Zverev und Becker: Kommt es zum „Showdown“ in Paris?
Alexander Zverev und Boris Becker liefern sich mal wieder einen verbalen Schlagabtausch. Das Verhältnis der beiden Größen im deutschen Männertennis ist schon länger angeknackst.
Sonntag, gegen 18 Uhr im Pariser Vorort Nanterre: Alexander Zverev hat gerade seinen achten Masters-Titel gewonnen, Tausende Fans erheben sich von den Sitzen. Und auf dem Court kommt es zu einer brisanten Begegnung. Den Pokal erhält der Weltranglistenerste aus Hamburg ausgerechnet aus den Händen von Boris Becker – und die beiden Granden im deutschen Männertennis, sie sind sich inzwischen so gar nicht mehr grün.
Becker ist 40 Jahre nach seinem eigenen Triumph bei dem ATP-Topevent Teil der Siegerehrung, das Szenario ist also durchaus realistisch, vor allem nach den jüngsten Entwicklungen. Kritische Töne in die eine, Sticheleien in die andere Richtung: Es ging auch rund um die Krönungsmesse des 29-Jährigen, der seit Montag erstmals das Tennis-Ranking anführt und am Mittwoch um den Achtelfinaleinzug in Paris kämpft, heiß her. Dabei könnte im deutschen Tennis ja eigentlich endlich mal wieder echte Feierstimmung herrschen.
„Seine Meinung interessiert mich wenig“
„Seine Meinung in den letzten paar Jahren interessiert mich wenig“, sagte etwa Zverev zuletzt in Wien über Becker: „Immer wenn er ‚was gesagt hat, ist das Gegenteil passiert.“ Kurz darauf freute sich Zverev dann auch diebisch, als er erfuhr, dass er mit seinem bald komfortablen Vorsprung auch sehr wahrscheinlich länger den Platz an der Sonne innehalten wird als Becker, der im Jahr 1991 zwölf Wochen lang Weltranglistenerster war.
Dass Zverev das laufende Jahr als Nummer eins beenden wird, hatte ja schon länger festgestanden – und auch, dass er Becker nicht mehr als geschätzten Ratgeber betrachtet. Spätestens seit dem beinahe täglichen Schlagabtausch im vergangenen November bei den ATP Finals in Turin ist die Entfremdung kaum zu übersehen.
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Anfang der Woche nun legte Becker im Spiegel nach, als er laut darüber nachdachte, warum Zverev die Herzen der Fans hierzulande trotz seiner zwei Grand-Slam-Titel in diesem Jahr noch immer nicht zufliegen würden. „Das hat Gründe“, sagte Becker: „Er muss vielleicht ein bisschen mehr zulassen. Ich habe ihn privat erlebt, er hat Charme, er ist witzig, er ist in Ordnung. Aber vielleicht sieht er das nicht als wichtig genug an.“ Wenn es für Zverev also wichtig sei, dass er in Deutschland „mehr respektiert wird und vielleicht sogar geliebt“ wird, „dann muss er etwas dafür tun“, führte Becker aus. Und überhaupt müsse man ja „diesen jungen Leuten auch mal sagen, was sie nicht gern hören.“
Becker gönnt Zverev den Erfolg
Becker tut dies inzwischen in großer Regelmäßigkeit – nicht zuletzt in seinem pointierten Podcast mit Ex-Profi Andrea Petkovic. Zur Wahrheit gehört aber auch: Becker, der in früheren Jahren im engen Austausch mit der Familie Zverev gestanden hatte, lässt immer wieder auch durchscheinen, dass er Zverev den jüngsten Erfolg durchaus gönnt.
Weshalb auch Dietloff von Arnim, der Präsident des deutschen Tennis-Bundes (DTB), die Scharmützel seiner beiden Aushängeschilder nicht „überbewerten“ will. Zverev habe auf sportlicher Ebene „recht mit seinem Weg“, stellte er im SID-Interview fest: „Und wenn die beiden sich manchmal ein bisschen kabbeln, der eine als Journalist, der andere als Spieler, dann ist das okay.“
Alles halb so wild also? Die Siegerehrung in Paris könnte am Sonntag Aufschluss geben, wie es wirklich um die Beziehung der beiden Tennisgrößen steht. Bis dahin muss Zverev aber noch ordentlich ackern. Zuletzt nämlich hatte der US-Open-Sieger ein wenig müde gewirkt, und auch die potenziellen Gegner haben es in sich: Zunächst trifft Zverev auf den einstigen Top-Fünf-Spieler Lorenzo Musetti, im Viertelfinale dann vielleicht auf Novak Djokovic. Und im Endspiel? Da könnte Carlos Alcaraz warten.
