Thun tut’s wirklich: Aufsteiger vor historischem Meistercoup
Vom Aufsteiger zum Meister? Der FC Thun steht vor einer der größten Sensationen der Schweizer Super League.
Nach 31 gespielten Runden liegt das Team komfortable 15 Punkte vor Verfolger FC St. Gallen, sieben Partien stehen noch aus. Doch warum steht der FC Thun dort, wo er steht? Der Aufsteiger setzt konsequent auf Kontinuität, Bodenständigkeit und regionale Verbundenheit.
Mit 29,2 Prozent weist man die niedrigste Legionärsquote der Liga auf. Zum Vergleich: Verfolger St. Gallen führt diese Statistik mit 78,7 Prozent an. Zudem verfügt Thun laut transfermarkt.at über den lediglich achthöchsten Kaderwert der Liga. Mit Mauro Lustrinelli steht zudem der dienstälteste Trainer der Super League an der Seitenlinie.

ÖFB-U21-Teamspieler mittendrin
Mittendrin beim FC Thun: Furkan Dursun. Die Schweizer sicherten sich im Winter die Dienste des österreichischen U21-Teamspielers. Nach seiner Leihe zum SKN St. Pölten verkaufte ihn sein ehemaliger Stammverein SK Rapid für kolportierte 400.000 Euro an den Schweizer Aufsteiger.
Dort übernimmt er bislang die Jokerrolle: Sieben Kurzeinsätze stehen zu Buche, dabei gelangen ihm ein Treffer sowie ein Assist.
Premierentitel in Aussicht
Sollte der FC Thun am Ende der Saison tatsächlich den Meisterpokal stemmen, wäre das eine der größten Überraschungen der Schweizer Fußballgeschichte. Noch nie gewann der Klub den Titel, der bislang größte Erfolg ist die Vizemeisterschaft 2005 samt anschließender Teilnahme an der Champions-League-Gruppenphase.
Zuletzt spielte Thun in der Saison 2013/14 international in einer Gruppenphase. In der Europa League traf man damals unter anderem auf den SK Rapid: Zuhause gewann man mit 1:0, in Wien unterlag man mit 1:2. 2020 folgte der Abstieg in die zweite Liga, ehe im vergangenen Jahr der Wiederaufstieg gelang.
„Hatten nichts zu verlieren“
Ein zentraler Faktor des Erfolgs ist die außergewöhnliche Kontinuität im Verein. Das betonte Präsident Andreas Gerber in einem Gespräch mit Sky im Jänner: „Wenn man jedes Jahr die halbe Mannschaft und den Staff wechselt, geht Know-how verloren. Kontinuität ist ein wichtiger Grund für unseren aktuellen Stand.“
Gerber selbst ist seit über 20 Jahren Teil des Vereins – zunächst als Spieler, später als Sportchef und seit 2020 als Präsident. „Wir hatten nichts zu verlieren und konnten kaum enttäuschen“, sagt er über die aktuelle Saison.

Meisterfeier nach Derby?
Der FC Thun könnte den Meistertitel ausgerechnet nach einem Derby zelebrieren. Traditionell wird der Pokal nach dem letzten Heimspiel überreicht – und dieses steigt am 14. Mai in der Stockhorn Arena gegen Kantonsrivale Young Boys Bern.
In der Schweizer Super League treffen zunächst alle zwölf Teams dreimal aufeinander. Nach 33 Runden wird die Tabelle geteilt: Die Top sechs spielen in der Championship Group um Titel und Europacup-Plätze, die unteren sechs kämpfen gegen den Abstieg.
Champions League winkt
Der Meister nimmt in der Saison 2026/27 an der Qualifikation zur Champions League teil. Vizemeister und Drittplatzierter starten in der Conference-League-Qualifikation. Der Europa-League-Qualifikationsplatz geht an den Cupsieger – dort stehen Lausanne-Ouchy gegen die Grasshoppers sowie Yverdon gegen St. Gallen im Halbfinale.
In der Relegation Group steigt das Schlusslicht direkt ab. Der Elftplatzierte muss in der „Barrage“ (Anm.: Relegation) gegen den Zweiten der Challenge League antreten. Mitten im Abstiegskampf steckt auch Ex-GAK-Trainer Gernot Messner, der die Grasshoppers Zürich von Gerald Scheiblehner übernommen hat.
Neben Dursun sind weitere ÖFB-Legionäre in der Liga aktiv: Flavius Daniliuc (FC Basel), Adrian Grbic (FC Luzern), Maximilian Ullmann (Grasshoppers) und Heinz Lindner (Young Boys).
Das Restprogramm des FC Thun:
4. April, 18 Uhr: FC Lugano – FC Thun
11. April, 20.30 Uhr: FC Thun – FC Basel
25. April, 20.30 Uhr: FC Thun – FC Lugano
2. Mai, 20.30 Uhr: FC Basel – FC Thun
10. Mai, 16.30 Uhr: FC Sion – FC Thun
14. Mai, 16.30 Uhr: FC Thun – YB
17. Mai, 16.30 Uhr: FC St. Gallen – FC Thun
Bilder: Imago