Verkehrte Welt vor dem Derby: Hertha kämpft ums Überleben, Union ums große Geld
Verkehrte Welt vor dem Berliner Derby: Während Hertha BSC Punkte für den Klassenerhalt braucht, kämpft Union Berlin unerwartet um Europa. Das Stadtduell ist für beide richtungsweisend.
Pal Dardai und Arne Friedrich gaben sich vor dem großen Berlin-Derby der umgekehrten Vorzeichen hoffnungsfroh. Bei Hertha BSC ist Weltmeister Sami Khedira passend zum Stadtduell bei Union Berlin zurück und der jüngste Positiv-Trend sorgt für Zuversicht – es wäre der perfekte Moment für einen emotionalen Big Point im Abstiegskampf. Trainer Dardai, Sportdirektor Friedrich und der ganze Verein brauchen ein solches Erlebnis dringend.
Denn durch den unerwarteten Lauf der Köpenicker Richtung Europapokalplätze wurden Fragen nach einer Wachablösung in der Hauptstadt laut. „Zunächst muss man feststellen, dass Union eine sehr gute Saison spielt. Das erkennen wir an“, sagte Friedrich vor dem Aufeinandertreffen am Ostersonntag (18.00 Uhr/Sky): „Für uns zählen am Wochenende auf jeden Fall drei Punkte.“
Eigentlich wollte sich der Big City Club mit Millionen-Investor Lars Windhorst für das internationale Geschäft qualifizieren. Und eigentlich hatte sich Union auf einen langen Kampf um den Klassenerhalt eingestellt. Doch vor dem Derby ist es genau anders herum. Hertha muss gewinnen, denn Dardais Team hat gerade einmal 24 Punkte auf dem Konto und lag vor dem Wochenende nur einen Zähler vor Relegationsrang 16.
„Wir wissen, dass es für uns kompliziert wird, am Ende vor Union zu stehen“, sagte Friedrich. Union ist mit stolzen 14 Punkten mehr immer noch in Schlagdistanz zu den Europa-League-Rängen. Davon kann Friedrich nur träumen, er weiß um die nach wie vor schwierige Lage. „Für uns gilt es, schnellstmöglich von den unteren Rängen wegzukommen“, so der frühere Hertha-Kapitän.
Mut macht Hertha der überzeugende 3:0-Sieg gegen Bayer Leverkusen vor der Länderspielpause. „Die Situation ist sehr prekär gewesen, die Jungs haben eine gute Reaktion gezeigt“, sagte Friedrich. Auch Union-Trainer Urs Fischer sieht Hertha gefährlicher als noch vor einigen Wochen. „Vor allem das letzte Spiel gegen Leverkusen war ein überzeugender Auftritt“, betonte der Schweizer: „Das wird eine ganz schwierige Aufgabe.“
Als Trumpfkarte gegen die kampfstarken Eisernen kann Dardai wieder auf Winter-Neuzugang Khedira setzen, der ausgerechnet an seinem 34. Geburtstag und nach überstandener Wadenverletzung erstmals seit Ende Februar wieder im Kader stehen soll. „Sami hat gut mittrainiert. Wir werden ihn bestimmt mitnehmen“, sagte der Coach. Gerade wenn in der zweiten Halbzeit eine Führung zu verteidigen wäre, dürfte Dardai über diese Option froh sein.
Bei Union nähert sich laut Fischer Starspieler Max Kruse (zehn Tore und fünf Vorlagen) immer weiter den 100 Prozent, nachdem er sich beim 3:1-Sieg der Hertha im Hinspiel einen Muskelbündelriss zugezogen hatte. Unter anderem sein kreatives Spiel soll die Ostberliner vor der dritten Derby-Niederlage in Folge bewahren. Denn Fischer gab zu, dass das letzte Pleite aus dem Dezember noch in den Köpfen sei. Ein Sieg für das gute Gefühl wäre wichtig, weiß auch der Trainer: „Du machst lieber Sprüche als dir Sprüche anzuhören.“
(SID) / Bild: Imago

