Sky exklusiv || So will Lustenau-Coach Heraf den Abstieg verhindern

Andreas Heraf ist seit 1. Jänner neuer Trainer von Austria Lustenau. Der 56-Jährige, der die Vorarlberger bereits zwischen 2003 und 2005 betreute, spricht im Sky-Exklusivinterview mit Nera Palinic u.a. über den bevorstehenden Abstiegskampf mit Lustenau.

Sky: „Wie haben Sie sich eingelebt im neuen/alten Verein?“

Heraf: „Bis jetzt sehr gut. Es gibt ja noch einige vom Vorstand von früher oder auch im Umfeld des Vereins, die ja auch schon damals da waren. Auf der anderen Seite ist es immer eine kurze Zeit in der man sich an einen neuen Verein gewöhnen muss. Ist ja auch nichts neues für mich, mittlerweile bin ich schon sehr, sehr lange in dem Geschäft. Es ist halt schnell gegangen. Der Verein versucht mir alles Mögliche zu ermöglichen. Alles was ich brauche kriegen wir, um ganz einfach dieses Ziel zu erreichen und somit wird es einem leicht gemacht und die Jungs sind in der Woche wo wir jetzt trainiert haben super mitgezogen. Von der Warte ist es super bis jetzt.“

Sky: „Lustenau war Ihr erster Verein, bei dem Sie eine Kampfmannschaft trainiert haben. Hat der Verein deswegen auch einen besonderen Platz in Ihrem Herzen?“

Heraf: „Ja stimmt. Das hat er absolut. War mein erster Profi Verein. Sehr erfolgreiche Zeit damals. Knapp leider nicht den Aufstieg geschafft. Aber natürlich erste Station, erfolgreich. Es war dieser Jahrhundertsommer 2003, wo nur Sonnenschein war. Es hat super gepasst. Wir haben super Resultate gehabt und wir haben abseits vom Platz tolle Zeiten am See erlebt. Das war ja ein unfassbarer Sommer eigentlich und ein sehr schönes, erfolgreiches Jahr, aber nur nicht ganz gekrönt mit dem verpassten Aufstieg damals.“

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Sky: „Was ist denn Ihrer Meinung nach der größte Unterschied zwischen der damaligen Lustenauer Austria und der Heutigen?“

Heraf: „Naja, der Fußball hat sich natürlich generell weiterentwickelt und auch das Vereinswesen und es ist natürlich schon auch der große Unterschied erste Liga. Und der Unterschied zwischen der ersten und der zweiten Liga in Österreich ist ja ein riesiger. Das ist ein riesen Sprung in allen Bereichen. Sei es von den Fans, der Angestelltenanzahl oder dem Niveau. Es ist damals auch schon viel mit dem Stadion verbunden gewesen. Das Reichshofstadion ist ein Traditionsstadion und das ist ja jetzt auch Geschichte oder zumindest jetzt mal Pause bis das neue steht. Dann kommt noch der Umzug nach Bregenz dazu. Es ist einfach alles ein bisschen anders, als es sonst war.“

„Ich kenne den Abstiegskampf“

Sky: „Was war denn Ausschlaggebend für Sie, dass Sie sich entschlossen haben diese Herausforderung anzunehmen?“

Heraf: „Eigentlich genau das. Ich bin jemand, der immer gern Risiko gegangen ist oder der immer gerne besondere Herausforderungen gesucht hat. Ich finde irgendwie das gehört zum Leben dazu. Wir sind einmal auf dieser Erde und haben einen gewissen Zeitraum, um Dinge auszuprobieren und einfach mutig zu sein. Das war jetzt auch so eine Geschichte. Das hab ich immer gemacht, ohne groß nachzudenken. Viele Freunde haben mich angerufen und gesagt: ‚Ah wie kannst du das machen?! Du bist Dritter in Bregenz, super Mannschaft und jetzt gehst zu denen. Die sind letzter mit 3 Punkten, die steigen eh fix ab.‘ Und ja genau das macht eigentlich den Reiz aus, diese Herausforderung, die schwierig ist, aber trotzdem machbar. Es war relativ schnell klar, dass ich das machen würde, wenn sich die Vereine einigen würden und wenn es passt. So bin ich halt. Ich habe keine Angst, dass etwas schief gehen könnte. Ich weiß, dass Dinge schief gehen können im Leben, aber ich denk nicht daran.“

Sky: „Was bringen speziell Sie mit, was im Kampf gegen den Abstieg hilfreich sein könnte?“

Heraf: „Ich kenne auf alle Fälle schon mal diese Situation. Ich habe in Ried vor 3 Jahren genau dieselbe Situation gehabt: Eine Mannschaft übernommen, die 10 Spiele in Serie nicht gewonnen hat, die nur 3 Punkte geholt hat und die damals Vorletzter war. Ich kenne also den Abstiegskampf und wir haben es damals dann sehr, sehr souverän geschafft. Das ist jetzt genauso das Ziel. Ich weiß worauf es ankommt im Abstiegskampf.“

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Sky: „Und was genau kommt es an?“

Heraf: „Es geht ganz einfach darum ruhig zu bleiben. Die Situation schaut natürlich auf den ersten Blick nicht angenehm aus. Wir stehen mit dem Rücken zur Wand und natürlich kommt die Punkteteilung, die uns noch helfen wird. Man muss da ganz sachlich an die Sache rangehen. Mit ganz einfachen Mitteln, damit die Mannschaft und jeder Spieler versteht, was wir spielen wollen. Dieses Konzept wird sehr einfach gestrickt sein. Es geht nur um Punkte, ein Ergebnissport eben. Und was mein Punkt ist, ich sag immer: Wenn ein Verein einen Trainer braucht, der ein Feuerwerk abliefert, der die Leute von den Sitzen reißt, der 5000 Pässe in einer Halbzeit spielt und der einen Expected-Goals-Faktor von 3,8 hat, dann braucht ihr mich nicht anrufen. Mich könnt ihr anrufen, wenn ihr jemanden braucht, der gewinnt und Punkte holt, egal wie.“

