Sky exklusiv || Zinsberger: „Es braucht mehr Menschen, die sich für andere einsetzen“
Arsenal- und ÖFB-Teamtorhüterin Manuela Zinsberger spricht am Weltfrauentag mit Sky-Reporterin Kimberly Budinsky über den kürzlich gelungenen Sieg im North-London-Derby, Gleichberechtigung im Frauenfußball und was es braucht, um das Thema Homosexualität im Männerfußball zu normalisieren.
Außerdem berichtet die werdende Mutter über ihr privates Glück mit ihrer Ehefrau und über ihre Zukunftspläne.
Sky: „Manuela, die FA Women’s Super League ist in vollem Gange, wie geht es Ihnen aktuell?“
Zinsberger: „Mir geht es sehr gut. Wir sind mit Arsenal gerade erst ins Continental-Cup Finale eingezogen, somit ist der nächste Schritt erledigt. Und obendrauf sind wir in der Liga gut dabei. Wir sind aktuell auf dem dritten Platz. Natürlich würde mich der erste Platz noch mal mehr freuen, aber wir haben ja noch Zeit.“
Sky: „Vergangene Woche haben Sie mit Arsenal vor ausverkauftem Haus im Emirates Stadium das North London Derby mit 1:0 gewonnen. Wie war dieser Tag für Sie?“
Zinsberger: „Atemberaubend. Es war nicht das erste Mal, dass wir ein ausverkauftes Haus hatten im Emirates. Gänsehaut pur. Wenn die Fans „North London Forever“ singen, ist das schon mal eine andere Hausnummer. Ein Zeichen für den Frauenfußball. Was Arsenal und die Arsenal Fans für neue Maßstäbe setzen, ist einfach unbeschreiblich. Ich hoffe, dass da viele andere Vereine mitziehen und wir alle gemeinsam den Frauenfußball fördern. Arsenal ist absoluter Spitzenreiter und es ist unglaublich, was der Verein nicht nur on-pitch, sondern auch off-pitch leistet. Es macht mich stolz, für Arsenal zu spielen.“

Zinsberger mit großem Lob für Arsenal
Sky: „Heute ist Weltfrauentag. Ein Tag, der im Zeichen der Gleichberechtigung für Frauen steht. Sind wir im Frauenfußball am richtigen Weg?“
Zinsberger: „Am Beispiel der Arsenal Frauen würde ich sagen ja, da sind wir auf dem richtigen Weg. Man merkt das am Betreuerstab, den Facilities, der Kaderqualität, der Kaderbreite und an den Gehältern. Daran, dass dieser große Verein hinter Frauenfußball steht und das nicht nur fordern, sondern auch fördern möchte. Dass wir dann unsere Leistung obendrauf bringen, das ist natürlich der Jackpot. So können wir auch die Fans im Stadion halten und dann auch endlich auch mal Gewinne aus dem Frauenfußball erzielen. Das macht mich glücklich. Ich hoffe aber, dass der Anspruch ist, dass viele Vereine nachziehen und der Standard immer höher wird.“
Sky: „Es hat unter anderem gerade den Equal-Pay-Day und den Equal-Play-Day gegeben. All das zeigt, dass es noch Aufholbedarf gibt. Ihrer Meinung nach: Was sind die Dinge, die man tun kann und muss, um hier Verbesserungen zu erzielen?“
Zinsberger: „Das ist eine sehr breit gefächerte Frage, weil nicht nur wir Spielerinnen dafür verantwortlich sind, sondern weil es auch so viele andere Parteien braucht, um hier Verbesserung zu erzielen. Verbände, Vereine, Investoren, einzelne Personen, Mitarbeiter, Betreuer. Da reden wir von jeder einzelnen Person. Das Wichtigste ist, dass man gemeinsam, langfristig, an Gleichberechtigung glaubt. Man muss langfristig an den Prozess glauben, Leute an die Hand nehmen, die eine Leidenschaft für Frauenfußball haben und etwas bewirken möchten. Da gibt es viele Personen, beispielsweise in Österreich auch Lisa Makas und Vicky Schnaderbeck, die sich beide auch nach Ihrer aktiven Karriere für Frauenfußball einsetzen und über den Tellerrand blicken. Es liegt auch an den Zusehern und Zuseherinnen. Je mehr Leute ins Stadion kommen, umso mehr wird die Zeitung berichten, umso mehr wird über Frauenfußball gesprochen. Es wäre gut, wenn sich mehr Menschen denken: ‚Ich gehe jetzt einfach mal ins Stadion‘. Im Frauenfußball können kleine Schritte viel bewirken und das sollte den Leuten bewusst sein.“
