Van Barneveld kehrt zurück: „Muss niemandem mehr etwas beweisen“
Raymond van Barneveld kehrt bei der Darts-WM auf die ganz große Bühne zurück. Der fünfmalige Champion will nach seinem unrühmlichen Abschied zeigen, dass er immer noch zu den Großen des Sports gehört.
Die Schmach seines unrühmlichen Abschieds vor zwei Jahren? Scheint vergessen. Raymond van Barneveld ist fokussiert, glaubt an seinen Traum – und kehrt am Montagabend bei der Darts-WM voller Selbstbewusstsein auf die ganz große Bühne zurück. „Wenn ich nicht daran glauben würde, die WM zu gewinnen, würde ich nicht nach London fahren“, betonte der fünfmalige Weltmeister im Sport1-Podcast „Checkout“.
„Ich habe immer noch die Qualität, um die besten Spieler der Welt zu schlagen. Ich muss niemandem mehr etwas beweisen“, behauptet van Barneveld. Das klang vor zwei Jahren, als er nach dem peinlichen WM-Erstrundenaus gegen den US-Nobody Darin Young seine Laufbahn eigentlich beendet hatte, völlig anders. „Das werde ich mir niemals verzeihen. Ich gehöre nicht mehr auf dieses hohe Niveau“, hatte der tief enttäuschte Niederländer damals gejammert – ehe er Monate später entschloss, doch noch einmal anzugreifen.
Im Februar holte sich der ehemalige Postbote aus Den Haag seine Tourkarte zurück, im März folgte jedoch der nächste Rückschlag. Van Barneveld brach während eines Spiels auf der Bühne zusammen. „Zu der Zeit sind bei mir im privaten Bereich viele schlimme Dinge passiert. Mein Vater hatte einen Schlaganfall, mein Haus war wenige Tage vorher eingestürzt. Das war zu viel für mich“, erzählte van Barneveld, der sich in der Folge aufrappelte und den Spaß am Pfeilewerfen wiederfand.
Am Montagabend trifft der niederländische Nationalheld, der 2007 das wohl beste WM-Finale der Geschichte gegen Legende Phil Taylor gewann, in seinem Auftaktmatch auf Lourence Ilagan (Philippinen). In der zweiten Runde würde bereits der Brite Rob Cross, Weltmeister von 2018, auf „Barney“ warten. „Ich habe hart gearbeitet in diesem Jahr. Ich kann mir ein Leben ohne Darts nicht vorstellen“, sagte der 54-Jährige. Vor seinem Comeback im Februar habe er täglich drei bis fünf Stunden trainiert.
Auch von Niederlagen ließ sich der Altmeister jüngst nicht zurückwerfen. „Ich werde weitermachen. Rom wurde schließlich auch nicht an einem Tag erbaut“, schrieb er bei Twitter nach dem Aus bei den Players Championship Finals in Minehead/England: „Der Fokus liegt jetzt voll auf der Weltmeisterschaft“.
Bei dieser will van Barneveld nun mit seiner „Barney Army“ im Rücken wieder im Konzert der ganz Großen mitmischen. „Wenn ich ins Viertelfinale bzw. Halbfinale komme, habe ich eine gute WM gespielt“, sagte van Barneveld über sein Minimalziel in London, das seinen unrühmlichen Abschied vor zwei Jahren endgültig vergessen machen würde.
(SID)/Bild: Imago
