Sky exklusiv || Rangnick: „Brauchen eine klare Führung im ÖFB“

Teamchef Ralf Rangnick hat sich am Sonntag bei „Talk und Tore Exklusiv“ umfangreich über zahlreiche Themen rund um den ÖFB geäußert – so sprach der Deutsche über das Chaos im heimischen Fußball-Verband, die Unklarheiten im Präsidium sowie die Rückzugsdrohungen mehrerer Sponsoren.

Ein Machtvakuum an der Spitze, strittige Personalentscheidungen und angefressene Sponsoren: Der ÖFB kommt nicht zur Ruhe. Dabei läuft es für Rangnick und das ÖFB-Team auf dem Platz nicht schlecht. In einem Monat (20. und 23. März) geht es im Nations-League-Playoff um den Aufstieg in die Liga A, im Juni beginnt die WM-Quali mit dem großen Ziel Weltmeisterschaft 2026 in Kanada, Mexiko und den USA.

Rangnick: „Habe vier Präsidenten in drei Jahren erlebt, das ist bemerkenswert“

Der Status quo im ÖFB-Präsidium ist dabei alles andere als rosig. „Ich bin seit fast drei Jahren da und habe vier Präsidenten erlebt. Im Mai kommt wahrscheinlich der Fünfte. Das ist schon bemerkenswert“, meinte Rangnick. Interimspräsident ist seit Ende November 2024 Wolfgang Bartosch, im Mai wird sein Nachfolger gewählt.

„Ich habe in regelmäßigen Abständen Kontakt zu Bartosch. Wir haben uns unmittelbar nachdem er Interimspräsident wurde, getroffen. Seitdem sind wir auch immer wieder zu bestimmten Themen in telefonischem Austausch“, sagte der 66-Jährige in der Sky-Exklusivsendung. Für die Zukunft wünscht sich der Teamchef mehr Ruhe im Verband: „Wir brauchen eine klare Führung. Jemanden, der den Weg vorgibt und mit uns zusammen den Abstand zu den Nationen, die im Moment noch vor Österreich liegen, verringert.“

„Talk und Tore Exklusiv“ mit Ralf Rangnick

Wer wird ÖFB-CEO? Bartosch: „Gibt keine offizielle Bewerbung“

Bartosch selbst, der im Vorfeld der Sendung mit Sky-Moderator Martin Konrad gesprochen hat, äußerte sich ebenfalls über seine Position: „Ich habe diese Funktion mit dem Bewusstsein angenommen, dass es nicht einfach wird. Man braucht gute Nerven und man muss eine gewisse Resilienz entwickeln.“ Der 67-jährige Bartosch ist der vierte Präsident seit 2021: „Es wäre gut, wenn bald wieder Kontinuität herrscht, es macht so kein gutes Bild.“

Dabei hatte sein Vorgänger Klaus Mitterdorfer den Grundstein für eine Neuorientierung beim ÖFB in Form einer Strukturreform gelegt. Nach dem Ausscheiden von Ex-Präsident Mitterdorfer im November 2024 wurde diese Umstrukturierung vorerst auf Eis gelegt, bei einer Präsidiumssitzung im März soll die Reform erneut diskutiert werden.

ÖFB-Präsident Bartosch: „Man braucht gute Nerven“

Planmäßig sollte ein CEO installiert werden, der die Geschicke im ÖFB leitet. Der Präsident sollte in Zukunft weniger Macht bekommen. Eine Kandidatenliste gibt es laut Bartosch derzeit aber nicht: „Es gibt bis zum jetzigen Tag keine offizielle Bewerbung. Die Tendenz geht in die Richtung, dass die Position des CEO extern besetzt wird.“

Rangnick: „Brauchen einen starken Präsidenten und Aufsichtsratsvorsitzenden“

Für Rangnick ist das „Wer“ und „Wie“ an der ÖFB-Spitze nicht ausschlaggebend. „Dass es jetzt einen möglichst starken Präsidenten bzw. Aufsichtsratsvorsitzenden geben muss, steht für mich außer Frage. Ich bin offen für die bestmögliche Person, egal ob Mann oder Frau. Wir brauchen jemanden, der richtige Führungsqualitäten hat und sowohl das Land nach außen repräsentiert und auch dem Präsidium vorstellt“, so der Deutsche.

