. Im Jahr 2026 ging es für Sie Schlag auf Schlag, was persönliche Gänsehautmomente betrifft. Es wirkt fast so, als würden Sie alle Highlights im Eiltempo abhaken wollen. Wie würden Sie die vergangenen Wochen und Monate beschreiben?

 „Ja, 2026 war bis dato ein unglaublich schönes, erfolgreiches Jahr – auch etwas verrückt. Es ist viel passiert – und im Fußball ist es meist ein gutes Zeichen, wenn viel passiert. Das mag ich. Das heißt oft, dass man etwas richtig macht. Mit dem Klassenerhalt in La Liga haben wir mit Elche unser Saisonziel im letzten Spiel der Saison erreicht, das war für mich etwas ganz Besonderes. Danach die Riesenehre, bei der WM dabei sein zu dürfen. Dann diese kurze Sommerpause und gleich nach dem Restart der Transfer zu Fulham. Das war ein richtig großer Schritt in meiner Karriere, der sich richtig gut anhört und anfühlt.“

„Wie sind Sie durch diese ganzen Erfahrungen im Ausland und einzigartigen Momente auch als Mensch gereift?“

 „Sehr. Wenn man das erste Mal ins Ausland geht, lernt man viele Dinge dazu. Ich habe mit dem Wechsel nach Spanien eine neue Sprache und Kultur kennenlernen dürfen. Das war vom Wetter her natürlich etwas anderes als in England. Die Leute sind sehr entspannt, ich habe viel für meinen weiteren Weg mitnehmen können. Generell lernt man mit Auslandsstationen immer dazu, egal, ob es wie bei mir im beruflichen oder auch im persönlichen Sinne ist. Über England kann ich bis dato noch nicht so viel erzählen. Das war bis jetzt eher eine Findungsphase. Ich bin quasi direkt von null auf hundert mit den ersten Spielen reingestartet. Es ist alles sehr schnell gegangen. Aber insgesamt ist eine Auslandserfahrung schon etwas, das ich jedem empfehlen kann.“

Keine Zeit für Gedankenspiele vor Debüt in Anfield: „Einfach das tun, was mich erfüllt“

„Sie haben angedeutet, dass ein Transfer in den meisten Fällen auch gleichbedeutend mit viel Hektik ist. Wie haben Sie die Tage und Stunden des Wechsels erlebt?“

 „Es ist alles extrem schnell gegangen. Das hat mir sicher auch gleich geholfen, dass ich mein erstes Spiel auswärts an der Anfield Road hatte. Da blieb nicht viel Zeit, um zu überlegen. Es ging einfach darum, dass man Fußball spielt, sich auf seine Basics konzentriert, die Leistung auf den Platz bringt und das tut, was einen erfüllt. Ich denke, dass mir das in meinen ersten beiden Spielen halbwegs gut gelungen ist. Natürlich gibt es immer Luft nach oben. Ich muss das Team aber einfach noch besser kennenlernen. Ich bin mir sicher, dass sich das in den kommenden Wochen noch besser finden wird.“

„Ich lebe meinen Traum“ – Geerdeter Affengruber über das Privileg, Fußballprofi zu sein

„Viele Profis träumen vom Schritt in die Premier League, für Sie ist er vor rund vier Wochen wahr geworden. Leben Sie derzeit Ihren Traum?“

 „Auf jeden Fall. Aber nicht nur, weil ich in die Premier League gewechselt bin – auch wenn das natürlich dazugehört. Aber viel mehr deshalb, weil ich Fußballprofi werden durfte. Das ist für mich ein riesiges Privileg. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Wenn man das sagen kann, hat man schon viel erreicht, dann muss man das auch wertschätzen. Natürlich ist mit dem Schritt in die Premier League ein Traum in Erfüllung gegangen. Der Schritt zu Fulham hat sich für mich einfach sehr stimmig angefühlt und deswegen habe ich es auch gemacht.“

„Sie haben von der Erfüllung eines Traums gesprochen: Die Premier League wird berechtigterweise als kompetitivste Liga der Welt bezeichnet. Was hat den Reiz der Premier League für Sie ausgemacht?“

