Zverev US Open

Ungewöhnliche Nummer eins: Zverev zwischen Chance und Last

Die Auslosung der US Open dürfte Alexander Zverev zufrieden verfolgt haben.

Ein Lieblingsgegner zum Start, ein paar knifflige, aber allesamt machbare Aufgaben am Horizont – und die Perspektive, sich bis zur ganz heißen Phase des Turniers stetig in Richtung Topform steigern zu können. Schließlich will Zverev, der in New York zunächst auf den Italiener Lorenzo Sonego trifft, die große Chance auf seinen zweiten Major-Titel nicht ungenutzt lassen.

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Sinner fehlt – Alcaraz-Comeback: Nächste Chance für Zverev

Nach seinem frühen Aus im Mixed-Turnier ging es für den French-Open-Sieger deswegen schnell zurück auf den Trainingsplatz. Gemeinsam mit Novak Djokovic begab sich Zverev auf die Suche nach seinem speziellen Grand-Slam-Modus. Das Erfolgsrezept ist für Sky– und RTL-Experte Patrik Kühnen vor dem Turnierstart am Sonntag klar: „Er hat die French Open mit Offensive und Mut gewonnen. Das braucht es auch bei den US Open.“

Wie groß Zverevs Chancen in New York sind, zeigt schon seine Position in der Setzliste: Der Olympiasieger von Tokio, der gegen Auftaktgegner Sonego alle sechs bisherigen Duelle gewann, thront erstmals an Position eins, obwohl er es bisher nicht an die Spitze der Weltrangliste geschafft hat. Dort steht Jannik Sinner, der in der pulsierenden US-Metropole aufgrund von Knieproblemen nicht aufschlagen kann. Dafür ist Carlos Alcaraz nach langwieriger Handgelenkverletzung zurück – aber in welcher Verfassung?

Zverev trotz durchwachsener Vorbereitung Favorit

Zverev, der sich am 7. Juni in Paris bei seinem Finaltriumph auf dem Court Philippe Chatrier von der großen Last des so ersehnten ersten Grand-Slam-Siegs befreit hat, rückt damit auf den Hartplätzen in Flushing Meadows zwangsläufig erneut in das Zentrum der Anwärter. Daran ändern auch durchwachsene Vorbereitungsturniere in Montréal und Cincinnati nichts.

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Denn er hat gerade in dieser Saison bewiesen, dass er auf Major-Terrain ein anderer Spieler sein kann. Mit seiner außergewöhnlichen körperlichen Konstitution und enormem Fokus war er im Modus Best-of-five nur sehr schwer zu schlagen in Melbourne und zuletzt im Finale von Wimbledon. In Paris schaffte es keiner – das ist auch Zverevs Hoffnung für New York, wo er 2020 schon einmal gegen Dominic Thiem im Finale stand. Gelingt dies wieder, würde er ganz nebenbei den aktuellen Abstand von mehr als 5000 Punkten in der Weltrangliste auf Sinner deutlich verkürzen.

„Ich habe noch ein Ziel, das ich nicht erreicht habe: die Nummer eins der Welt“, sagte Zverev zuletzt häufiger. Spukt ihm nun die Chance zu sehr im Kopf herum? Boris Becker hat zumindest eine gewisse Sorge nach den bisherigen Auftritten der deutschen Nummer eins auf dem Hardcourt-Swing.

„Ich will es nicht zu laut betonen. Aber das erinnert mich so ein bisschen an das Frühjahr letztes Jahr“, sagte der sechsmalige Grand-Slam-Champion in seinem Podcast mit Andrea Petkovic: „Als er nach dem Finale in Melbourne und der Dopingsperre von Sinner wirklich drei, vier Monate große Chancen hatte, Sinner deutlich näher zu kommen. Es passierte fast die schlechteste Phase seiner Tenniskarriere.“

Er drücke „alle Daumen“, spüre aber, dass sich Zverev „vielleicht zu viel Druck“ mache aufgrund einer „unglaublichen Chance“, fügte Becker an. Diesen Eindruck muss und will der Paris-Champion widerlegen. Ab Sonntag in New York.

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