Wolfbserger AC: Alles neu beim WAC

via Sky Sport Austria

Der Wolfsberger AC vor der Saison 2018/19

Es war der 12. Mai 2018, als es im Lavanttal gedonnert hat. Und geblitzt. Und das nicht zu wenig. Ungünstig für das Spiel des WAC gegen die Wiener Austria. Ich durfte der Begegnung als Kommentator beiwohnen, als Schiedsrichter Muckenhammer die beiden Teams nach etwa einer halben Stunde zwischenzeitlich in die Kabine schicken musste und die zweite Hälfte erst gar nicht mehr angepfiffen wurde, nachdem sich die Wolken entladen hatten und der Kick drohte zum Wasserball zu mutieren. Ärgerlich für die Wolfsberger – man war mit 2:0 in Führung gelegen, zwei Mal Ouedraogo. Gleichzeitig aber sinnbildlich für die enttäuschende Saison der beiden Mannschaften. Der WAC hatte den neunten Rang fix, den Wolfsbrüdern aus St. Pölten sei Dank. An der Seitenlinie stand längst Robert Ibertsberger in der Verantwortung für die Kärntner, nachdem man sich von Heimo Pfeifenberger infolge einer 1:5-Klatsche bei Rapid Mitte März getrennt hatte. Und eigentlich lief alles ganz gut unter dem vormaligen Co-Trainer und Coach auf Zeit. Die Neuaustragung gegen die Austria konnte man mit 2:1 für sich entscheiden, 13 Punkte aus neun Spielen unter Ibertsberger sollten es am Ende sein – auf die gesamte Saison hochgerechnet hätte das 52 Zähler und damit Platz fünf bedeutet. Klar, eine reine Sache des Konjunktivs.

Vom Konjunktiv zum Imperativ

Nicht mehr in der Möglichkeitsform hat sich zu diesem Zeitpunkt die Verpflichtung von Christian Ilzer als neuen Trainer für die Saison 2018/19 befunden – das war fix. Und dessen Arbeit hatte schon längst begonnen, bevor sie eigentlich angefangen hatte. Mit Überlegungen, wie die Mannschaft des WAC in der kommenden Saison aussehen könnte. Und mit Gesprächen mit den Vereinsverantwortlichen der Wolfsberger. Mittlerweile lässt sich festhalten: Es hat sich einiges getan. Neuer Trainer, neues Trainerteam. Unterstützt wird Christian Ilzer von Hannes Jochum, Uwe Hölzl, Dominik Deutschl und Torwarttrainer Adi Preschern. Co-Trainer Hölzl wurde von Ilzer aus Hartberg mitgebracht. Deutschl kommt ebenso vom TSV, ist erst 22 Jahre jung und unterstützt Ilzer vor allem in der Spielanalyse. Jochum und Preschern waren auch davor schon beim WAC, gehören seit Jahren quasi zum Inventar. Pfeifenberger passé, Ibertsberger (nun Letsch-Co bei der Wiener Austria) adieu.

So ganz neu ist das alles dennoch nicht, schließlich war Ilzer bereits vor seiner Erfolgssaison mit Hartberg (als Aufsteiger aus der Regionalliga Ost wurde man Vizemeister in der Sky Go Ersten Liga und schaffte den Durchmarsch in die Tipico Bundesliga) Assistenztrainer beim WAC unter Heimo Pfeifenberger. Eine Rückkehr hat sich im Laufe der enttäuschenden Saison der Wolfsberger und jener sensationellen der Hartberger abgezeichnet, ehe die Zusammenarbeit Anfang Mai offiziell verkündet wurde.

