Weg aus der Misere: Im Riesentorlauf ist Geduld gefragt

Die Riesentorlauf-Misere in Österreichs Frauenskiteam hat auch der fünfte Rang von Julia Scheib beim Lienz-Weltcup nicht überdecken können. Cheftrainer Roland Assinger setzt weiterhin auf Geduld und Hartnäckigkeit, um in der Kerndisziplin wieder weiter nach vorne zu kommen. „Österreichische DNA heißt schon zu gewinnen. Der Weg dahin ist zäh“, sagte der Kärntner. Wille und Ehrgeiz seien da, kleine Schritte gefragt und Topergebnisse als Initialzündungen erwünscht.

Inwieweit Scheib da was losgelöst hat, wird sich zeigen. Schon am 6. Jänner steht in Kranjska Gora der nächste Riesentorlauf auf dem Programm. „Es tut mir leid, dass es die anderen nicht so zeigen konnten. Ich weiß, wie gut die alle Ski fahren, das ist wieder nicht belohnt worden. Ich glaube fest daran, dass wir alle das Potenzial haben, dass wir da vorne mitfahren. Da braucht es einfach zwei gute Durchgänge, da arbeiten wir alle hart dran“, meinte die Steirerin, neben der in Lienz nur Franziska Gritsch das Finale erreicht hatte (19.).

Bis 2016 zählten die Österreicherinnen in dieser Disziplin noch zu den Siegläuferinnen. 2014 und 2015 holte Anna Fenninger (Veith) die kleine Kristallkugel, 2016 Eva-Maria Brem. Die Tirolerin sorgte am 7. März 2016 in Jasna auch für den bisher letzten Sieg. Seitdem gab es genau zwei Podestplätze – Stephanie Brunner wurde 2018 in Killington Dritte, Katharina Liensberger 2019 in Lienz. Zudem war die Vorarlbergerin WM-Dritte 2021.

Assinger freut sich über Scheib-Ergebnis

„Als Sportler ist man Tiefschläge gewöhnt. Ich war gelassen in der Hoffnung, dass die Scheib zeigt, was sie kann. Das hat sie Gott sei dank getan“, sagte Assinger angesichts des abgewendeten Debakels in Osttirol. „Wie vor Ehrfurcht erstarrt, vielleicht hat sich die eine der andere ein bissl die Schneid abkaufen lassen oben, weil sehr rutschige Verhältnisse waren.“ Nichtsdestotrotz müsse man angreifen. „Im Weltcup gibt es nur eine Attacke und die heißt volle Attacke.“

Mit Scheib habe man eine, die im Training die Pace vorgebe. Im Training funktioniere es auch bei anderen Läuferinnen, der Transfer ins Rennen gelinge aber nicht, sagte Assinger. „Da müssen sie, da sollen sie, statt können und dürfen. Diese Freiheit im Kopf ist noch nicht da, dass sie das rüberbringen.“

Truppe will auch Super-G trainieren

Katharina Truppe meinte, ihr würde es vermutlich helfen, wenn sie etwas mehr Super-G trainieren würde. „Im Riesen brauchst du so eine breite Brust und wirklich Selbstbewusstsein. Wenn du ein bisschen zurückziehst, bekommt du eine drüber. Es ist gnadenlos, da bist chancenlos.“ Riesentorlaufspezialistin Scheib fuhr tatsächlich am 12. Dezember einen Europacup-Super-G, wurde 21. in St. Moritz.

Mut sei nicht das Problem, meinte Assinger. „Es sind recht mutige Läuferinnen. Es geht einfach darum, dass sie den Schwung wie im Training auch im Rennen runterbringen. Da will man oft zu viel, da fällt man wieder in das alte Muster, das wir am Schwungansatz haben. Da sind wir ein bisserl zu schlampert.“

Konkurrenz im Riesentorlauf stark

Der Weg ganz an die Spitze wird freilich ein beschwerlicher. Die derzeit in der Disziplinwertung in Front liegenden Federica Brignone (ITA), Lara Gut-Behrami (SUI), Lienz-Siegerin Mikaela Shiffrin (USA), Petra Vlhova (SVK) und Sara Hector (SWE) bestimmen seit Jahren das Geschehen. dazu kommen aber auch noch beispielsweise Marta Bassino (ITA), Valerie Grenier (CAN) und Ragnhild Mowinckel (NOR).

„Die Dichte der Besten ist gleich. Seit mehreren Jahren geht es um fünf, sechs Namen, die sind dominierend. Da heißt es hineinzukommen. In der Startliste sind die Top sieben das oberste Gebot. Wenn du da dabei bist, dann kannst ranschnuppern. Dahinter ist alles bunt gemischt“, erklärte Assinger. Daher sei es wichtig, konstant in die Top sieben reinzufahren. Scheib schaffte das in dieser Saison als Fünfte in Lienz und Siebente in Killington bereits zweimal, alle anderen waren davon weit entfernt.

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(APA) / Bild: GEPA