Zweite Medaillenchance – Premiere für Kajak Cross
Zum Abschluss der Kanu-Konkurrenzen im Wildwasser-Kanal von Vaires-sur-Marne gibt es ab Freitag (ab 15.30 Uhr) die neue olympische Zugabe Kajak Cross. Alle über die Einer-Bewerbe im Slalom qualifizierten Aktiven sind startberechtigt, darunter mit Corinna Kuhnle und Viktoria Wolffhardt sowie Felix Oschmautz das bei den Spielen anwesende österreichische Trio. Es beginnt mit einem Zeitfahren um die Setzliste, Samstag bis Montag geht es weiter um die Medaillen.
Es sind spektakuläre Szenen zu erwarten, wenn sich je vier Sportlerinnen bzw. Sportler von einer Startrampe drei bis vier Meter in den Kanal stürzen, um möglichst schnell und gut Position zu beziehen. Eine solche ist wichtig, um im Lauf den vielleicht entscheidenden Vorteil zu haben. Die Startpositionen werden nach der Zeitfahr-Reihung vergeben. „Außen hat man den Vorteil, dass auf einer Seite kein Gegner ist, man sich Raum schaffen kann“, sagte Österreichs Cheftrainer Helmut Oblinger im APA-Gespräch. Die schnellere Strömung im Olympia-Kanal sei freilich in der Mitte.
Während das Slalom-Boot aus Kohlefaser besteht, ist das Cross-Boot aus Hartplastik. Cross-Boote sind mit maximal drei Metern kürzer und auch die olympischen Wettkampf-Boote müssen in Massen-Produktion sein. Ein Großteil der Aktiven fährt mit einem Fabrikat französischer Herkunft. Und während man im Slalom die Stangen nicht berühren darf, darf man im Cross gegenschlagen. „Es ist fast ein Muss, die Tore zu berühren. Man fädelt ein und schwingt durch die Schwingung des Tores durch“, erklärte Andreas Langer, im österreichischen Verband für den Nachwuchs zuständig.
Fokus liegt beim Slalom
Das Cross-Fahren nimmt bei den Österreichern einen geringen Teil des Trainings ein, einfach weil es auch gefährlich ist – für Material und Mensch. Langer: „Weil es so verletzungsanfällig ist, ist es eher weniger. Man hat immer wieder gebrochene Paddel, es ist recht aggressiv. Rippen, Gesicht oder die Finger sind schnell angehaut.“ Kuhnle merkte an, dass man das Head-to-Head nicht richtig wettkampfmäßig trainieren könne, weil man sich nicht verletzen wolle. Doch beim Nachwuchs sei das Cross laut Langer beliebt. Auch wegen des Olympia-Status kommen allmählich Spezialisten.
Nun in Paris sind solche noch nicht dabei, obwohl es sie etwa in Großbritannien, Frankreich und der Schweiz gibt. Lediglich je drei Tickets für Frauen und Männer wurden Anfang Juni bei einem eigenen Qualifikationstermin vergeben, sie gingen alle an Slalom-Aktive. Kuhnle und Wolffhardt haben in ihrem Slalom-Bewerben die Ränge zehn und 14 belegt und erhalten nun erstmals eine zweite Olympia-Chance. „Kalkulierbarer ist natürlich ein Slalom, Cross ist auch ein bisschen lotterie-mäßig“, merkte Kuhnle dazu an. Für sie wird es ihre olympische Abschiedsvorstellung.
Die Niederösterreicherin glaubt, dass der Kajak-Sport in Zukunft mehr in Richtung Cross gehen könnte. „Es ist publikumswirksam. Es fühlt sich mehr wie ein Spiel an, in dem viel mehr passiert und man viel mehr reagieren muss darauf, was die anderen machen.“ Wolffhardt sieht es ähnlich: „Beim Cross sind sehr viele Faktoren, die zusammenspielen, das ist sehr unvorhersehbar. Es kann alles passieren, es kann so schnell vorbei sein. Du triffst eine richtige Entscheidung und der andere eine falsche und du gewinnst den Lauf.“
Dazu kommt für die Männer im Kajak-Slalom, dass sie noch am (heutigen) Donnerstag ihren Finaltag haben und sich binnen nicht einmal 24 Stunden auf ein neues Boot einstellen müssen. Das könnte für Oschmautz sprechen, dem Cross-„Silbernen“ der European Games. Denn bei ihm gehe das recht rasch. „Da bin ich nicht so ein empfindlicher Typ. Aber klar ist das Boot ganz anders. Das kannst du wahrscheinlich nicht einmal mit Slalom- und Riesenslalom-Skier vergleichen. Der Vergleich von Snowboard und Skiern ist besser.“ Form und Gewicht seien ziemlich unterschiedlich.
Cross-Medaille viel wert
Die drei rot-weiß-roten Vertreter versichern, dass für sie eine Cross-Medaille ebenso viel wert wie eine Slalom-Medaille wäre. Oschmautz: „Es wird keiner nachfragen, welche Medaille es ist. Dafür hat man sehr viel opfern müssen.“ Schnappt sich Oschmautz eine, dann kann er das auch ein wenig seiner vielfältigen sportlichen Ausbildung zuschreiben. „Ich habe als Kind viele Sportarten gemacht – Fußball, Eishockey, Tennis, Bergsteigen, Leichtathletik. Bei der Frage, wo sind die Gegner, was ist taktisch eine schnelle, gute Entscheidung, hilft mir das.“
Der Kärntner setzt schon auf das Zeitfahren, das Time-Trial. „Es ist wie in der Formel 1, es geht um die Startposition. Es ist auch oft so, dass während des Rennens die Positionen mehrmals durchgetauscht werden, weil man wirklich gegeneinander aktiv kämpfen darf.“ Bei einer schlechteren Startposition wiederum sei das Rennen noch nicht gelaufen. „Da können sich Optionen öffnen, das muss man erkennen und nutzen. Es hängt vom Kursdesign und von der Strecke ab, wieviele Überholmanöver möglich sind.“ In Paris sei das gut möglich – damit ist Spektakel garantiert.
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(APA)/Bild: Imago
