Sky exklusiv || Querfeld vor Abschied? – „Die Zeit vergeht so schnell“

Zum Ausklang der Saison werden wie immer etliche Spieler der Bundesligisten gebührend verabschiedet. So auch in Hütteldorf! Beim SK Rapid sind es am Sonntag zumindest sieben an der Zahl. Einer, der speziell in den vergangen zwei Jahren eindrucksvoll auf sich aufmerksam gemacht hat, könnte noch dazukommen. Im exklusiven Sky- und möglichen Abschiedsinterview mit Sky-Reporter Eric Niederseer sprach Leopold Querfeld über seine persönlichen Highlights in Grün-Weiß, besondere Emotionen vor dem möglicherweise letzten Heimspiel in Hütteldorf und die Kaderbekanntgabe zur EM am Dienstag – inklusive „Querfeld’schem“ Versprecher!

Sky: „Am Sonntag geht eine mental fordernde Saison zu Ende. Wie würden Sie die abgelaufene Spielzeit rückblickend zusammenfassen?“

Leopold Querfeld: „Ich glaube es war eine Saison mit vielen Höhen, die aber auch mit ein paar Tiefen geschmückt war. Wir haben einige sehr, sehr gute Spiele gemacht, haben es aber oftmals verpasst, durch die guten Leistungen einen Lauf oder Schwung aufzunehmen. Man muss aber schon sagen, dass wir mit dem neuen Trainer eine lange Zeit ungeschlagen waren. Und trotzdem dann wieder zwei, drei Spiele nicht so performt haben, wie wir es wollten. Ich glaube, abschließend müssen wir mit dem vierten Platz zufrieden sein. Das war dann das, was wir schlussendlich auch verdient haben. Auch wenn ich zu Ende hin den dritten Platz gerne mehr angegriffen hätte. Dafür haben wir aber einfach die Schlüsselpartien nicht gewonnen“.

Querfelds persönliche Highlights: „Dieses Jahr die Nummer Eins in Wien“

„Sie haben es bereits angesprochen: Es waren Tiefen dabei, aber auch einige Highlights. Was sind die persönlichen Momente, die Ihnen im Nachgang hängen geblieben sind?“

„Da fallen mir speziell drei Sachen ein: Einerseits der Heimsieg gegen die Fiorentina. Auch wenn der uns danach leider nicht geholfen hat, weiterzukommen. Das war schon etwas Besonderes. Gegen eine Mannschaft, die jetzt im Finale steht. Ich glaube wir waren die einzige Mannschaft, die sie in diesem Bewerb schlagen konnten. Es war einfach ein extrem cooles Spiel. Dann konnten wir dieses Jahr endlich das Heimderby gegen die Austria im neuem Stadion gewinnen – 3:0. Das war glaube ich auch ein sehr, sehr besonderes Spiel, wo leider dann im Nachhinein das Sportliche etwas in den Hintergrund geraten ist. Es war schon eine sehr, sehr gute Leistung von uns, wo wir schon sehr eindrucksvoll gezeigt haben, dass wir dieses Jahr die Nummer Eins in Wien sind. Und dann auf jeden Fall der Sieg gegen Salzburg. Seit fünf Jahren haben wir nicht gegen Salzburg gewinnen können. Und jetzt haben wir es mit einem 2:0-Sieg geschafft und das kurz nach so einer herben Niederlage im Cupfinale. Das sind glaube ich schon die drei Dinge, die mir als Erstes einfallen“.

„Was Sie persönlich betrifft: 13 Jahre in Grün-Weiß und vor allem in den letzten zwei Jahren, seit dem Profidebüt, war Ihr Aufstieg rasant. Wo sehen Sie, trotz Ihrer schweren Verletzung, die Gründe, dass Ihr persönlicher Aufstieg so rasch vorangeschritten ist?“

„Ich habe hier bei Rapid sehr, sehr früh das Vertrauen bekommen. Einerseits, weil wir Verletzungsschwierigkeiten auf meiner Position hatten und ich die Chance ganz gut genutzt habe. Das lebt Rapid ganz gut vor, dass man als junger Eigenbauspieler, wenn man alles gibt, die Chance hat, sich in die Mannschaft hineinzuspielen. Ich glaube, das ist mir sehr, sehr gut gelungen und ich habe immer wieder die Unterstützung und den Rückhalt vom Verein bekommen, die immer auf mich gesetzt haben. Für einen jungen Spieler ist es sehr, sehr wichtig, dieses Vertrauen intern zu bekommen. Andererseits, wenn ich an mich selber denke, habe ich einfach extrem viel dafür gearbeitet und sehr viel Zeit abseits des Platzes investiert. Ich glaube, das sind dann mehrere Dinge, die zu diesen erfolgreichen zwei Jahren für mich persönlich führen“.

