Brignone nach RTL-Gold: „Das war schon immer mein Traum“

Die vielleicht kompletteste Skifahrerin der Gegenwart hat sich den WM-Titel in der Basisdisziplin des Alpin-Sports geholt. Federica Brignone heimste mit zwei überlegenen Laufbestzeiten am Donnerstag verdientermaßen Riesentorlauf-Gold in Saalbach-Hinterglemm ein. Damit schloss sich für die einstige RTL-Spezialistin, die just heuer ihre ersten Abfahrten gewonnen hat, ein Kreis.

Mit 32 Weltcupsiegen ist die Frau aus La Salle im Aostatal mit Abstand die erfolgreichste Italienerin überhaupt. 14 davon hat sie im Riesentorlauf gewonnen, hinzu kommen auch Silber- und Bronzemedaillen bei WM (die erste 2011) und Olympia. Aber Gold in ihrer Paradedisziplin hatte noch gefehlt.

„Das war schon immer mein Traum“, jubelte Brignone über den Riesentorlauf, den sie auch als Hassliebe bezeichnete, weil sie nirgends so viel Stress und Druck spüre. Diesmal fiel es ihr so leicht, dass sie sich während des zweiten Laufs selbst ans Rennfahren erinnern musste. „Ich war fast zu relaxed“, sagte Brignone an einem Schauplatz, der es ihr angetan hat. „Das ist der Tempel des Skisports. Ich war in Schladming (2013) nicht dabei. Bei einem Großevent in Österreich zu fahren, war etwas, das mir abgegangen ist. Alles war so gut organisiert, das Publikum war fantastisch und jeder Tag war verrückt und wundervoll.“

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Laut ihrer Mama kann Brignone nun aufhören

Nun ist sie die erst zweite Riesentorlauf-Weltmeisterin für Italien neben Deborah Compagnoni 1996 und 1997, und mit ihren 34 Jahren auch die älteste. Schon als Eineinhalbjährige stand sie auf Plastik-Brettln, bei Skilehrer Daniele als Vater und der ehemaligen Rennläuferin und Skijournalistin Maria Rosa Quario als Mutter war der Weg vorgezeichnet. Ein Jahr später waren es dann echte Skischuhe und Ski, auf denen sich der „Fede“ genannte Lockenkopf versuchte.

Mehr als drei Jahrzehnte später verwirklichte sie auf der Salzpiste von Saalbach einen Karriere-Traum, laut ihrer Mama kann sie nun guten Gewissens aufhören. „Sie hat schon eine Goldmedaille in der Kombination, aber es ist nicht dasselbe“, erinnerte Quario. „Riesentorlauf ist für mich die wichtigste Disziplin. Von mir aus kann sie heute aufhören.“

Robinson staunt über Erfolgshunger

Daran denkt die Tochter (noch) nicht, zumal sie als Gesamtweltcupführende beste Karten in Händen hält, das große Kristall ein zweites Mal nach 2019/20 zu gewinnen. Seither hat sie ihre Kompetenzen vor allem im Speedbereich an der Seite von Parade-Tieffliegerin Sofia Goggia entscheidend weiterentwickelt. Erst vor einem Monat gewann sie in St. Anton erstmals eine Abfahrt, kurz vor der WM legte sie in Garmisch Nummer zwei nach. Mit Super-G-Silber befreite sie sich bei der WM gleich im ersten Rennen vom größten Erfolgsdruck.

„Federica ist unglaublich, sie verdient die Goldmedaille“, sagte die zweitplatzierte Alice Robinson und erwähnte anerkennend den Altersunterschied von elf Jahren. Dass Brignone der Welt aktuell ihr bestes Skifahren präsentiere, zeigt für die Neuseeländerin vor allem eines: „Sie ist hungriger denn je.“ Bei der Siegerin dominierte vorerst die Feierlust. „Ich werde ein bisschen Party machen, aber ich werde mich nicht selbst zerstören“, sagte Brignone und lachte, „die Saison ist noch nicht vorbei“.

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(APA) / Artikelbild: GEPA