Alaba ein Königlicher: Richtiger Transfer zur falschen Zeit?

via Sky Sport Austria

Real Madrid verpflichtet mit David Alaba erstmals seit Eden Hazard vor knapp zwei Jahren endlich wieder einen internationalen Star. Dennoch gibt der Transfer aus Sicht der Königlichen Rätsel auf.

Real Madrid blieb in der abgelaufenen Saison ohne Titel. In der Copa del Rey scheiterte der spanische Rekordmeister sensationell in der dritten Runde trotz Überzahl bei Drittligist CD Alcoyano, in der Champions League war im Halbfinale gegen den FC Chelsea Schluss und in der Meisterschaft konnte man zwar Erzrivale FC Barcelona hinter sich lassen, musste sich aber hinter Atletico mit Platz zwei begnügen. Es ist bereits das zweite Mal in den vergangenen drei Jahren, dass die Königlichen ihren Trophäenschrank zum Saisonende nicht aufpolieren können.

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Umbruch bei Real überfällig

Vor allem die beiden Partien gegen die Blues zeigten dabei deutlich, dass Real nicht (mehr) zur absoluten Weltspitze zählt. Im Rückspiel an der Stamford Bridge war die Startelf, die Trainer Zinedine Zidane aufs Spielfeld schickte, im Schnitt über 29 Jahre alt, hatte der Geschwindigkeit der jungen Tuchel-Elf nichts entgegen zu setzen und war mit dem 0:2 noch bestens bedient. Sky Experte Lothar Matthäus und Michael Ballack kritisierten die Leistung der Spanier anschließend scharf und waren sich einig, dass ein Umbruch bei Real überfällig ist.

Abwehrchef Sergio Ramos, Mittelfeldstratege Luka Modric (beide 35) oder Torjäger Karim Benzema (33) prägten eine der erfolgreichsten Ären beim stolzen Traditionsklub und haben unter anderem vier Mal den Henkelpott gewonnen, aber diese große Mannschaft hat ihren Zenit augenscheinlich überschritten und benötigt dringend eine Blutauffrischung.

Haaland & Co. nicht zu bekommen

Die Real-Bosse sahen das auch und wussten, dass es höchste Zeit ist, zu handeln. Das Problem: Spieler, die für das neue Real Madrid stehen sollen wie Erling Haaland oder Kylian Mbappe waren entweder in diesem Sommer nicht verfügbar oder sind schlicht zu teuer für die Madrilenen, denn nicht erst seit dem Super-League-Fiasko ist bekannt, dass die Corona-Pandemie Real stark zugesetzt und in gewaltige finanzielle Nöte gestürzt hat.

Somit überrascht es nicht, dass der erste Sommertransfer ablösefrei den Weg nach Madrid findet. David Alaba entschied sich nach 13 Jahren und unzähligen Titeln beim FC Bayern für eine neue Herausforderung und machte früh deutlich, dass er gerne in Spanien spielen würde.

Alaba kostet Real rund 140 Millionen Euro

Doch während Alaba für den finanziell ebenfalls angeschlagenen FC Barcelona – trotz Bedarf – nie wirklich eine Option war, schlugen die Königlichen zu und freuen sich nun über einen flexibel einsetzbaren Führungsspieler, der in seiner Vereinskarriere schon alles gewonnen hat. Auf den ersten Blick also eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten, doch das Problem aus Sicht der Spanier ist, dass der Österreicher gar nicht so günstig ist, wie es zunächst scheint.

Alaba verdient laut Sky Informationen in Madrid rund zwölf Millionen Euro netto – also etwa 24 Millionen Euro brutto. Auf fünf Jahre gerechnet sind das 120 Millionen Euro, Rechnet man noch die kolportierten rund 20 Millionen Euro Handgeld für Alaba und seinen Berater Pini Zahavi obendrauf, kommt man auf ein Gesamt-Transfervolumen von etwa 140 Millionen Euro. Viel Geld in Zeiten von Corona für die klammen Madrilenen für einen Spieler, der in weniger als einem Monat bereits 29 Jahre alt wird.

Richtiger Transfer zur falschen Zeit?

Umbruch sieht anders aus, auch wenn Alaba offenbar die sechs Jahre ältere Vereinslegende Ramos ersetzen soll und man somit zumindest ein wenig jünger wird. Vielleicht bleibt der Kapitän aber noch eine Saison an Bord und Alabas Zukunft liegt im Mittelfeld. Dort hat mit Modric zwar ein weiterer Haudegen erst kürzlich verlängert, aber Alaba dürfte neue Facetten ins Spiel des weißen Balletts bringen. Wo auch immer der ehemalige Münchner in Madrid in der kommenden Saison zum Einsatz kommt: Eine Verstärkung ist er jedem Fall.

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Und doch wird man das Gefühl nicht los, dass der österreichische EM-Teilnehmer der richtige Transfer zu falschen Zeit ist, denn nach dem mittlerweile offiziellen Abgang von Trainer Zidane wäre der perfekte Zeitpunkt gewesen, um das Team in den kommenden ein bis zwei Jahren peu a peu zu verjüngen. Der bald 29-jährige Alaba passt kaum zu diesem Credo, zumal Real auf den Positionen, die Alaba bekleiden kann, auch recht gut aufgestellt ist.

Geld anderweitig besser investiert?

In der Innenverteidigung hat der neue Coach mit dem 23-jährigen Eder Militao neben Raphael Varane (28) selbst ohne Alaba und Ramos zwei Akteure, die höchsten Ansprüchen genügen. Mit einer Verlängerung mit Ramos hätte man Geld sparen, auf Zeit spielen und kommende Saison einen Anlauf bei Sevilla Youngster Jules Kounde (22) wagen können.

Im Mittelfeld hat Real seine Zukunftshoffnung sogar bereits im Kader, denn der Uruguayer Fede Valverde könnte die Rolle von Modric und Kroos jederzeit einnehmen. Daher hätte Real die in Alaba investierten 140 Millionen Euro sicherlich auch auch zukunftsträchtiger einsetzen können. Sollte man beispielsweise bei Haaland oder Mbappe finanziell von der Konkurrenz ausgestochen werden, dürfte der Alaba-Transfer in einem neuen Licht stehen. Erst recht, wenn es in der näheren Zukunft trotz Alaba keine neue Silberware für den Trophäenschrank am Saisonende geben würde.

(Robert Gherda / skysport.de)

Bild: Imago