Zurück in der Heimat: Heinrich will sich bei den Capitals beweisen
Dominique Heinrich ist seit Jahren einer der besten österreichischen Eishockey-Verteidiger und stellte dies regelmäßig auch bei Weltmeisterschaften international unter Beweis. Bei Meister Red Bull Salzburg waren seine Dienste dennoch nicht mehr gefragt. Heinrich kehrte in seine Heimatstadt Wien zurück und will mit den neu formierten Vienna Capitals durchstarten. Sein Ziel ist der Meistertitel.
Ärger über das Vorgehen der Roten Bullen und Unverständnis über die Begründung verhehlt Heinrich auch Monate nach dem Abschied nicht. Nach sechs Meistertitel hätte er sich anderes erwartet. „Natürlich war es teils überraschend. Was menschlich nicht okay war, war die Art und Weise, wie es mir mitgeteilt wurde. Vor allem, wenn man 16 Jahre dort war, sich gut kennt, hätte man menschlich eine bessere Lösung finden müssen“, erinnerte sich Heinrich an den Tag, als er auf dem Weg zur WM nach Finnland war und informiert wurde, dass sein Vertrag nicht mehr verlängert wird. „Die Nachricht telefonisch Frau und Kindern mitteilen zu müssen, war nicht leicht.“
Heinrich mit sportlicher Ausbootung nicht einverstanden
Ebenso verursacht die „Begründung, dass ich spielerisch nicht gut genug bin“, Kopfschütteln. „Ich glaube nicht, dass ich das mittlerweile verstanden habe. Weil man hat bei der WM gesehen, dass das nicht der Fall ist. Ich bin absolut nicht einverstanden damit“, sagte Heinrich und will in Wien beweisen, dass seine Einschätzung richtig ist. „Das ist ein bisschen Extra-Motivation“, gesteht er. „Das spielt eine Rolle, weniger für die anderen, sondern eher für mich. Die letzten Jahre waren auch ein bisschen durch Verletzungen geprägt. Ich möchte für mich selbst und Eishockey-Österreich zeigen, dass ich es immer noch kann“, erklärte der 33-Jährige.
Er freut sich auf die Herausforderung in einem neuen Umfeld, mit einer umgebauten Mannschaft, neuem Trainer und neuem System. „Die Mannschaft wird ein komplett neues Gesicht haben. Das dauert, bis sich die Mannschaft kennenlernt und wir wie eine Einheit funktionieren, bis jeder das System verinnerlicht hat. In der eigenen Zone, in der neutralen Zone, teilweise auch in der offensiven Zone ist alles umgekrempelt worden. Das ist für alle neu und eine große Umstellung. Da müssen wir uns Zeit geben und geduldig sein. Aber wir werden alle damit wachsen und zu besseren Spielern werden“, erklärte er und sieht sich in dieser Spielweise gut aufgehoben. „Mir liegt das sehr. Das ist ähnlich wie die Art von Pierre Page. Mit viel Puckbesitz, spielerisches, kreatives, schnelles Eishockey“, meinte er in Erinnerung an seinen Salzburger Coach von 2007 bis 2013.
„Saisonziel ist der Titel“
Und wenn der Prozess vollzogen ist, traut er den Caps alles zu. „Das Saisonziel ist ganz klar der Titel, da gibt es kein Drumherum“, stellte er klar. Da spricht aus ihm ganz der „Siegertyp“, wie Trainer Marc Habscheid seinen Verteidiger einschätzt. „Er hat viel gewonnen, das hat einen Grund. Er hat sechs Meistertitel, er kann die Erfahrung teilen, was es heißt zu gewinnen. Er ist ein wichtiger Teil der Kultur dieser Mannschaft“, sagte der kanadische Coach.
Gerade in einer Mannschaft im Umbau sind Spieler und Typen wie Heinrich gefragt. „Ich möchte Marc helfen, dass wir das so schnell wie möglich hinbekommen“, sagte Heinrich, der die kommunikative Art und das Vertrauen seines Chefs sehr schätzt. „Er möchte, dass wir Führungsspieler die Mannschaft richtig führen, dass man Fehler korrigiert, dass wir eine Siegermentalität aufbauen. Dass wir Kleinigkeiten richtig machen, auf die in den vergangenen Jahren vielleicht nicht so viel Wert gelegt wurde.“
Fokus auf Nachwuchs überzeugt
Dass die Caps diesen Weg mit vielen jungen Eigenbauspielern – elf Wienern – gehen, gefällt Heinrich. Denn er hat auch andere Erinnerungen an Wien, als er mit 17 Jahren nach Salzburg wechselte. „Ich finde super, dass die Caps so viel Wert auf den Nachwuchs legen. Das war zu der Zeit, als ich jung war, noch nicht der Fall. Ich würde behaupten, dass ich ein guter Nachwuchsspieler war, einer der besten in Österreich. Aber ich habe von den Caps kein Wort gehört, obwohl ich in der gleichen Eishalle war. Da dürfte sich einiges getan haben. Die Spieler bekommen wirklich eine Chance, nicht so wie früher, da waren sie nur die Platzfüller“, erzählte Heinrich. Er lobt die Einstellung und Motivation der jungen Spieler und prophezeit: „Die werden in der Zukunft sicher eine gute Karriere haben.“
Und noch eines schätzt er an den Caps: die stärkere Einbeziehung des Umfelds. Gerade bei einem Hoffnungsträger wie ihn bedeutet das zusätzliche Aufgaben. „Es gibt viele Interview-Anfragen, aber das freut mich sehr, weil das kommt von irgendwo. In Wien ist es was anderes als in Salzburg, man hat näheren Kontakt mit Fans und Sponsoren. Da kommt man auch zum Plaudern und bekommt eine bessere Beziehung zum Verein, wenn man in der Halle nicht nur zur Arbeit geht, sondern weiß, für wen und für was man das machen soll“, sagte Heinrich.
(APA) / Bild: Imago