„Sie haben am Sonntag im Interview mit meinen Kollegen bereits gesagt, dass ein vierter Rang nicht Ihr Anspruch ist. Mit ein paar Tagen Abstand: Fühlt es sich immer noch so an oder können Sie dieses „Trostpflaster“ mittlerweile annehmen?“

„Im Interview am Sonntag habe ich es genauso gesagt, wie ich es mir auch jetzt denke. Wenn man auf die Saison zurückblickt, wo es nicht mal sicher war, ob wir im oberen Playoff spielen oder nicht, und wenn man das Gesamte ansieht, dann müssen wir mit dem vierten Platz zufrieden sein. Aber wenn ich teilweise die Leistung meiner Mannschaft gesehen habe, denke ich, dass da noch mehr drinnen gewesen wäre. Dafür fehlen aber noch die Kleinigkeiten. Wenn man die Einzelspieler ansieht und auch die Leistungen, die wir als Mannschaft immer wieder gezeigt haben, wäre einfach noch viel mehr drinnen gewesen. Es hat dann schlussendlich einfach nicht für mehr gereicht, aber es ist trotzdem nicht der Anspruch – einerseits von mir und andererseits, wenn ich auf die Qualität von unserer Mannschaft schaue!“

Querfeld: „Platz vier war nicht mein Anspruch“

„Ein Saisonende bringt auf der einen Seite zwar immer den wohlverdienten Urlaub, auf der anderen Seite aber auch einige Verabschiedungen von langen Weggefährten. Wie blicken Sie dem Saisonabschluss entgegen?“

„Der Saisonabschluss ist immer so, dass ein paar Spieler den Verein verlassen. Bei ein paar Spielern ist es ja schon länger offiziell. Bei ein paar wird es jetzt langsam offiziell, dass sie einen anderen Weg einschlagen oder dass sie den Vertrag nicht verlängern. Das ist natürlich nie einfach, denn mit keinem Menschen verbringt man so viel Zeit wie mit den Teamkollegen. Als Fußballer verbringt man viele Reisen gemeinsam, ist jeden Tag gemeinsam am Trainingsplatz. Da entstehen schon gewisse Bindungen und Freundschaften. Und es ist dann natürlich immer etwas anderes, wenn nächstes Jahr andere Kollegen statt ihnen dabei sind. Aber ich glaube, das ist etwas ganz Normales, das zum Fußball dazugehört“.

Der Kindheitstraum eines Wiener Jungen – „Ich werde versuchen, das Spiel zu genießen“

„Auch was Ihre Person betrifft, wird viel spekuliert. Es könnte auch bei Ihnen ein letztes Spiel in Hütteldorf sein. Mit welchen Gefühlen werden Sie am Sonntag den Rasen im Allianz Stadion betreten?“

„Ich werde es so machen wie immer. Ich werde versuchen, das Spiel zu genießen. Vor jedem Spiel mache ich mir nochmals klar, dass es etwas ist, wovon ich schon als Kind geträumt habe: in diesem Stadion zu spielen. Ich versuche jedes Spiel zu genießen. Ich glaube, das fällt vor allem als junger Spieler am Anfang gar nicht so leicht. Aber die Zeit vergeht so schnell, dass man im Nachhinein die schönen Momente dann erst so wirklich realisieren kann. Deswegen versuche ich es immer Spiel für Spiel zu genießen, in diesem Stadion zu spielen, weil es schon immer etwas war, das ich als kleiner Junge erreichen wollte. Und ich glaube, dass es schon ein großes Privileg ist als Wiener Junge, als Fußballer, in diesem Stadion, für diesen Verein, vor diesen Fans zu spielen“.

