„Der beste Lukas Fridrikas aller Zeiten?“

„Die Fortsetzung eines Bilderbuchmärchens“ – Vergangenen Samstag brachen die Dämme im Reichshofstadion in Lustenau. Zweiundzwanzig Jahre Bundesliga-Abstinenz und dann das: Der Aufsteiger SC Austria Lustenau , der vor der Saison vom Großteil der Fußballlandschaft als Fixabsteiger tituliert wurde, fixierte vier Runden vor Schluss als erstes Team der Qualifikations-Gruppe den Klassenerhalt. Einer, der in dieser Saison und vor allem in den vergangenen Wochen mit seiner Torquote maßgeblichen Anteil am Erfolgslauf der SC Austria Lustenau hat, stellte sich im exklusiven Sky Interview den Fragen von Sky Reporter Eric Niederseer: Lustenau-Stürmer und „Teilzeit-Tänzer“ Lukas Fridrikas.

Sky: „Lukas Fridrikas, zunächst vielen Dank für die Zeit. Nehmen Sie uns mit auf die emotionale Reise: Welche Gefühle gingen Ihnen direkt nach dem Schlusspfiff am vergangenen Samstag durch den Kopf?“

Lukas Fridrikas: „Ehrlicherweise muss ich sagen, dass ich direkt nach dem Schlusspfiff eher frustriert war, dass wir noch den Ausgleichstreffer (Anm. d. Red.: 2-2 gegen SV Ried) erhalten haben. Umso mehr Zeit dann jedoch verging, umso größer war die Freude und Euphorie. Wir haben nun endlich unser großes Ziel erreicht, jetzt schauen wir, was sonst noch so geht. Wir waren danach noch lange im Stadion und haben mit den Fans gefeiert. Danach sind wir noch ein bisschen in die Stadt gegangen und haben noch das eine oder andere Bier getrunken“.

Der Klassenerhalt als Etappenziel – Fridrikas will „eventuell mit Austria Lustenau Geschichte schreiben“

Sky: „Das große Ziel des Vereins wurde nun fixiert, aber als Sportler strebt man natürlich immer nach dem Höchsten. Folgt jetzt das internationale Playoff?“

„Wir haben uns das Ziel gesetzt, Erster oder Zweiter zu werden. Ein mögliches internationales Geschäft ist echt noch ein langer Weg, das wären sieben Spiele, von denen man die letzten drei alle gewinnen muss. Aber natürlich wollen wir das Maximum herausholen und eventuell mit Austria Lustenau Geschichte schreiben“.

Sky: „Drehen wir die Uhren jedoch nochmals auf Anfang. Bereits zu Saisonbeginn wurde mir in diversen Gesprächen klar, dass dieser Verein vermutlich anders tickt. Was macht dieses Team so besonders?“

„Definitiv der Zusammenhalt, der in diesem Verein herrscht. Das ist nicht selbstverständlich. Es kann wirklich jeder mit jedem und wir haben zwar eine sehr junge Mannschaft, aber eine qualitativ sehr hochwertige Mannschaft.“

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Sky: „Nun zu Ihrer Person: Beide Elternteile waren Spitzensportler. Wurde es Ihnen quasi in die Wiege gelegt, dass Sie Profisportler werden?“

„Ich habe meine ganz jungen Jahre in der Handballhalle verbracht und sicher relativ früh eine gewisse Leidenschaft entdeckt. Jedoch muss ich sagen, dass mich meine Eltern nie zum Vereinssport gedrängt haben. Sie haben immer gesagt, sie kennen das Business und die Abläufe und wenn ich mal zu ihnen kommen sollte und sage, ich will Profisportler werden, werden sie mich unterstützen. Früher habe ich natürlich in der Schule immer auf dem Hof gespielt, aber erst mit zehn, elf Jahren begonnen, im Verein zu kicken. Erst da ist dann die Leidenschaft zum Fußball so richtig entstanden“.

