Aufstieg ins Halbfinale? Herzog: „Ist Rapid absolut zuzutrauen“
Der SK Rapid steckt in der Krise. Im Viertelfinale der Conference League soll gegen Djurgarden der Befreiungsschlag gelingen.
Nicht nur aus sportlicher, sondern vor allem aus wirtschaftlicher Sicht wäre ein Weiterkommen gegen die Schweden immens wichtig für die Hütteldorfer. Sky-Experte Andreas Herzog glaubt, dass die angeschlagenen Wiener den Einzug ins Halbfinale dennoch fixieren können.
„Die Möglichkeit ist schon da, dass sie zum ersten Mal seit Ewigkeiten in ein Semifinale von einem Europacup kommen können. Aber sie müssen halt besser sein als die letzten Wochen. Der Start ins Frühjahr war alles andere als geglückt. Das muss man deutlich ansprechen“, so Herzog.
„Es wird jetzt wichtig sein, bei einer heimstarken schwedischen Mannschaft, gleich für das Heimspiel ein gutes Resultat zu erzielen. Das ist wie immer, dass du im ersten Spiel so ein Ergebnis erzielen musst, dass du im Heimspiel dann noch alle Chancen hast. Und das ist Rapid absolut zuzutrauen, weil sie gegen Kopenhagen auch zu Hause klar gewonnen haben. Das hätte ich davor nicht geglaubt.“
Vor 59 Jahren konnte Rapid das erste Mal ein Europacup-Halbfinale erreichen. Damals setzten sich die Hütteldorfer mit Malmö ebenfalls im Viertelfinale gegen ein schwedisches Team durch.
Vor 59 Jahren: Als Rapid das erste Mal ein Europacup-Halbfinale erreichte
Rückspiel in Wien als Vorteil?
Da das Rückspiel in der kommenden Woche in Wien stattfindet, sieht der 56-Jährige sogar einen leichten Vorteil bei Rapid.
„Ich bin der Meinung, das zweite Spiel zu Hause ist immer ein Riesenvorteil. Kommt es zum Beispiel zu einer Verlängerung spielst du die dann im eigenen Stadion. Du weißt nach dem Hinspiel bereits mehr über die Taktik und ob du mehr ins Risiko gehen musst, wenn das Ergebnis aus dem ersten Spiel nicht so gut war“, sagt Herzog.
„Ich habe als Spieler immer lieber gehabt, wenn das Hinspiel zuerst auswärts war und das Rückspiel dann zu Hause. Da kannst du alles wieder richten vor den eigenen Fans. Und ich glaube, das ist für Rapid schon ein Vorteil.“
Schwierigkeiten im Frühjahr
Der SK Rapid spielt in der Conference League eigentlich eine stabile Saison. In der Ligaphase konnten die Hütteldorfer über weite Strecken überzeugen und schlossen auf Platz vier in der Tabelle ab. Damit waren die Wiener direkt für das Achtelfinale qualifiziert.
Da ging es dann gegen Borac Banja Luka, wo Rapid wie auch in der Liga seit Jahresbeginn Probleme hatte. Im Hinspiel gab es einen späten Ausgleich, der Aufstieg gelang dann im Rückspiel in der Verlängerung.
VIDEO-Highlights Rapid vs. Borac Banja Luka (Achtelfinale | Rückspiel)
„Sie haben sich das Leben selbst schwer gemacht gegen Banja Luka, weil sie einfach viel zu viele Tormöglichkeiten vergeben haben. Es muss in der Halbzeit schon 3:0 stehen, dann ist das Thema erledigt. So geht Borac die eigentlich mit dem ersten gefährlichen Angriff, der nicht einmal richtig gefährlich war, in Führung. Rapid hat dann zum Glück das Spiel noch drehen können. Das war schon sehr, sehr wichtig“, so Herzog.
Der Sky-Experte erwartet sich von seinem Ex-Klub eine Steigerung: „Ich glaube schon, dass die Schweden noch eine Spur besser sind als die Bosnier und da muss Rapid um einiges besser und aggressiver spielen.“
Statistik spricht für Rapid
Die Fakten sprechen allerdings für Rapid. Die Hütteldorfer gehen mit zahlreichen Topwerten aus dem ganzen Bewerb ins Viertelfinale. Rapid gab die bisher meisten Schüsse im Strafraum ab, hatte auch die meisten Ballaktionen im Strafraum und die meisten hohen Ballgewinne. Zudem haben die Wiener die wenigsten Chancen aller Teams zugelassen.
Rapid in der Conference League – Topwerte
- 114 Schüsse im Strafraum (meiste)
- 323 Ballaktionen im gegnerischen Strafraum (meiste)
- 11,8 hohe Ballgewinne durchschnittlich pro Spiel (meiste)
- 6,8 xGA/zugelassene Chancen (wenigste)
Herzog rechnet Rapid nicht nur deswegen Chancen auf ein Weiterkommen aus. Der 56-Jährige sieht Djurgarden auch nicht auf einer Stufe mit den Gegnern der letzten Wochen. „Sie haben zwar jetzt gegen Sturm Graz und gegen Salzburg verloren, was sicher nicht gut ist. Aber das sind sicher zwei Mannschaften, die über Djurgarden zu stellen sind. Also war das jetzt von Ergebnis her nicht gut die letzten zwei Spiele. Aber ich glaube von der Spielweise her wird es eine Spur einfacher. Weil ich einfach Djurgarden nicht so stark einschätze wie die zwei besten Mannschaften in Österreich.“
„Sie sind in der Conference League heuer besser als in den letzten Monaten in der Meisterschaft. Und das gibt mir Zuversicht, dass sie Djurgarden rausschmeißen können.“
Herzog weiß aus eigener Erfahrung, wie man gegen schwedische Mannschaften spielen muss. Am 6. September 1997 erzielte der 56-Jährige einen wichtigen und sehenswerten Treffer gegen das schwedische Nationalteam in der Qualifikation für die WM 1998.
„Was schwedische Mannschaften nicht wollen ist, wenn du aus 25 Metern die Augen zumachst und ins Kreuzeck schießt (lacht).“
Burgstaller im Rapid-Kader
Mit nach Schweden fliegen wird jedenfalls Guido Burgstaller. Der 35-Jährige steht nach seinem Schädelbasisbruch im Dezember voraussichtlich erstmals wieder im Kader der Hütteldorfer.
Bild: GEPA