 „Meine ersten beiden Spiele waren absolute Highlights gegen Liverpool und Manchester United. Es ist definitiv eine der besten Ligen der Welt. Man bekommt die Gelegenheit, sich Woche für Woche mit Top-Gegnern und Weltklasse-Einzelspielern zu messen. Jeder Verein hat seine Aushängeschilder und man steht diesen Aushängeschildern Woche für Woche gegenüber. Das ist etwas ganz Besonderes, weil du auf dem Rasen nur gegen absolute Weltklasse-Spieler spielst. Das war sicher einer der größten Reize, weil ich mich weiter verbessern und entwickeln will.“

Premier League-Debüt an der Anfield Road gegen Isak, Wirtz & Co. – “Natürlich war Nervosität dabei“

„Sie haben ein Highlight bereits angerissen: Ihr Premier-League-Debüt gegen Liverpool. Welche Gedanken sind Ihnen durch den Kopf geschossen, als Sie Anfield betreten haben?“ 

„Ich habe zum Glück bereits in vielen Fußballtempeln Europas spielen dürfen, aber Anfield gehört sicherlich zu den besten Stadien, in denen ich bisher aufgelaufen bin. Natürlich war Nervosität dabei, was sicherlich auch menschlich ist. In den Anfangsminuten war es für mich wichtig, dass ich die ersten Pässe angebracht und die ersten Zweikämpfe gewonnen habe. Wenn die ersten Aktionen gelingen, findest du dich in einem Spiel einfach besser zurecht. Dann wird es einfacher und man entwickelt automatisch ein gutes Gefühl. Ich habe mich daran zurückerinnert, als ich mit der Youth-League-Mannschaft in Anfield zugesehen habe, als Salzburg gegen Liverpool gespielt hat. Damals habe ich mir gedacht: ‚Da will ich auch hin.‘ Und jetzt selbst dort auf dem Platz zu stehen, ist ein unbeschreibliches Gefühl.“

Steiler Aufstieg von David Affengruber

„Ihre Karriereplanung und sämtliche Stationen waren sehr durchdacht. Wie wichtig sind Ihnen bei einem solchen Schritt auch die Menschen an Ihrer Seite?“

„Ich glaube, ich habe noch nie einen Schritt gemacht, bei dem ich es davor nicht mit meinen wichtigsten Personen besprochen habe. Am Ende des Tages entscheide ich es natürlich selbst, weil es meine Karriere ist. Aber die Meinung meiner Familie und meiner Berater ist mir sehr wichtig. Natürlich ist es auch für meine Partnerin eine Umstellung, nicht mehr in Spanien zu leben, sondern in England. Das muss man dann umso mehr wertschätzen, weil solche Entscheidungen in den meisten Fällen in kürzester Zeit getroffen werden. Aber wir haben es bis dato immer gut hinbekommen und kriegen das gemeinsam auch in Zukunft hin.“

Top-Werte in La Liga: Der steile Aufstieg des „Kaisers“ von Elche

Affengruber über die Lobeshymnen und den Druck in England: „Man muss Woche für Woche abliefern und damit werde ich nicht aufhören“

„Sie wurden nach Ihren ersten beiden Spielen gegen Liverpool und Manchester United von der englischen Presse und Ihrem Trainer Alvaro Arbeloa mit Lobeshymnen überhäuft. Fällt es als Profi in England immer so leicht, am Boden zu bleiben?“

„Ja! Dafür sorgen meine Familie und mein Umfeld. Ich war immer schon ein Typ, der mit beiden Beinen am Boden geblieben ist. Ich denke, das zeichnet mich aus. Und wenn es nicht so ist, dann holen mich meine Brüder schon wieder runter (lacht). Das habe ich von zu Hause so mitbekommen und das soll und wird auch so bleiben. Ich glaube einfach, dass ich so sehr weit kommen kann. Es ist eine schöne Wertschätzung, wenn man nach seinen ersten Spielen für einen neuen Verein Lob bekommt. Der Fußball ist so schnelllebig und vergisst schnell. Man muss Woche für Woche abliefern und damit werde ich nicht aufhören.“

„Generell gefragt: Was sind die gravierendsten Unterschiede in der Defensivarbeit zu Spanien? Sie haben in Ihren ersten Wochen ja bereits gegen Wirtz, Isak, Bruno Fernandes oder Rashford verteidigt?“