Sky: „Wie sehen Sie das Thema Equal-Pay und Bezahlung in Bezug auf den Unterschied zwischen Frauen- und Männerfußball?“
Zinsberger: „Ich kann aufgrund meiner Erfahrungen aktuell nur anhand der englischen Liga einschätzen, wie sich das entwickelt. Ich finde, dass sich das auf jeden Fall in eine richtig gute Richtung entwickelt. Man merkt das auch an den Ausgaben für Transfers. Es sind zwar keine 222 Millionen wie für Neymar, aber den Rekordtransfer in Frauenfußball gab es diesen Winter bei Chelsea, für Mayra Ramirez mit €450.000. Daran merkt man, dass auf einmal mehr Geld investiert wird. Die Gehälter sind zwar nicht öffentlich zugänglich, aber dementsprechend zeigt sich, dass auch die Gehälter besser werden. Natürlich sind wir nach wie vor weit davon entfernt, dasselbe wie Männer zu verdienen, aber wir entwickeln uns in die richtige Richtung in England. In Österreich haben wir noch viele Schritte vor uns. Aber persönlich kann ich sagen, in England sind wir auf jeden Fall auf dem richtigen Weg.“
„Erschreckend, welche Wortwahl in den Stadien getroffen wird“
Sky: „In Österreich lässt ein anderes Problem im Fußball gerade aufhorchen, Homophobie sorgt durch jüngste Vorfälle bei Rapid gerade für Schlagzeilen. Wie haben Sie die Causa mitverfolgt?“
Zinsberger: „Es war ja kaum zu übersehen, was das für Wellen geschlagen hat. Einerseits finde ich gut, dass wieder ins Bewusstsein gerufen wird, was wirklich im Fußball los ist. Andererseits finde ich es erschreckend, welche Wortwahl teils immer noch in Stadien getroffen wird. Es zeigt wieder auf, dass noch Arbeit geleistet werden muss, damit Leute verstehen, was Diskriminierung bedeutet, welche Wörter diskriminierend sind. Ich finde, man sollte sich bewusst sein, dass gewisse Wörter, die gesellschaftlich offenbar als ‚in Ordnung‘ eingestuft werden, für viele Menschen deshalb trotzdem nicht in Ordnung sind. Wir hatten zum Beispiel in England kürzlich einen Vortrag von der PFA (Professional Footballers Association), wo es darum gegangen ist, welche Wörter am Platz zwischen Spielern und Spielerinnen als diskriminierend gelten. Ich habe diese Worte zwar nie verwendet, aber ich kann Ihnen sagen, es waren viele überraschende Beispiele dabei. Vielleicht braucht es solche Workshops, dass die Leute sich dementsprechend mal an der Nase nehmen und sagen okay, vielleicht muss ich da meine Werte noch mal überdenken. Ja, man hat es ausgesprochen, und ja, vielleicht ist es aus der Emotion heraus passiert. Aber nichtsdestotrotz muss ich mich selbst noch mal hinterfragen: Bin ich mir dessen wirklich bewusst gewesen? Dinge gehören bestraft, aber auf der anderen Seite gehört es glaube ich vom Grundgedanken her überdacht. Also es sitzt ein bisschen tiefer als nur bei diesem einen Vorfall. Es reicht nicht zu denken, mit der Strafe wäre alles getan. Dann kommt das nächste Spiel, der nächste Sieg oder Niederlage und dann passiert sowas wieder.“
Sky: „Der Vorfall hat für Schlagzeilen gesorgt, die Strafen sind ausgesprochen, aber Homophobie bleibt ein für viele Vereine geltendes Problem im Fußball, das damit nicht gelöst ist. Wie sollte man Ihrer Meinung nach weiter vorgehen, um hier wirklich Veränderung zu bewirken?“