Bartosch stellte indes klar, dass der Teamchef volle Unterstützung vom Verband bekommt: „Das Präsidium steht geschlossen hinter dem Teamchef. Er ist unser Zugpferd und eine sehr charismatische Persönlichkeit.“ Wenn es um die Neubesetzungen in der ÖFB-Führungsriege sowie die Umsetzung der Strukturreform geht, schließt Bartosch einen größeren Einfluss von Rangnick aus. „In der Strukturreform sehe ich den Teamchef weniger, das ist eine klassische Angelegenheit, die der ÖFB als Sportverband mit den Gremien zu entscheiden hat“, sagte der Steirer.

Rangnick über neue ÖFB-Führung: „Bin offen für die bestmögliche Person“

Strukturreform könnte im Mai kommen

Wie die „neue“ Strukturreform aussehen könnte, wird wohl im März auf einer Präsidiumssitzung besprochen werden. Die ÖFB-Hauptversammlung findet dann im Mai in Bregenz statt, hier soll die Strukturreform beschlossen sowie ein neuer Verbandschef vorgestellt werden. In diesem Zusammenhang wurden auch die Kündigungen von Geschäftsführer Bernhard Neuhold und Generalsekretär Thomas Hollerer Ende Jänner nachträglich zurückgenommen. Ohne das Duo wäre der ÖFB nicht handlungsfähig.

Vor allem die Trennung von Neuhold, der als Manager ein wichtiger Ansprechpartner für Teamspieler war, sorgte bei Rangnick für Unverständnis: „Es zeigt, dass die damalige Entscheidung nicht zu Ende gedacht war. Wenn man als Präsidium entscheidet, dass ein Bernhard Neuhold oder Thomas Hollerer nicht mehr da sind, muss man auch überlegen, wer macht den Job gleich gut oder besser?“ Über die zukünftigen Rollen von Neuhold und Hollerer, die seit Jahren ein zerrüttetes Verhältnis haben, hielt sich Bartosch bedeckt: „Das wird sich zeigen, ein Miteinander wird schwer.“

Rangnick über Kündigungen von Neuhold und Hollerer: „War nicht zu Ende gedacht“

Sponsoren drohen mit Rückzug – Rangnick: „Außergewöhnlich, dass…“

Die ständigen Unruhen im ÖFB sorgten zuletzt für negative Schlagzeilen. So haben sieben wichtige Sponsoren mit einem Rückzug gedroht. Die langjährigen Partner des Verbandes sind mit der mangelnden Professionalität und Kommunikation seitens des ÖFB unzufrieden. Die Sponsoren fordern demnach eine externe Person als künftigen ÖFB-Präsidenten.

„Ich finde es schon außergewöhnlich, dass alle Sponsoren so eine Petition eingebracht haben“, sagte Rangnick bei „Talk und Tore Exklusiv“ über diese Rückzugsdrohungen. Dennoch fügte der ÖFB-Coach an: „Die Attraktivität einer A-Nationalmannschaft war glaube ich schon lange nicht mehr so hoch, wie sie jetzt im Moment ist, daraus muss man das nötige Kapital schlagen, auch wirtschaftlich. Ich bin mir relativ sicher, wenn wir in diesem Bereich wieder als Einheit auftreten, ist sehr viel möglich.“

Ans Aufhören denkt der 66-jährige Rangnick trotz des Durcheinanders beim ÖFB dennoch nicht. „Solange du liebst was du machst und dich weiterentwickeln kannst, ist es ein fantastischer Job. Wenn du die Chance hast, mit guten Leuten zusammenzuarbeiten, dann macht es umso mehr Spaß“, so der Teamchef.

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Bild: GEPA