„Ich kann gerne auch ein paar Namen aus La Liga aufzählen, gegen die ich verteidigen durfte: Lamine Yamal oder Kylian Mbappé zum Beispiel – das sind alles Top-Namen und Top-Spieler. Der Unterschied ist einfach, dass alles etwas schneller ist, es geht mehr ins Umschaltspiel, es geht mehr ins ‚Hin und Her‘. Der gravierendste Unterschied ist, dass du in Spanien phasenweise mehr Kontrolle im Spiel hast.“

Österreicher-Hype in Premier League – „Wir sind ‚Ehrgeizler‘, die alles für den Verein geben“

„Mit Jannik Schuster, Kevin Danso, Michael Svoboda und Ihnen sind vier der fünf ÖFB-Legionäre in der Premier League Innenverteidiger. Warum denken Sie, dass Österreicher generell so gut in die Premier League passen und so begehrt sind?“

„Das ist eine schwierige Frage. Ich glaube, dass wir uns nichts schenken. Wir sind ‚Ehrgeizler‘, die alles für den Verein geben, für den wir auflaufen. Alle Spieler, die du aufgezählt hast, sind sehr zweikampfstark, sehr schlau und ich glaube, dass diese Tugenden in der Premier League sehr gefragt sind. Generell spricht das auch einfach für die Qualität bei uns im ÖFB-Team.“

„Beim Blick auf die nackten Zahlen kann man schon sagen, dass sich die Defensive von Fulham nach Ihrem Debüt stabilisiert hat. Wie nehmen Sie diese positive Entwicklung wahr und was ist in dieser Saison möglich?“

„Es ist erst losgegangen, wir haben jetzt zwei Punkte auf dem Konto. Die zwei Spiele, in denen ich spielen durfte, waren von der Performance und der Mannschaftsleistung her sehr gut. Wir haben den richtigen Schritt nach vorne gemacht. Das hat sich auch in den Analysen bestätigt, dass uns verbessert haben. Aber natürlich braucht es mit einem neuen Trainer und mit neuen Spielern eine gewisse Zeit. Viele Spieler sind, wie ich, am letzten Tag gekommen. Ich glaube, dass wir eine sehr gute Mannschaft haben und über unser Kollektiv kommen werden. Ich glaube schon, dass einiges möglich ist. Aber in der Premier League gibt es bekanntlich kein einfaches Spiel. Nach den Länderspielen treffen wir auswärts auf den Aufsteiger aus Ipswich und da heißt es jetzt dann schön langsam, den ersten Dreier einzufahren.“

Fulham-Coach Arbeloa als Mitgrund des Transfers – „Gespräche mit ihm haben mir imponiert“

„Wie bereits erwähnt, hat es bei Fulham auch auf der Trainerbank im Sommer einen Wechsel gegeben. Mit Alvaro Arbeloa haben Sie einen Cheftrainer, den Sie bereits aus La Liga als Gegner kennen. Welche Rolle spielten die Gespräche mit Arbeloa bei der Entscheidung für Fulham?“

„Ich denke, dass der Trainer eine große Rolle spielt, wenn man einen Transfer macht. Bei mir war es dann vielleicht doch noch ein bisschen wichtiger, weil ich gewusst habe, was die Spielidee ist und welche Rolle ich einnehmen soll. Ich bin diesen Schritt gegangen, weil mir die Gespräche von Beginn an imponiert haben und sich das Projekt sehr spannend angehört hat.“

Alvaro Arbeloa // CL-Sieger und Weltmeister bzw. neuer Trainer von Affengruber © Imago

„Sie haben einen Defensivspezialisten als Trainer, der als Aktiver selbst zweimal die Champions League gewonnen hat. Welches Privileg ist es, von solch einer erfolgreichen Persönlichkeit zu lernen?“

„… und Weltmeister auch. Ich glaube, ich habe jetzt wieder einen neuen Stil von einem Trainer kennengelernt, mit dem ich mich sehr identifiziere. Ich will mich weiterentwickeln, täglich dazulernen. Da spielt der Trainer eine elementare Rolle. Jetzt einen Trainer zu haben, der so ein erfolgreicher Spieler war, ist etwas Neues für mich. Ich schätze es sehr, weil unser Coach im Fußball bereits sehr viel gesehen hat und es an uns als Mannschaft einfach sehr glaubhaft weitergeben kann.“

