KLAGENFURT,AUSTRIA,06.JUN.19 - SOCCER - UEFA European Championship 2020, European Qualifiers, OEFB international match, Austria vs Slovenia, preview, final training team AUT. Image shows Gerhard Zallinger and Martin Hinteregger (AUT). Photo: GEPA pictures/ Daniel Goetzhaber

Sportwissenschafter Zallinger balanciert mit ÖFB-Spielern an Belastungsgrenzen

via Sky Sport Austria

Sportwissenschafter Gerhard Zallinger kommt in diesen Tagen eine besondere Bedeutung zu. Der Oberösterreicher ist zu einem guten Teil dafür verantwortlich, dass die österreichischen Fußball-Teamspieler bis zur EM in körperliche Top-Verfassung kommen. In den Einheiten bis zum ersten Turnier-Match am 13. Juni in Bukarest gegen Nordmazedonien muss Zallinger die richtige Balance zwischen Belastung und Regeneration finden.

Dabei behilflich sind unter anderem spezielle, mit GPS-Trackern versehene Westen, die von den Spielern in jedem Training getragen werden. Die kleinen Sensoren zeichnen auf, welche Anstrengungen auf die Kicker einwirken, welcher Spieler wie viele Kilometer in welchen Intensitätsbereichen abspult. “Anhand der Daten versuchen wir, den Zielbereich genau zu treffen, dass niemand unterfordert, aber auch nicht überfordert ist”, sagte Zallinger der APA.

sa-21-11-tipico-buli-mit-rbs-stu

Die Vorbereitung auf die EM ist laut dem Sportwissenschafter nicht mit der Vorbereitung eines Clubs auf eine neue Saison zu vergleichen, weil die Spieler derzeit voll im Saft stehen. “Und bis zum ersten Gruppenspiel haben wir ohnehin nur 16 oder 17 Trainingstage. Da ist die Zeit zu kurz, um Kondition zu tanken”, sagte Zallinger.

“Wir werden versuchen, den Grenzgang zwischen Erholung nach einer langen Saison und Aufbau auf einen Höhepunkt zu schaffen”

In dieser Phase ist vor allem Fingerspitzengefühl gefragt. “Wir werden versuchen, den Grenzgang zwischen Erholung nach einer langen Saison und Aufbau auf einen Höhepunkt zu schaffen. Eine chronische Ermüdung kann man nicht wegtrainieren, auf der anderen Seite kann man den Formaufbau durch gezielte Reize hintimen”, erklärte Zallinger.

Der 50-Jährige steht in dieser Angelegenheit in engem Austausch mit Teamchef Franco Foda, der sich bei der Trainingssteuerung aber auch auf seinen Instinkt verlässt. Zallingers Arbeit sei ein “wichtiger Input, der uns in unserer Arbeit unterstützt. Aber entscheidend ist immer noch das, was man als Trainer sieht”, sagte der Deutsche.

Im Gegensatz zu Foda war Zallinger bereits bei der EURO vor fünf Jahren in Frankreich Mitglied des ÖFB-Betreuerstabs und musste miterleben, wie sich die Auswahl schon nach der Gruppenphase verabschiedete. “Aber 2016 wurde im Nachhinein zu viel hineininterpretiert und spekuliert. Es war weder schlechte Stimmung im Team, noch haben wir irgendwelche Dinge falsch gemacht. Wir haben es einfach im Entscheidungsspiel gegen Island nicht geschafft, das zweite Tor zu schießen”, erinnerte sich Zallinger.

Es bringe nichts, allzu intensiv auf die Geschehnisse von 2016 zurückzublicken. “Das ist jetzt ein anderer Kader, die meisten waren vor fünf Jahren nicht dabei. Insofern ist es ein neues Spiel und ein neues Glück”, betonte Zallinger.

Vegeto als Zusatzangebot

Der Sportwissenschafter bringt die ÖFB-Auswahl nicht nur auf dem Platz in Schuss, sondern bietet den Spielern in Abstimmung mit der medizinischen Abteilung auch sogenanntes Vegeto-Training an, eine Trainingsergänzung vor allem im Regenerationsbereich. Dabei wird eine Kombination aus Atmung und begleitenden Bewegungen herangezogen, um dem Organismus einen Impuls zu geben, über das vegetative Nervensystem eine neue Balance zu schaffen.

skyx-traumpass

Mit dieser Methode fand Zallinger unter anderem bei ÖSV-Adler Stefan Kraft Gefallen. Der damals von massiven Rückenschmerzen geplagte Salzburger absolvierte im vergangenen Dezember in Zallingers Praxis in Pucking bei Linz zwei jeweils rund einstündige Vegeto-Einheiten und trat danach bei der Vierschanzentournee an. Es folgten drei weitere Einheiten im Jänner, im März wurde Kraft Weltmeister.

(APA) / Bild: GEPA