Michael Krammer: “Dialog ist immer noch besser als Populismus und Repression”

via Sky Sport Austria
  • Michael Krammer: “Ich spiele leider nicht gut genug Fußball”
  • Helmut Schulte: “Dieses ganze Thema Taktik wird meiner Meinung nach hoch überschätzt”
  • Christian Hackl: “Ich habe das Gefühl, dass die Verpackung mehr ist als der Inhalt”
  • Gerald Gossmann: “Es wird sich nicht viel bei Rapid verändern”


Wien, 8.Oktober 2018.
 Zu Gast bei „Talk & Tore – Die Sky-Fußballdebatte” waren am Montag Rapid-Präsident Michael Krammer, Ex-Rapid-Sportdirektor Helmut Schulte, Standard-Redakteur Christian Hackl und Profil-Autor Gerald Gossmann. Hier einige Aussagen des von Thomas Trukesitz moderierten Live-Talks.

Die ganze Sendung zum NACHSEHEN

Michael Krammer:

über die ersten fünf Jahre seiner Rapid-Präsidentschaft: “Ich muss schon sagen wie 2013 die Situation war, negatives Eigenkapital, kein Geld für Spieler, überhaupt nichts da. Wir haben begonnen, Schritt für Schritt was aufzubauen. Wir haben die Finanzen stabilisiert, haben ein neues Stadion gebaut und die Grundlagen geschaffen, dass man sportlich erfolgreich sein kann. Natürlich passieren auf dem Weg dorthin auch Fehler, keine Frage. Aber man darf doch nicht glauben, man geht hin, dreht den Knop und alles wird super. Wir haben in den Nachwuchs investiert, in die Infrastruktur investiert, wir haben fünf UEFA-Pro-Lizenz-Trainer im Nachwuchs. Die Erfolge werden nach und nach kommen. Wir alle sind ungeduldig und hätten es lieber, dass es heute als morgen passiert. Ich spiele leider nicht gut genug Fußball.”

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über Dietmar Kühbauer als neuen Rapid-Trainer: “Wir brauchen bei Rapid jetzt einen Trainer der die Erfahrung mitbringt, das Standing bei der Mannschaft, den Spielern, im gesamten Verein mitbringt, um Ruhe hinein zu bringen. Deswegen gibt es aus meiner Sicht keine Alternative und auch aus der Sicht des Sportdirektors. Er hat bewiesen, dass er Aufbauarbeit geleistet hat, sehr erfolgreich war, war mit drei Mannschaften auf dem Weg in den internationalen Bereich. Nach dem Erreichen muss man sich anschauen, welche Spieler ihm abhanden gekommen sind.”

über 30.000€ Strafe nach den Derby-Vorfällen:

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“Die Fehlleistung des Vereins würde ich mir gerne in der Langfassung von der Bundesliga aushändigen lassen. Deswegen werden wir auch gegen die Höhe der Strafe berufen. Es muss schon eine Verhältnismäßigkeit da sein.”

über eine mögliche weitere Amtszeit: “Das werde ich zunächst mit meiner Frau in aller Ruhe besprechen, dann mit den engsten Kolleginnen und Kollegen in den Gremien und dann werde ich es der Öffentlichkeit bekannt geben. Ich kann mir vorstellen, dass ich wieder antrete und ich kann mir vorstellen, dass ich nicht mehr antrete.”

Krammer: Kühbauer wird kein “Canadi-reloaded”

über Rapid und seine Fans: “Es gibt aus meiner Sicht keine Alternative zu einem vernünftigen Fandialog um Verständnis zu schaffen was für den Verein das Beste ist. Da gibt es sicher unterschiedliche Ansichten, wie der weg dorthin ist. Aber der Dialog ist immer noch besser als Populismus und Repression.”

über die Entlassung von Zoran Barisic:

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Helmut Schulte:

über Dietmar Kühbauer als Rapid-Trainer: “Ich glaube, ohne dass ich ihn persönlich kenne, dass Dietmar Kühbauer sehr gut zu Rapid passt. Aufgrund seiner Vergangenheit und seiner Erfahrung als Trainer. Ich glaube, dass sich jeder Trainer auf jeder Station weiterentwickelt. Wie ich ihn erlebt habe, glaube ich nicht, dass er nur ein einziges System spielen lassen kann. Ich glaube er ist in der Lage, dem Kader ein System zu verpassen, dass er erfolgreich ist. Es geht nur darum erfolgreich zu sein.”