Sky: „Weil Sie gerade ein Feuerwerk erwähnt haben: Was halten Sie vom Begriff ‚Feuerwehrmann‘?“

Heraf: „Ach.. ich habe eigentlich nichts dagegen, weil erstens existiert er, den hat man irgendwann mal geschaffen, wenn man einspringt. Was mich aber stören würde ist, wenn man mich auf den Feuerwehrmann reduziert. Das bin ich nicht, weil das hab ich bei vielen Stationen gezeigt. Speziell wenn man jetzt Bregenz hernimmt. Letztes Jahr aufgestiegen in die zweite Liga, dort Dritter geworden. Das schaffst du nicht, indem du als Feuerwehrmann agierst. Da musst du auch andere Dinge können. Aber ich kann auch Feuerwehrmann und in dem Fall ist es eine ganz klare, hundertprozentige Feuerwehrmannaktion, die jetzt gebraucht wird und dafür bin ich gerne bereit.“

„Müssen in allen Bereichen besser werden“

Sky: „Wo haben Sie bis dato die größten Schwächen bei der Mannschaft gesehen?“

Heraf: „Wir haben 3 Punkte geholt, 40 Gegentore bekommen, von denen 19 aus Standardsituationen entstanden sind, und nur 8 Tore geschossen. Somit ist die Antwort in diesen Zahlen drinnen. Wir müssen besser verteidigen. Wir müssen besser angreifen und wir müssen bei Standardsituationen in beide Richtungen besser werden. Und ja das ist auch alles was es im Fußball gibt, da gibt es nicht mehr. Wir müssen in allen Bereichen besser werden, sonst, das ist Faktum, steigen wir ab. Wir brauchen gar nicht drum rum reden: Wenn wir so performen, sind wir abgestiegen. Es ist schwierig, aber auch schön, weil wir nichts mehr zu verlieren haben, weil uns eigentlich niemand mehr was zu traut. Wenn ich mich in Österreich umhöre, dann sind sich alle einig, dass wir absteigen und das macht auch den Reiz aus.“

Sky: „Sie haben vor dem ersten Training zur Mannschaft gesagt: ‚Wer nicht mitzieht, ist weg.‘ Sind Sie ein Mann der klaren Worte?“

Heraf: „Oft werde ich als unbequem bezeichnet. Ich hab heute wieder die Diskussion mit einem Journalisten geführt. Ich hab ihn gefragt: ‚Warum schreibst du unbequem und was meinst du damit? Wenn du damit meinst, dass ich Leistung fordere, dann bin ich gerne unbequem.‘ Das ist doch im Leistungssport das Mindeste was man verlangen kann, dass einer Leistung bringt. Für das kriegt er sein Geld, für das ist er angestellt. Ich bin immer so gefahren und werde das auch weiterhin so tun. Ich verlange nicht, dass einer immer gut spielt, aber ich verlange, dass er immer sein Bestes gibt. Wenn er das tut gibt es mit mir keine Probleme. Wenn jemand aber individuelle Interessen in den Vordergrund stellt, dann gibt es sehr wohl Probleme. Es geht um die Mannschaft. Man sagt immer: ‚Die Mannschaft ist der Star.‘ Den Satz unterschreibe ich gerne. Persönliche Interessen hinten anstellen, weil es geht jetzt nur mehr um den Verein, weil das ganz einfach auch existenzielle Geschichten sind. Es ist nicht 5 vor 12, sondern sagen wir mal es ist 12. Und da möchte ich mich nicht in Diskussionen verlieren, in denen man einzelne Personen versuchen muss auf den richtigen Weg zu bringen. Wer mitzieht ist herzlich eingeladen, aber wer nicht mitzieht oder nicht mitziehen möchte, bin ich nicht böse, aber dann hat er keinen Platz in meiner Mannschaft.“

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„Werden das nötige Glück erzwingen“

Sky: „In einem Satz: Was stimmt Sie zuversichtlich, dass ihr den Klassenerhalt schafft?“

Heraf: „Puh.. in einem Satz, das ist schwierig, aber ich versuch es. Weil wir als Mannschaft auftreten werden, diese Mannschaft es den Gegnern verdammt schwer machen wird gegen uns zu gewinnen und wir das nötige Glück erzwingen werden.“

Sky: „Abschließend noch: Wie skurril ist es eigentlich, dass Sie jetzt eine neue Mannschaft, in einer anderen Liga übernommen haben, aber trotzdem im gleichen Stadion wie zuvor Ihre Heimspiele austragen werden?“

Heraf: „(lacht)… ja das ist ein seltsamer Zufall. Ich weiß nicht, ob es das schon mal irgendwo gegeben hat. Ist aber ein netter Zufall, weil ich bin in Bregenz wohnen geblieben. Das heißt, der Weg zum Stadion bleibt sehr, sehr kurz. Ich kenne die Fahrstrecke dahin und die Gegebenheiten. Durch den neuen Rasen gibt es dann auch super Verhältnisse. Bin also sehr zufrieden und kann damit sehr gut leben. Aber ja, es stimmt schon, es ist schon was sehr auffälliges.“

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(Nera Palinic)

Bild: GEPA