Antonelli triumphiert nach furioser Aufholjagd in Monza

Formel-1-Jungstar Kimi Antonelli hat ein Husarenstück vollbracht und in Monza seinen ersten Heimsieg gefeiert. Der 20-jährige Mercedes-Mann triumphierte am Sonntag im Grand Prix von Italien vom 19. Startplatz aus. Von derart weit hinten war seit 43 Jahren kein Pilot zum Sieg gefahren. Antonelli setzte sich vor seinem Teamkollegen George Russell und Max Verstappen im Red Bull durch und baute seinen Vorsprung in der WM weiter aus. Der Italiener führt nun 66 Punkte vor Russell.

Ferrari erlebte zu Hause ein Desaster. Lewis Hamilton kam hinter den beiden McLarens von Lando Norris und Oscar Piastri nicht über Platz sechs hinaus und liegt in der WM bereits 76 Zähler hinter Antonelli auf Rang drei. Bereits in der ersten Schikane war er mit Teamkollege Charles Leclerc aneinandergeraten. Leclerc drängte den Rekordchampion neben die Strecke, der Engländer fiel zwischenzeitlich auf Rang zehn zurück.

Verstappen überholte Leclerc und war neuer Dritter. Doch damit nicht genug: Als der Monegasse, der 2019 und 2024 die bisher letzten Ferrari-Heimsiege in Monza geholt hatte, in der legendären Parabolica auch von Oscar Piastri unter Druck geriet, verlor er das Auto und krachte heftig in die Streckenbegrenzung.

Neustart nach Leclerc-Abflug

Leclerc kam ohne ernsthafte Blessur davon, das Rennen wurde nach vier von 53 Runden aber für eine halbe Stunde unterbrochen. Russell hatte zu diesem Zeitpunkt bereits Sensation-Pole-Mann Pierre Gasly im Alpine überholt. Der Franzose hatte sich eine Runde an der Spitze gehalten. Antonelli, der wegen eines Motorentausches aus der letzten Startreihe losgefahren war, nahm den Neustart bereits von Position zwölf aus in Angriff.

Viele Teams zogen die harten Reifen auf und wollten sich damit weitere Boxenstopps ersparen. Verstappen, Hamilton und Antonelli pflügten mit den schnelleren Medium-Pneus durchs Feld. Verstappen nahm Russell in Runde zwölf zwischenzeitlich die Führung ab, der Engländer kämpfte sich zwei Runden später aber zurück. In Runde 18 übernahm Antonelli erstmals die Spitzenposition, die beiden Mercedes lieferten sich für einige Runden ein Duell mit mehreren Führungswechseln.

Das Team bremste Antonelli kurz ein, um einen permanenten Jojo-Effekt zu verhindern. Nachdem der Aston Martin von Lance Stroll auf der Strecke stehengeblieben war, nutzten Mercedes und Red Bull die durch ein virtuelles Safety Car entstandene Chance, um Antonelli und Verstappen frische Reifen zu geben. Russell musste auf Teamgeheiß ebenso draußen bleiben wie Hamilton, der bei weitem kein fehlerfreies Rennen fuhr.

Überholmanöver kurz vor Schluss

Eine Untersuchung wegen zu schnellen Fahrens unter Gelber Flagge blieb für Russell folgenlos. Seine Reifen waren im Finish aber derart malträtiert, dass Antonelli vier Runden vor Schluss in seinem Heck hängte. Beim ersten Angriff des Lokalmatadors verbremste sich Russell leicht, sein Rivale musste dadurch ins Kiesbett. Drei Runden vor Schluss war es dann aber soweit: Antonelli ging vor der Ascari-Schikane mehr oder weniger problemlos an seinem Rivalen vorbei.

Antonelli gewann als erster Italiener seit Ludovico Scarfiotti 1966 den GP von Italien. Von so weit hinten war zuletzt der Brite John Watson 1983 in Long Beach zu einem Grand-Prix-Sieg gefahren – nämlich von Platz 22. Antonelli feierte im 13. Saisonrennen seinen siebenten Sieg und ist auf dem besten Weg, der jüngste F1-Weltmeister der Geschichte zu werden. Zehn WM-Läufe stehen noch auf dem Programm. Antonelli holte sich im Finish zum Drüberstreuen die schnellste Rennrunde.

Mercedes durfte erstmals seit 2018 über einen Sieg in Monza jubeln. Gasly, der 2020 im AlphaTauri mit einem Sieg im „Temple of Speed“ überrascht hatte, landete auf Rang sieben – unmittelbar vor Racing-Bulls-Mann Arvid Lindblad und seinem Alpine-Teamkollegen Franco Colapinto. Liam Lawson, der als Ersatz für den verletzten Isack Hadjar im zweiten Red Bull saß, kam nicht in die WM-Punkte.

Ferrari-Hommage an Schumacher

Ferrari war mit einer Speziallackierung unterwegs, die an Legende Michael Schumacher erinnerte. Der Rekordweltmeister hatte 1996 seinen ersten von insgesamt fünf Ferrari-Heimsiegen im Autodromo Nazionale gefeiert. Sein Landsmann und späterer Ferrari-Nachfolger Sebastian Vettel begeisterte das Publikum vor dem Rennen mit einer Demonstrationsfahrt in Schumachers legendärem Ferrari F2002, in dem der Deutsche vor 24 Jahren die WM dominiert hatte.

Das nach Monza gebrachte Motorupgrade brachte der Scuderia letztlich keinen Mehrwert. Die Italiener müssen für den angestrebten dritten Saisonsieg auf die Premiere des neuen Straßenkurses am Stadtrand von Madrid hoffen, auf dem nächsten Sonntag der Grand Prix von Spanien ausgefahren wird.

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