Zinsberger: „Die Strafen greifen noch nicht das eigentliche Problem an. Ich möchte nicht für gut erklären, was passiert ist. Der Vorfall zeigt noch mal auf, was wir wirklich ändern müssen. Wir wollen ja alle Gleichberechtigung. Wir wollen, dass sich jeder frei entfalten kann, jeder seine Sexualität ausleben kann, wie er möchte und dass sich hoffentlich auch bald Männer im Fußball bereit fühlen, zu ihrer Homosexualität zu stehen. Umso mehr Stimmen im Fußball genutzt werden, größere Stimmen genutzt werden, die dafür einstehen, umso besser. Ich glaube, grundsätzlich muss jeder vor der eigenen Haustür kehren. Mir gefallen auch manche Dinge nicht. Aber ich akzeptiere jeden so wie er ist, das ist die Lebensweise anderer Menschen, die kann und will ich nicht beeinflussen, solange es rechtlich in Ordnung ist. Aber wichtig ist doch einfach, dass ich mit meinem Leben zufrieden bin, so wie ich es lebe und andere auch akzeptiere, wie sie sind. Helfen werden sicher Workshops in jeder Art und Weise. Und: Es braucht auf unserer Welt einfach mehr Menschen, die sich für andere einsetzen.“
Sky: „Würden Sie unterstützen, dass bei homophoben Gesängen Spiele unterbrochen werden müssen, wie es zum Beispiel in Frankreich schon der Fall war? Ist das Ihrer Meinung nach etwas, was wir in Österreich bräuchten?“
Zinsberger: „Natürlich, wenn irgendwer beschimpft wird, Becher geschossen werden, jemand verletzt wird oder rassistische Ausdrücke verwendet werden, sagen wir doch auch, dass das Spiel abgebrochen werden soll. Und ich finde genauso bei solchen Dingen kann man ein Zeichen setzen.“
Zinsberger über Familien-Glück und Zukunftsplanung
Sky: „Manuela, weg von Fußballpolitik, ich möchte mit Ihnen noch über Ihr privates Glück sprechen. Sie werden im Juni Mama, gemeinsam mit Ihrer Frau, die Sie 2023 geheiratet haben.“
Zinsberger: „Ja, ich bin gerade bei meiner Frau in Deutschland, weil wir ein paar Tage frei haben und das Baby wächst und gedeiht. Privat könnte es mir nicht besser gehen. Im Juni steht ein neues Abenteuer an und demnach können wir es kaum abwarten.“
Sky: „Ihre Vertragsverlängerung ist ja offiziell geworden. Wie schauen Ihre Pläne für die Zukunft generell aus? Wollen Sie noch länger in London bleiben?“
Zinsberger: „Ich habe aktuell meinen Vertrag verlängert und könnte darüber auch nicht glücklicher sein. Nach wie vor meinen Traum zu leben, aber trotzdem das Familienprojekt anzugehen. Genau deswegen könnte es mir aktuell nicht besser gehen. Meine Frau lebt in Deutschland, wir werden es so regeln, dass sie nach wie vor hierbleibt. Und wenn wir mit unserem Kind irgendwann reisen können, werden wir es dann so lösen, dass sie immer wieder zu mir kommt. Ich freue mich darauf, Fußball, Frau, Familienglück, all das zu verbinden, sodass man einerseits seinen beruflichen Traum weiterleben kann, aber andererseits auch seinen privaten Traum verwirklichen kann.“
Sky: „Und dazu vielleicht noch der ein oder andere Titel?“
Zinsberger: „Jeder Titel wäre mir recht und ich werde alles dafür tun, den Kasten sauber zu halten. Und demnach hoffe ich natürlich, dass wir am Ende der Saison auf Platz eins stehen – dass das nicht leicht wird, ist klar. Im FA-Cup sind wir leider draußen, so wie in der Champions League. Somit hoffe ich auf den Conti-Cup und die Liga. Aber das gleiche Denken haben auch andere Mannschaften, somit wird es spannend werden.“
Arsenal trifft am Freitag, den 15. März im Topspiel der Women’s Super League auf den FC Chelsea. Das Spiel wird ab 19:45 live auf Sky Sport Premier League übertragen – streame das Spiel mit dem Sky X-Traumpass!
(Red.) / Bild: GEPA
