Tore fehlen: Deutschland noch ohne die große Euphorie
Die große Euphorie hat die Nationalmannschaft von Deutschland im vorletzten Testspiel vor der Heim-EM nicht entfacht. Trotz großer Dominanz und viel Offensivdrang musste sich der Gastgeber am Montagabend in Nürnberg gegen die Ukraine mit einem 0:0 zufriedengeben.
Verzweifelt griff sich Bundestrainer Julian Nagelsmann während der Partie immer wieder an den Kopf, fassungslos darüber, dass der Ball nicht ins Tor wollte.
Mit seiner Bewertung der Partie war sich Nagelsmann mit einem prominenten Stadion-Gast einig. „Er hat gesagt, dass er auch das Gefühl hatte, dass Tore fallen können und wir gewinnen wollten. Und er hat uns viel Glück gewünscht“, erzählte der Bundestrainer über den Besuch von Bundeskanzler Olaf Scholz in der Kabine. Glück allein, das wusste wiederum Nagelsmann, wird nicht reichen.
Deutschland braucht Tore für großen Coup
Tore schießen könne man schon trainieren, legte der Deutschland-Coach als wichtige Zielvorgabe im schnell dahinfliegenden EM-Countdown fest. Mit den Champions-League-Siegern Toni Kroos und Antonio Rüdiger als Impulsgebern sowie den Dortmundern Nico Schlotterbeck und Niclas Füllkrug ist der Kader seit Dienstag komplett. Schon bei der EM-Generalprobe am Freitag (20.45 Uhr) in Mönchengladbach gegen Griechenland erwartet Nagelsmann den Zündfunken, der eine Woche später zum Start gegen Schottland Mannschaft und Fans in den Turnier-Flow bringen soll.
„Wir wollen den großen Coup landen, das ist klar. Es wird aber auch bei diesem Heimturnier nicht einfach. Wir haben die richtige Atmosphäre und Stimmung in der Mannschaft“, sagte Torhüter Manuel Neuer. Sein Comeback-Spiel wurde von einem zu lässigen Chipball zum Gegner kurz vor Schluss getrübt. Die Ukraine konnte das Geschenk nicht nutzen, der Tiroler Referee Walter Altmann pfiff aufgrund einer Abseitsstellung ab. Zweifel an Neuer wollte Nagelsmann auf keinen Fall aufkommen lassen und nahm seine Nummer eins für die EM demonstrativ in Schutz.
Übersicht der EM-Stadien: Sortiert nach Kapazität
Beier setzt EM-Statement
Die Fans in Nürnberg reagierten auch ohne deutschen Treffer wohlwollend. Sie registrierten den auch von Nagelsmann hervorgehobenen Willen der deutschen Elf, den Sieg erzwingen zu wollen. In Abwesenheit des auf der Tribüne sitzenden Füllkrug nutzte immerhin der eingewechselte Maximilian Beier sein Debüt für ein EM-Statement. Der junge Hoffenheimer wäre bei seinem Lattentreffer und einer weiteren guten Chance fast zum Matchwinner geworden. Dabei galt Beier als erster Streichkandidat für den 26er-Kader.
Jetzt wird Nagelsmann bis zum Fristende in der Nacht von Freitag auf Samstag grübeln, wen er aussortieren soll. „Im Moment würde es einen treffen, der es nicht verdient hat“, verteilte er ein Pauschallob an seinen Kader. Die Ukraine-Erfahrungen können noch wertvoll sein, glaubte Nagelsmann außerdem. Auch die EM-Gegner Schottland und Ungarn erwartet er mit einem ähnlichen kompakten System am eigenen Strafraum. „Ich bin sehr guter Dinge, dass wir diesen einen Moment noch kreieren, dass wir das Tor machen und dann noch weitere folgen lassen.“
(APA) / Bild: Imago
