Spanien nach Krönung bei EM auf den WM-Pokal aus
Seit dem Titelgewinn 2010 ist Spanien bei einer Fußball-WM nicht mehr über das Viertelfinale hinausgekommen. Verspielt, aber nicht auf den Endzweck ausgerichtet lautete das Fazit vergangener Auftritte auf der ganz großen Bühne. In Nordamerika kann die Durststrecke enden – ohne einen einzigen Spieler von Real Madrid. Für die Buchmacher ist der regierende Europameister der große Favorit, mit Lamine Yamal hat „La Roja“ auch einen potenziellen Superstar dieser WM im Aufgebot.
Seit März 2023 ist Spanien unter Nationaltrainer Luis de la Fuente in der regulären Spielzeit in 30 Pflichtspielen ungeschlagen. Die einzige Niederlage in dieser Zeitspanne ist das verlorene Elfmeterschießen im Finale der Nations League gegen Portugal. Eine solche Serie konnte nicht einmal die „Goldene Generation“ vorweisen, die zwischen 2008 und 2012 zwei Europameisterschaften und eine WM gewann.
„Modernes Tiki-Taka“
Die aktuelle „Seleccion“ besticht mit technischer Finesse, außergewöhnlicher Qualität und Tiefe im Mittelfeld sowie Technik und Geschwindigkeit im Angriff. Unter De la Fuente, der viele der aktuellen Leistungsträger seit deren Jugend begleitet, spielt Spanien anders als unter Vorgänger Luis Enrique, dessen oft fruchtloser Ballbesitzfußball eine inner-spanische Grundsatzdiskussion ausgelöst hatte. „Modernes Tiki-Taka“ wird der nunmehrige Stil genannt, der Zug zum Tor ist wieder gegeben.
De la Fuente setzt auf Kontinuität. Sein WM-Aufgebot sorgte nur deshalb für Aufsehen, weil kein einziger Spieler von Real dazugehört. Ein Novum in Spaniens WM-Historie, das sich nach einer chaotischen Saison der Madrilenen abgezeichnet hatte. „Ich bin Nationaltrainer, ich schaue nicht auf den einen oder anderen Verein“, erklärte der 64-Jährige, der personell aus einem immensen Fundus an Weltklassespielern schöpfen konnte.
Acht Barca-Profis, keiner von Real
Der große Star ist Dribbelkünstler Lamine Yamal. Der 18-Jährige hatte das Saisonfinale wegen einer Oberschenkelverletzung verpasst, soll bis zum WM-Auftakt am 15. Juni gegen Kap Verde aber ebenso wie Sturmpartner Nico Williams fit sein. Insgesamt stellt Barcelona mit Yamal, Pedri oder Dani Olmo gleich acht Spieler für das Nationalteam ab. Das Gerüst ist das gleiche wie bei der erfolgreich verlaufenen EM 2024, dazu kamen talentierte Kräfte wie der ebenfalls für Barcelona spielende Innenverteidiger Pau Cubarsi (19).
Was Spanien vielleicht fehlt, ist ein klassischer Mittelstürmer. Ein vermeintliches Manko, das in den letzten Jahren keines war. Die Ambitionen der Iberer sind groß. Die Gruppe darf als Aufwärmphase gelten, nach Kap Verde geht es gegen Saudi-Arabien und Uruguay. Im Sechzehntelfinale wäre Österreich ein möglicher Gegner. Xavi, Andres Iniesta und Co. sollen in Nordamerika in gewisser Weise vergessen gemacht werden. De la Fuente betonte: „Die Mannschaft hat den Rekord einer unvergesslichen Spielergeneration im spanischen Fußball übertroffen. Aber sie will mehr, immer mehr.“
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(APA)/Beitragsbild: Imago