Aus alt mach neu

Das Problem des WAC in der abgelaufenen Saison war – wie in den meisten Fällen – eine Mischung aus vielerlei Ursachen. Vor allem der Mangel an Kreativität in der Offensive war augenscheinlich. Zum einen hatte man nicht gerade viele Ballartisten in seinen Reihen, zum anderen war die flache 4 – 4 – 2-Formation mit dürftiger Positionsrochade dem Erfolg wohl nicht immer zuträglich. Von September bis Anfang Februar wurde in der Liga kein einziger Sieg geholt, im Cup wurde man vom Burgenländischen Landesligisten Wimpassing eliminiert. Was die Wolfsberger seit dem Aufstieg in die Bundesliga 2012 ausgezeichnet hat, war zudem die Heimstärke, begründet auf der bissigen, kämpferischen Spielweise, die besonders auch den „Großen“ der Liga oftmals veritable Probleme bereitet hat. 2017/18 war davon wenig zu spüren.

Das soll sich mit Beginn dieser Saison wieder ändern. Auch, weil Ilzer im Rahmen des Budgets einen Kader nach seinen Wünschen zusammenstellen durfte. 15 Spieler wurden verabschiedet – die meisten mit Wohlwollen. Wenige, wie die Salzburg-Leihgaben Igor und Ashimeru (in der vergangenen Saison Lichtblicke) aus Gründen, auf die der WAC wenig Einfluss hatte. Und so gab es einen Umbruch im Lavanttal, der laut Ilzer auch nötig war. Von seinem Ex-Verein hat der Trainer das Trio Gollner, Gölles und Sprangler mitgebracht, von Sturm kommt Marc-André Schmerböck, der schon 2015/16 als Leihspieler das WAC-Trikot getragen hatte. Der Kärntner Michael Novak kehrt vom SV Mattersburg nachhause, mit Bojan Avramovic kommt ein junger Mann von Austria Lustenau. Die wesentlich größeren Namen: Liendl, Ritzmaier, Schmitz.

Ein anderes Gesicht

Michael Liendl ist bekannt im Kärntner Land, hat von 2012 bis Jänner 2014 schon in Wolfsberg gekickt, eher er seine Fußabdrücke in der 2. Deutschen Bundesliga hinterlassen hat und zuletzt bei Twente Enschede in den Niederlanden im Frühjahr zu keinen Einsätzen mehr gekommen war. Bei den Wolfsbergern hat Liendl Einsätze en masse in Aussicht, Christian Ilzer schätzt seine Qualitäten. Als Ideengeber und offensiverer Part im zentralen Mittelfeld soll er dem Spiel wieder kreative Impulse geben. Mit ähnlichen Aufgaben ist Marcel Ritzmaier bedacht, wenngleich primär durch sein Tempo ohne und mit Ball im offensiven Mittelfeld. Über den Status als Talent ist Ritzmaier, mittlerweile 25 Jahre alt, bei der PSV Eindhoven nie wirklich hinausgekommen, in der abgelaufenen Saison wurde er nur mehr in der zweiten Mannschaft von PSV eingesetzt. Die technischen Fähigkeiten des ehemaligen U21-Teamspielers stehen ob seiner Ausbildung außer Frage, wie viel er davon in der Bundesliga auf den Platz bringen kann, bleibt abzuwarten. Größer scheint die Leistungssicherheit bei Lukas Schmitz. Der 29-jährige Linksverteidiger kommt vom deutschen Zweitliga-Meister Fortuna Düsseldorf. Dort zählte Schmitz zuletzt zwar nicht immer zum Stammpersonal, hat für Düsseldorf, Schalke und Bremen jedoch an die 200 Spiele in der 1. und 2. Deutschen Bundesliga absolviert. An seiner Verlässlichkeit und Routine dürften wenige Zweifel bestehen.

