US-Basketballer für Pöltl „haushoher Favorit“
Es ist das „Who is Who“ der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA. Die US-Männer treten bei Olympia in Paris und Lille mit einem selten in dieser Dichte gesehenen Staraufgebot an. Vergleiche mit dem „Dream Team“ von Barcelona 1992 werden bereits gezogen – dabei lief in der Vorbereitung nicht immer alles rund. „Auf dem Papier sind sie extrem stark“, sagte Österreichs NBA-Export Jakob Pöltl im APA-Interview über die US-Amerikaner. „Sie sind schon haushoher Favorit.“
Entscheidend für den Erfolg des Teams sei laut Pöltl, wie jeder der Stars seine Rolle annehmen und sich unterordnen könne. „Ich traue ihnen das schon zu. Es sind genug Spieler dabei, die Erfahrung und Siegermentalität haben“, meinte der Wiener. Seinen Spielstil umzustellen und plötzlich viel seltener den Ball in Händen zu halten, sei für manche Topakteure aber eine Herausforderung – selbst wenn der Wille da ist. Pöltl: „Maximal drei Spieler können absolute Leistungsträger sein, der Rest muss Nebenjobs erfüllen und gute Defense spielen.“
Darauf sei bei der Zusammenstellung des US-Teams rund um Superstar LeBron James aber geachtet worden. Mit Derrick White wurde ein guter Freund von Pöltl als zwölfter Akteur nachnominiert, der genau das verkörpert. „Er wird dort keine 30 Punkte machen, aber viele andere wichtige Sachen“, sagte der Österreicher über den 30-Jährigen, der im Juni mit den Boston Celtics erstmals NBA-Champion geworden ist. „Es ist eine extrem coole Sache für ihn.“
Pöltl: „Sie sind für mich auf dem Papier nicht so stark wie andere Mannschaften“
Pöltl hatte mit White von 2018 bis 2022 bei den San Antonio Spurs zusammengespielt. Das Duo ist immer noch sehr viel in Kontakt. Aus geplanten gemeinsamen Reisen nach Saisonende wurde laut Pöltl zuletzt vor allem deshalb nichts, weil White mit Boston immer viel länger im Einsatz war als er selbst mit den Toronto Raptors.
Einen Spaziergang prophezeite Pöltl den US-Amerikanern nicht. „Mittlerweile hat der Rest der Welt genug aufgeholt, dass es Teams gibt, die sie herausfordern können. Das war in den 90er-Jahren weniger der Fall.“ Als erste Kandidaten nannte er Kanada und Serbien sowie möglicherweise noch Gastgeber Frankreich mit den Defensiv-Türmen Victor Wembanyama und Rudy Gobert. Weltmeister Deutschland hat der 28-Jährige weniger auf der Rechnung. „Sie sind für mich auf dem Papier nicht so stark wie andere Mannschaften.“
Österreich verpasst Qualifikation knapp
Bei den Kanadiern um Ausnahme-Spielmacher Shai Gilgeous-Alexander sind mit RJ Barrett und Kelly Olynyk zwei Raptors-Teamkollegen dabei. Auch mit Deutschlands Dennis Schröder oder Australiens Patty Mills hat Pöltl in seiner NBA-Karriere bereits zusammengespielt. Er selbst wird es realistischerweise nicht mehr zu Olympia schaffen. „Für uns ist das schon sehr weit weg im Moment“, gestand der ÖBV-Center, der zuletzt 2022 im Nationalteam gespielt hat. „Natürlich wäre es ein Traum, einmal bei Olympischen Spielen oder auch einer WM dabei zu sein. Aber es geht nur Schritt für Schritt.“
Im erst zum zweiten Mal olympischen 3×3 Basketball verpasste Österreich die Qualifikation für Paris nur knapp. „Es ist schon sehr anders – aber cool zum Zuschauen, wie es aufgezogen ist“, sagte Pöltl über die Spielart auf nur einen Korb, die in den USA keinen hohen Stellenwert genießt. „Es ist ein junger Sport, der sich weiterentwickeln wird. Sie sind immer noch in den Anfängen. Je erfolgreicher es ist, desto bessere Spieler werden auch dabei sein.“ Die EM steigt in einem Monat (22. bis 25. August) im Wiener Prater.
(APA)/Beitragsbild: GEPA
