Wien-Turnierdirektor Straka: „So lange ich lebe, möchte ich das machen“
Österreichs größtes Tennisturnier steht vor der Tür: Trotz Inflation und schlechten Weltnachrichten hat es nichts von seiner Anziehungskraft verloren. Im Gegenteil. Turnierdirektor Herwig Straka berichtete am Freitag im Gespräch mit der APA – Austria Presse Agentur von großer Nachfrage trotz teilweise gestiegener Preise. Die Leute sehnen sich mehr denn je nach schönen Erlebnissen – und diese sind bei einem erneut großartigen Teilnehmerfeld in der Wiener Stadthalle garantiert.
Mit Titelverteidiger Daniil Medwedew, Jannik Sinner und Andrej Rublew kommen gleich die Nummern drei bis fünf der Weltrangliste nach Wien. Das Thema Novak Djokovic hat sich auch für Straka spätestens seit der Basel-Absage von Carlos Alcaraz erledigt. „Djokovic liegt 2.500 Punkte vor ihm, damit ist das jetzt erledigt. Seine größten Ziele sind immer die Grand Slams zu gewinnen und am Jahresende Nummer 1 zu sein“, weiß Straka.
„Ich mache nicht immer alles richtig, aber wenn man heuer anschaut, wo meine Spieler waren, als sie unterschrieben haben, und wo sie jetzt stehen, nämlich alle besser und dass wir auf ein breiteres Feld gesetzt haben – das waren richtige Entscheidungen“. Dann haben sich ja auch Stefanos Tsitsipas, Alexander Zverev, die US-Amerikaner Frances Tiafoe, Tommy Paul und Aufsteiger Ben Shelton angekündigt.
Zwar arbeite man auch in Zukunft daran, einen Alcaraz und wohl auch Djokovic nach Wien zu holen. Aber dieses Feld spricht für sich. „Mein Ziel war immer, dass wir unabhängig werden von einzelnen Spielern. Dass wir ein gutes Starterfeld präsentieren, das ist uns heuer besser gelungen denn je“, verkündet der 57-jährige Straka stolz. „Wenn jemand in die Stadthalle kommt, weiß er oder sie, man sieht immer Namen, egal, wann man kommt.“ Wer dann am Ende gewinnt, sei als Veranstalter gar nicht so relevant.
Auch die deutsche Tennis-Legende Boris Becker wird trotz seiner Verpflichtung als „Supercoach“ von Holger Rune am Dienstag zum Event „Fifteen seconds Sports“ unter dem Credo, was können Manager und Managerinnen von Topstars lernen und umgekehrt. „Er ist eine Erscheinung, eine Persönlichkeit. Er hat eindrucksvoll bewiesen wie kompetent er im Sport ist und auch der Fakt, dass Holger Rune ihn als Supercoach engagiert, zeigt schon, dass er da einer der Besten ist. So jemanden wie ihn in Wien zu haben, ist immer eine Adelung. Ich kenne ihn ewig, wir sind gut befreundet“, verrät Straka.
Große Nachfrage trotz Krise
Die Frage, ob es in Inflationszeiten schwieriger geworden sei, ein derartiges Turnier mit einem Budget von mittlerweile 12 Mio. Euro zu organisieren, wird trotz massiv gestiegener Kosten positiv beantwortet. „Es ist so tatsächlich, man will auch gute Nachrichten sehen, man will auch Freude haben. Nicht nur die negativen Nachrichten, insofern geht sowohl in der Musik als auch im Sportbusiness letztlich um Unterhaltung und da liefern wir ein tolles Produkt ab. Die Vorzeichen sind sehr gut. Finanziell ist es jedes Jahr herausfordernd, die Kosten steigen massiv, aber wir haben Gott sei Dank riesiges Interesse von allen Seiten.“
Das Publikum, im Vorjahr gab es mit der Schallmauer von 70.000 Fans einen neuen Rekord, wird nur in höheren Kategorien mehr bezahlen müssen. „Wir haben in den höheren Kategorien die Preise um gute zehn Prozent inflationsangepasst. Unsere Botschaft ist und war, dass man es sich auch leisten können muss, wenn man nicht so viel Geld hat und deswegen haben wir die untersten Kategorien mehr oder weniger sogar gleich gelassen.“ Am Wochenbeginn könne eine Familie mit einem Kind im günstigsten Bereich mit 100 Euro dabei sein. Und Karten gibt es fast nur noch für Montag oder Dienstag. „Man soll nicht aufgeben, es kommen noch kleine Kontingente an die Tageskassen“, sagte der Steirer.
Der Traum, nun auch die 75.000-Zuschauermarke zu knacken, steht übrigens nicht im Vordergrund. „Das wäre im best-best-case möglich.“ Straka möchte lieber konstant die 70.000 schaffen. „Da bin ich hochzufrieden.“ Die Zuschauereinnahmen decken ungefähr ein Fünftel der Gesamtkosten ab.
Neues Stadion verzögert sich weiter
Weniger erfreut ist er von einer weiteren Verzögerung um einige Monate beim Projekt der neuen Eventhalle in St. Marx. „Ich bin ja da in der Kommission und kriege das sehr genau mit. Es ist unerfreulich, was da passiert ist, aber man will weiter an der Halle festhalten“, erklärte Straka. Das Bieterverfahren wurde für nichtig erklärt. Straka hofft dennoch, dass die Halle spätestens 2029 zur Verfügung steht. „Das ist natürlich dringend notwendig und wir merken schon, dass wir zumindest Donnerstag bis Sonntag 50 bis 100 Prozent mehr in die Halle bringen würden.“ Die neue Halle soll 20.000 Fans fassen, beim Tennis wären es bis zu 17.000.
In sechs Jahren wäre Straka 63, und er hat keinen Zweifel, dass er da weiter sein Turnier veranstalten wird. „So lange ich lebe, möchte ich das machen. Also ich gehe sicher nicht in Pension. Ich glaube fest an das Turnier, es hat in den letzten 15 Jahren ein tolles Wachstum hingelegt.“
Für Österreichs Lokalmatadore wird es dieses Jahr, abhängig natürlich auch von der Auslosung am Samstag (10.00 Uhr), schwer. Aufsteiger Sebastian Ofner und der mittlerweile nur noch knapp in den Top 100 liegende Dominic Thiem haben Wildcards erhalten. „Von der Form her ist Ofi definitiv höher einzustufen, aber man muss die Kirche im Dorf lassen, er hat noch keine wirklichen Superstars geschlagen. Daher glaube ich, dass Domi, der weiß, wie es ist, daheim zu gewinnen, mindestens so gute Chancen hat, eine Runde zu gewinnen oder auch zwei, wie der Ofi.“ Für die Qualifikation haben übrigens Jurij Rodionov und Filip Misolic Wildcards erhalten.
(APA)/Bild: GEPA
