Sturm-Gegner Brest: CL-Neuling vom „Ende der Welt“
Stade Brest und Sturm Graz (Das CL-Duell am Donnerstag ab 20 Uhr live auf Sky Sport Austria – streame mit dem Sky X-Traumpass) verbindet ein gemeinsames Schicksal. Der Club aus dem äußersten Westen der Bretagne muss wie Österreichs Meister in der Champions League auswandern. Nicht im beschaulichen Stade Francis-Le Blé, sondern in der 120 km von Brest entfernten Spielstätte von Lokalrivale Guingamp wird am Donnerstag die Königsklasse-Hymne ertönen. Dass diese dort zu hören sein wird, darf als Sensation bezeichnet werden.
So spielt Brest zwar seit 2019 wieder in der Ligue 1, galt aber stets als Wackelkandidat. Auch im vergangenen Sommer wurde vielerorts von Abstiegssorgen geschrieben, zu klar schienen die Vorzeichen. Mit einem Etat von knapp 50 Millionen Euro wies der Club nur das vierthöchste Budget der Liga aus. Zum Vergleich: In Monaco, Lyon und Marseille waren jeweils über 200 Millionen Euro veranschlagt, Paris Saint-Germain war mit über 700 Mio. Euro ohnehin außer Reichweite. Trotzdem gelang es den Rot-Weißen aus der Provinz, die Großen zu ärgern.
Die in der Champions League in der zweiten Runde (1. Oktober) in Salzburg gastierenden Brestois taten dies unaufhörlich. Sie mischten von Beginn an in den Top fünf mit und schrieben schlussendlich hinter PSG und Adi Hütters Monaco Platz drei an. Das Team aus dem Departement Finistère – das die Römer einst als „Ende der Welt“ (finis terrae) bezeichneten – schaffte damit erstmals überhaupt den Sprung in den Europacup. Als entscheidender Mann dafür wurde Eric Roy gefeiert. Der 56-Jährige übernahm in Brest im Jänner 2023, nachdem er davor über elf Jahre keinen Job als Chefcoach ausgeübt hatte.
Finanzielle Unterstützung durch Gemüse statt Erdöl
Roy, der in dieser Zeit als Sportdirektor (Lens, Watford) und TV-Experte gearbeitet hatte, fand die richtige Mixtur aus Jugend und Erfahrung und wurde verdientermaßen von seinen Amtskollegen als „Trainer des Jahres“ ausgezeichnet. Sein bester Mann fehlt aktuell. Mittelfeldmann Pierre Lees-Melou (31) zog sich Ende April einen Wadenbeinbruch und muss sich noch gedulden. Große Namen sucht man im Kader vergeblich, auch einen echten Torjäger hat Brest nicht. Bei 53 geschossenen Toren in der abgelaufenen Meisterschaft war Flügelstürmer Romain Del Castillo mit acht Treffern am erfolgreichsten. Aktuell läuft es nicht nach Wunsch: Nach vier Runden steht nur ein Sieg bei drei Niederlagen zu Buche. Gegen Marseille, Lens und am Samstag beim 1:3 gegen PSG gab es nichts zu holen.
Heraus sticht in einer Liga, in der Investoren aus Katar (PSG) und den USA (Marseille, Lyon) oder russische Milliardäre (Monaco) das Sagen haben, auch der finanzielle Hintergrund des Underdogs. Mehrheitsaktionär ist Denis Le Saint. Der in Brest geborene 60-Jährige führt mit seinem Bruder ein Familienunternehmen, das auf Obst, Gemüse und Milchprodukte spezialisiert und in Frankreich in dieser Sparte einer der Marktführer ist. Le Saint übernahm Stade als Zweitligist. Statt auf Öl oder Immobilien fußt der Erfolg auf dem Verkauf von Karotten und Joghurt.
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Dem Erfolg auf dem Rasen der „Les Ti’Zefs“ – eine lokale Bezeichnung der Bewohner von Brest – hinterher hinkt das Drumherum. Das heimische Stadion fasst nur 15.000 Zuschauer, ein Neubau wurde bereits ins Auge gefasst, lässt aber auf sich warten. In der Champions League hätte die UEFA nur 5.000 Fans zugelassen. Als Ausweicharena dient deshalb das Stade de Roudourou in Guingamp, in das 18.000 Zuschauer passen. Der dort ansässige Club spielt in der zweiten französischen Liga. Die Rivalität mit Brest ist vorerst auf Eis gelegt.
(APA).
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