„Ihre Eingewöhnungszeit in London wurde aus einem sehr schönen Grund unterbrochen: dem ÖFB-Team. Viele der Teamspieler sprechen immer davon, wie schön es ist, zum Nationalteam zu stoßen. Wie nehmen Sie die Atmosphäre im Team wahr?“

„Ich reise immer mit einem schönen Gefühl zum Team. Es ist zwar erst der dritte Lehrgang für mich, aber ich kenne die Jungs jetzt schon, weil die Teamchemie einfach stimmt. Wir verstehen uns alle richtig gut untereinander. Deswegen freut man sich immer, wenn man zum Team stoßen darf.“

Affengruber über Umbruch und Teamchemie im ÖFB-Team: „Die Mischung macht’s aus“

„Medial wird derzeit viel über einen Umbruch im ÖFB-Team gesprochen, auch wenn es Teamchef Ralf Rangnick zuletzt verneint hat. Anders gefragt: Wie erfrischend ist auch dieses junge Blut im Team?“

„Schlussendlich macht’s die Mischung aus. Natürlich gehen uns gerade noch ein paar Jungs ab, die sehr viel für den ÖFB geleistet haben. Da freut man sich auch, wenn die wieder dazukommen. Es ist wie beim Vereinsfußball – nur junge oder nur ältere Spieler wird nie so gut sein wie eine gesunde Mischung. Es sind ein paar neue Jungs dazugekommen und die Teamchemie passt genauso wie zuvor. Wir haben die ersten beiden Spiele gezeigt, was wir draufhaben. Jetzt gilt es, weiter an der Entwicklung zu arbeiten und die Fortschritte in den kommenden Spielen zu bestätigen. Das ist im Fußball immer so, dass das vergangene Spiel nach zwei Tagen ad acta gelegt wird und der Blick sofort nach vorne geht.“

„In gewisser Art und Weise sind auch Sie ein Spätzünder im A-Team. Haben Sie daher umso mehr vor?“

„Ich glaube, jeder von uns möchte immer das Maximum erreichen, egal, für welche Nation oder welchen Verein man spielt. Für das heißt es, alles zu geben. Und zu schauen, dass man fit ist, dass man im Verein Woche für Woche 100 % gibt und sich empfiehlt. Dasselbe gilt auch für das Nationalteam. Dass man gut trainiert, bei den Spielen immer on point da ist und die richtigen Schritte als Mannschaft macht.“

Hymnen- und Torpremiere in Rot-Weiß-Rot als Affengrubers Momente für die Ewigkeit

„Der bisherige Lehrgang war mit dem Punktemaximum aus zwei Spielen vielversprechend, insbesondere auch für Sie. Wie war dieses Gefühl, erstmals für Ihr Land zu treffen?“

„Dass es im ausverkauften Ernst-Happel-Stadion passiert, ist schon etwas Besonderes. Der Kopfball selbst lässt sich auch ansehen. Es war ein überragendes Gefühl, generell das erste Mal am Platz zu stehen und die Nationalhymne zu singen. Das ist ein Moment, den ich in meiner Karriere nie vergessen werde.“

Premierentreffer im ÖFB-Team – Affengruber: „Ein schönes erstes Länderspieltor“

„Wir haben eingangs bereits über Ihre sukzessive Karriereplanung gesprochen. Was sind die nächsten Ziele in Ihrer Entwicklung?“

„Ich will in der Premier League Fuß fassen und Woche für Woche Leistung zeigen. Wie ich vorhin bereits erwähnt habe, lernt man nie aus. Ich glaube, es ist noch viel Luft nach oben und noch einiges möglich. Ich bin 25 Jahre alt – nicht extrem jung, aber auch kein älterer, erfahrener Spieler. Ich glaube, dass es gerade sehr stimmig ist bei mir. Es läuft und, wie ich so gerne zu sagen pflege: Wenn’s läuft, einfach laufen lassen.“

„Vielen Dank für Ihre Zeit und viel Erfolg bei den kommenden Aufgaben mit dem ÖFB-Team und Fulham!“

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