„Unheimlich gefreut“: Thiem über Erfolge von Misolic und Tagger
Vor einem Jahr hat sich Dominic Thiem in Kitzbühel von seinen Fans verabschiedet, ehe er im Oktober in der Wiener Stadthalle endgültig den Schläger an den Nagel gehängt hat. Der 31-jährige Niederösterreicher war am Mittwoch bei den Generali Open zu Gast und sprach bei einem Medientermin unter anderem auch über das österreichische und internationale Tennis. Besonders freut ihn der Junioren-Grand-Slam-Titel von Lilli Tagger.
„Sicher habe ich es verfolgt und mich unheimlich gefreut“, meinte der Kitz-Sieger 2019 und -Finalist 2023. „Sie ist eine supernette Person, hat ein richtig cooles Spiel mit der einhändigen Rückhand und ist auf jeden Fall ein Topversprechen für die Zukunft.“ Dass sie die Rückhand wie er einhändig spielt, gefällt Thiem ebenso wie die Wahl von Francesca Schiavone als Trainerin. „Sie weiß definitiv, was es braucht, um oben anzukommen. Ich hoffe, dass sie schnell raufschießt im Ranking.“
Auch zu seinen früheren männlichen Kollegen äußerte sich der US-Open-Sieger 2020 und ehemalige Weltranglisten-Dritte. „Miso hat richtig gute letzte Wochen gehabt, ich habe auch gestern das Match gesehen. Die anderen haben alle knapp verloren“, sagte Thiem zu Filip Misolic.
Eigene Trainerkarriere kein Thema
Natürlich hat auch er mitbekommen, dass sich viele ehemalige Topspieler aus Österreich um die aktuellen Spieler kümmern, wie etwa Markus Hipfl, Gerald Melzer oder auch Gilbert Schaller. „Gerald, Markus, das waren Topspieler und helfen den Spielern mit ihrer Erfahrung sicher weiter.“ Für sich selbst schließt er so eine Rolle – zumindest in dieser Lebensphase – „definitiv aus“. „Wenn du Trainer bist und es gescheit angehst, lebst du ein ziemlich ähnliches Leben wie als Spieler. Von der Reisetätigkeit her, jeden Tag 4 oder 5 Stunden am Platz stehen, das habe ich viele lange Jahre gehabt. Deshalb bin ich nicht bereit dazu.“
Tennis und auch andere Sportarten kann er nun ganz entspannt genießen. So auch das herausragende French-Open-Finale zwischen Yannick Sinner und Carlos Alcaraz. „Ja, sie haben das Tennis auf ein neues Level gehoben. Genauso wie Federer, Nadal, Djokovic das Tennis auf ein neues Level gehoben haben. Jetzt passiert grad das Gleiche, das ist gut für den Tennissport. Das French-Open-Finale war absolut außergewöhnlich und weit über das Tennis hinaus sensationelle Werbung für den Sport.“
Thiem genießt die Zeit und hat dank neuer Beschäftigung unter anderem mit seinem „Thiem Energy“-Projekt und auch einer Kooperation mit der Tennis-Akademie im Burgenland viel zu tun. Dem Tennis hat er freilich nicht den Rücken gekehrt, er war kürzlich mit Gregor Schlierenzauer in Wimbledon. „Ich war zum ersten Mal auf dem Center Court, leider habe ich auf dem nie als Spieler gespielt.“
Thiem tut Ausstieg aus Hamsterrad gut
Seinem Seelenleben hat der Ausstieg aus dem Hamsterrad ATP-Tour jedenfalls gutgetan, gesteht er auf APA-Nachfrage. „Absolut. Der große Unterschied ist der, wenn ich mal viel um die Ohren habe und mich gestresst fühle, dass ich mich auch mal einen Tag rausnehmen kann. Dann erholt sich der Körper eh sehr schnell, auf der Tour ist das oft gar nicht möglich. Der Körper oder Geist schreit nach ein, zwei Tagen Pause und dann fliegt man um die halbe Welt und muss mit richtigem Jetlag trainieren, weil es anders gar nicht geht. Natürlich akkumuliert sich das über die Jahre hinweg und das merke ich schon extrem, dass da viel Stress abgefallen ist.“
Dass einer wie Alexander Zverev und auch andere Spieler immer mehr über den körperlichen und vor allem auch mentalen Stress sprechen, findet Thiem gut. „Früher hat es diese Probleme genauso gegeben, auch mit dem dichten Kalender, aber es ist weniger darüber geredet worden.“
(APA)/Beitragsbild: GEPA