Aus der Vielzahl an Zu- und Abgängen ergibt sich die wohl größte Aufgabe Ilzers: Die Fülle an Spielern zu einem funktionierenden Kollektiv zu vereinen. Auf eine Formation will sich der Trainer nicht festnageln lassen, viel wichtiger sind ihm Flexibilität und bestimmte Prinzipien. Was schon in Hartberg nominell nach einem 4 – 4 – 2 ausgesehen hat, wurde rasch mit einer Dreierkette im Spielaufbau interpretiert oder in einem Tannenbaum-System ausgelebt. Klar ist, dass Ilzer wenig von langem Ballgeschiebe hält. Nach Ballgewinn ab nach vorne, Beispiel: Hartberg 2017/18. Ein weiterer Aspekt dürfte beim WAC eine wesentliche Rolle spielen und zwar die Gefährlichkeit bei Standardsituationen. Vergangene Saison hat Ilzers TSV aus der Oststeiermark fast die Hälfte aller Treffer nach ruhenden Bällen erzielt, ein verrückter Wert. Standards seien bis zu einem gewissen Maß planbar, argumentiert Ilzer und das will er auch von seiner aktuellen Mannschaft ausgenutzt wissen.

Mit der Vorbereitung ist der 40-Jährige, der in den UEFA-Pro-Lizenz-Kurs aufgenommen wurde, zufrieden: „Die Spieler ziehen voll mit, es gibt kaum Verletzungen.“ Einzig Nemanja Rnic, von Sollbauer als Kapitän ersetzt, hat einige Wochen der Vorbereitung aufgrund muskulärer Probleme im Hüftbereich verpasst. In Testspielen gegen teils namhafte Gegner wie Lokomotive Moskau und Vitesse Arnheim, sowie die kroatischen Erstligisten NK Rudes und Inter Zapresic gab es keine Niederlage. Der Kader sitz, passt, hat aber auch noch Luft – in der Innenverteidigung und im Angriff könnte es noch Neuzugänge geben. Das zeigt auch die Auswahl an Testspielern über die Vorbereitung hinweg, nicht überzeugen konnten jedoch beispielsweise die jüngst getesteten Stefan Umjenovic (FAC) und Iliya Milanov (Bulgarien).

Zwischen Feinarbeit und Pflicht

Im ersten Pflichtspiel dieser Saison konnte der WAC die 1. Runde des ÖFB-Cups durch einen 2:1-Auswärtssieg beim Regionalligisten Union Gurten überstehen, von einer Glanzleistung waren die Kärntner aber noch ein Stück entfernt. Der zweimalige Torschütze Schmerböck machte letztlich den Unterschied in einer offenen Partie, die für den Bundesligisten auch nach hinten losgehen hätte können. Immer wieder schafften es die Underdogs aus dem Innviertel sich aus dem Wolfsberger Pressing mit Kombinationen zu befreien. Das defensive Umschaltspiel ließ beim WAC noch einiges zu wünschen übrig, häufig waren sich Sollbauer, Leitgeb und Co nicht einig, wer wann welchen Gegenspieler attackieren soll. Auch mit dem offensiven Nachrücken des Mittelfelds auf zweite Bälle schien Ilzer nicht zufrieden, das war im Laufe des Spiels deutlich hörbar. Mit Gurten hatte Ilzer einen schwierig zu bespielenden Gegner erwartet und auch bekommen. Pflichtaufgabe erfüllt, nicht mehr, nicht weniger.

Vor dem Bundesliga-Auftakt in St. Pölten am kommenden Sonntag bestreiten die Wolfsberger noch ein Testspiel gegen Udinese Calcio. Man will jede Möglichkeit nutzen, die Abläufe im Kollektiv zu verfeinern. Wohin die Reise in dieser Saison gehen soll, ist nicht in Stein gemeißelt. Mit dem Abstieg sollte man möglichst nichts zu tun haben, irgendwie scheint aber auch der Kampf um Rang sechs und damit der Einzug in die Meisterrunde nicht ganz unmöglich. Natürlich wäre das eine Sensation, aber fragen Sie nach in Hartberg. Mit den Steirern hat Christian Ilzer in der dritten Runde der vergangenen Saison übrigens mit 2:0 gegen Wacker Innsbruck geführt, als das Spiel aufgrund heftiger Regengüsse abgebrochen werden musste. Die Neuaustragung entschied Hartberg gegen den späteren Meister mit 3:1 für sich. Sollten also auch in Wolfsberg die Wolken wieder einmal brechen, Trainer und Mannschaft sind gewappnet.

Text: David Eder