über notwendigen Variantenreichtum als Trainer: “Dieses ganze Thema Taktik wird meiner Meinung nach hoch überschätzt. Man wird als Trainer nie die eierlegende Wollmilchsau verpflichten können. Es gibt eine Persönlichkeit und damit wirkt er viel stärker über Erfolg oder Misserfolg als über dieses taktische Thema. Dietmar Kühbauer ist nicht der Trainer, der sich nur hinten reinstellt. Das passt überhaupt nicht zu seiner Persönlichkeit. Seine Mannschaft wird irgendwann so spielen, wie er selber ist.”

über die Verantwortung der Spieler: “So einfach kann man es sich als Spieler auch nicht machen. Die sind ja teilweise in einer guten Situation, weil immer der Trainer der Schuldige ist. Wenn der Trainer nicht der Schuldige ist, dann ist es der Sportdirektor und wenn der es nicht ist, dann ist es der Präsident. Dieser Ablauf ist ganz normal. Und die Spieler stehen unten am Platz. Die bekommen von außen den Pelz reingewaschen, weil der Trainer alles falsch gemacht hat. Er hat die falschen Leute aufgestellt, er hat falsch trainiert, falsch ausgewechselt und die falsche Taktik. Aber die Spieler unten am Platz sind die entscheidenden. Darum geht es.”

über Trainerentlassungen:

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Christian Hackl:

über die Stimmungslage bei Rapid:

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“Natürlich ist das Hauptproblem bei Rapid das Fehlen vom sportlichen Erfolg. Ich habe das Gefühl, dass die Verpackung mehr ist als der Inhalt. Als Fußballromantiker ist mir noch immer wichtiger was die elf da unten zeigen. Natürlich hat man das auch lange gepflegt. Mit dem Auftreten von Red Bull, die sind Kommerz, wir sind der wahre Traditionsverein. Man hat sich selbst erhöht, mit der Religion, mit der Familie. Als würde sich die Welt um Rapid drehen. Ein wenig mehr Demut und weniger Hysterie wären sehr empfehlenswert. Je höher die Erwartung ist desto tiefer ist der Fall. Jede Art von Gewalt ist widerlich. Aber natürlich staut sich bei denen Frust an und irgendwann, es ist ein schmaler Grat, kann es zu Gewalt führen. Und dann wird es schlimm. Rapid kennt auch da nicht den richtigen Umgang. Ich habe das Gefühl, das ist eine Phase der Angst. Die Spieler haben Angst vorm Versagen. Der Verein hat Angst, wie gehe ich mit den Fans um?”

Gerald Gossmann:

über Zweifel an Kühbauer als Rapid-Trainer: “Die bisherige Spielweise ist sicher nicht brauchbar für Rapid. Bei Rapid muss man offensiv spielen, zwangsweise Ballbesitz, weil die Mannschaft den Ball gegen die kleinen Mannschaften der Liga hat. Was mich an Kühbauer gestern überrascht hat, dass er es doch sehr vorsichtig angelegt hat. Das mag in dieser Situation klug sein, ob es nachhaltig ist, kann man noch nicht beurteilen.”

über wiederkehrende Fehler bei Rapid: “Es wird sich nicht viel bei Rapid verändern. Der Verein muss erkennen, dass er Verantwortung übernehmen muss und ein Gerüst aufstellen, das dem Cheftrainer hilft. Ich habe den Eindruck, dass man bei Rapid bei jedem Trainerwechsel bei Null beginnt. Man hat sich unter dieser Führung wirtschaftlich gut entwickelt. Man muss auch versuchen, das Geld gut einzusetzen. Wenn man immer bei Null beginnt, wird das auf Dauer kostspielig und nicht gut enden.”

Wiederholungstermine der aktuellen Sendung auf Sky Sport Austria HD:
Dienstag, 9. Oktober, 21.45 Uhr
Mittwoch, 10. Oktober, 9.45 Uhr
Montag, 15. Oktober, 20.15 Uhr
Freitag, 19. Oktober, 15.30 Uhr

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