„Bei Ihnen „könnte“ es das letzte Spiel sein, für einen ist es ganz sicher das letzte Spiel: Sie kennen Marco Grüll nun bereits seit drei Jahren. Wie erleben Sie ihn in den letzten Tagen vor seinem letzten Spiel am Sonntag?“

„Ich muss sagen, als es offiziell geworden ist, dass er zu Werder Bremen gehen wird, war ich mir unsicher, was das für seine sportliche Leistung bei uns heißen wird. Aber er hat einfach nur bestätigt, dass auch ihm der Verein, die Mannschaft und der sportliche Erfolg enorm wichtig ist. Er hat danach weiter, wenn nicht sogar besser, performt und war in den letzten Wochen extrem wichtig für uns. Ich glaube jeder weiß, was er für eine Bedeutung in dieser Mannschaft hat. Wie er die letzten Tage angeht? Genauso wie die letzten Wochen. Er gibt weiterhin Gas, er hat seinen Spaß am Trainingsplatz mit uns Mitspielern. Er zeigt in jedem Training, was er für eine enorme Qualität hat und warum er diesen enormen Sprung in die deutsche Bundesliga machen kann. Das hat er sich einfach verdient. Er ist ein Top-Mitspieler, der am Platz immer alles gibt. Einer, mit dem man aber auch einen Spaß haben kann“.

Rapid um „versöhnlichen Saisonabschluss“ – Hartberg will Platz fünf

„Marco Grüll hat mit der deutschen Bundesliga eine Liga gewählt, die in Zukunft sicherlich auch für Sie nicht uninteressant werden könnte. Was gibt man einem Marco Grüll mit auf den Weg?“

„Er ist älter als ich, er hat demnach auch schon mehr Erfahrung als ich. Ich werde ihm einfach alles, alles Gute wünschen und werde schauen, dass ich mit ihm weiterhin in Kontakt bleibe und werde ihn natürlich weiterhin verfolgen. Viele Tipps braucht er auf seinem Weg nicht. Er hat in dieser Saison wieder bewiesen, was für enorme Qualität er besitzt. Ich hoffe, dass er es auch dort auf den Platz bringen kann. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass er seinen Weg gehen wird und ich wünsche ihm dafür natürlich alles, alles Gute“.

Querfeld’scher Versprecher über EM-Nominierung: „ein großer Traum, der in Erfüllung gegangen …. wäre“

„Eingangs haben wir davon gesprochen, dass nun der Urlaub vor der Türe steht. Sehnen Sie sich auch bereits danach oder haben Sie die Zeit vom 14. Juni bis 14. Juli noch geblockt?“

„Vom 14. Juni bis 14. Juli? („schmunzelt“). Ich bin gespannt. Ich glaube am Dienstag ist die Einberufung auf das A-Nationalteam, worauf sie gerade anspielen. Und auch die U-21 hat noch einen Lehrgang. Ab Sonntag steht auf jeden Fall mal circa eine Woche auf dem Programm, wo man selbstständig weitertrainieren wird, wo man weiterhin sein Programm machen wird. Und was dann kommt, kann ich jetzt noch nicht sagen. Es wäre natürlich ein großer Traum, der in Erfüllung gegangen … („überlegt“) … wäre („lacht“) …aber wie ich schon öfters gesagt habe, es ist Nichts, das ich persönlich erzwingen kann. Ich kann nur mit meiner Leistung am Sonntag wieder zeigen, was ich draufhabe. Dann wird der Teamchef entscheiden. Ich habe mir für diesen Zeitraum natürlich nichts geplant. Aber ich bin entweder als Spieler oder als treuer Supporter gespannt dabei“.

„Letzte Frage: Gab es bereits eine Kontaktaufnahme mit Ralf Rangnick und wie ist der Austausch?“

„Den letzten Kontakt mit dem Teamchef gab es damals, als ich eine leichte Muskelverletzung hatte. Da habe ich den Trainer informiert, wie es mir geht. Er hat sich auch nach mir erkundigt. Das war der letzte Austausch. Aber über einen EM-Kaderplatz oder so habe ich mit ihm nie telefoniert oder geschrieben. Ich glaube, es gibt auch noch einige Fragezeichen. Man weiß nie, wie es mit den Verletzungen aussieht. Leider sind wir als Team nicht verschont geblieben, einige wichtige Spieler drohen auszufallen oder werden ausfallen. Deshalb ist auch nicht alles bis zum Ende entschieden, aber die Entscheidung wird dann am Dienstag fallen. Genauso für mich“.

„Vielen Dank für Ihre Zeit & für Ihre Zukunft alles erdenklich Gute!“

(Red.)/Bild: GEPA