Sky: „Speziell Ihren Trainer Markus Mader kennen Sie ja bereits aus der gemeinsamen Zeit in Dornbirn – Welchen Anteil hat er denn an Ihrem persönlichen Erfolg?“

„Einen sehr großen. Wir kennen uns schon sehr lange. Ich denke, es ist das Größte uns Beste, dass er mir meine Freiheiten lässt. Er lässt mich als Typ in Ruhe und lässt mich machen. Er drückt auch manchmal ein Auge zu, wenn ich was probiere oder wenn ich mal einen schlechten Tag habe. Ich brauche meine Freiheiten. Das ist das, was mir Markus zugesteht. Er lässt mich in Ruhe mein Ding durchziehen. Und natürlich versuche ich, es ihm mit Leistung zurückzuzahlen. Und es funktioniert“.

Die Macht der Gewohnheit – Mader kann „meine Stärken perfekt rauskitzeln“

Sky: „Jetzt haben Sie dieses Szenario ja bereits einmal erlebt, sind vor zwei Jahren ebenfalls zu einem Bundesliga-Aufsteiger, damals Austria Klagenfurt, gewechselt. Dort ist es persönlich nicht nach Wunsch verlaufen. Was ist in Lustenau anders?“

„Dort hat es zwischen mir und dem Verein nicht gepasst. Es gehört meiner Meinung nach viel dazu, dass ein Transfer aufgeht. Ich bin sehr froh, dass ich im Sommer aus meinem laufenden Vertrag rausgekommen bin und die Chance hatte, nach Lustenau zu kommen. Weil ich wusste, dass ich es kann. Und ich denke, ich zeige auch mit meinen Leistungen, dass ich in der Bundesliga mitspielen kann. Aber natürlich spielen mehrere Aspekte eine Rolle. Vor allem, dass ich Spielzeit bekomme. Es ist für jeden Spieler wichtig, dass er spielt, aber besonders für mich. Man hat in der Hinrunde gesehen, dass ich noch nicht konstant war. Mittlerweile merkt man, dass eine gewisse Konstanz da ist. Aber natürlich ist auch der Trainer ausschlaggebend. Weil er mich nicht zu sehr in ein taktisches Konzept reindrückt. Das sind Sachen, die ich nicht darstelle. Ich bin so wie ich bin als Spieler. Und Markus kann meine Stärken als Trainer perfekt rauskitzeln“.

Die Qualifikationsgruppe am Samstag ab 16:15 Uhr: Wolfsberger AC – SC Austria Lustenau, live & exklusiv auf Sky Sport Austria 3 – streame das Spiel mit dem Sky X Traumpass!

Sieben Scorerpunkte in vier Spielen – „Sehen wir derzeit den besten Lukas Fridrikas aller Zeiten?“

Sky: „Sie haben es angesprochen: Speziell in der Rückrunde zeigen Sie durch konstant gute Leistungen und vor allem sieben Scorerpunkten (Fünf Tore, zwei Assists) in den vergangenen vier Spielen auf. Sehen wir derzeit den besten Lukas Fridrikas, den es je gab?“

„An sich würde ich das schon sagen. Wenn ich noch das eine oder andere Tor mache, werde ich mich noch besser fühlen. Aber wenn ich mir die letzten Spiele anschaue, dann kann ich das schon unterschreiben. Vor allem, weil es in der höchsten Spielklasse in Österreich passiert“.

Sky: „Sie zelebrieren Ihre Treffer in den letzten Wochen immer mit einer spontanen Tanzeinlage. Was hat es damit auf sich?“

„Das sind einfach die Emotionen, die mich überkommen. Wenn das Adrenalin kickt, gehen die Emotionen mit mir durch. Da denke ich gar nicht nach, da schießen die Emotionen einfach raus, da improvisiere ich einfach. Für ein paar Sekunden lasse ich da meinen Gefühlen einfach freien Lauf“.

Sky: „Schnell gefragt: Sehen wir Lukas Fridrikas auch am kommenden Wochenende gegen den WAC wieder tanzen?“

„Schauen wir mal. Fakt ist eins, der WAC hat eine super Mannschaft. Wir haben uns in den bisherigen Duellen immer sehr schwergetan. Wir müssen alles abrufen und voll da sein. Dann ist es definitiv möglich, dass wir punkten. Wir sind Erster der Quali-Gruppe und in der glücklichen Position, dass sich die Mannschaften an uns messen müssen. Wenn wir es schaffen, unsere Leistung abzurufen, ist Einiges möglich, aber wir dürfen den WAC in der Offensive nicht unterschätzen“.

Bierduschen und Kabinenparty nach Klassenerhalt bei Aufsteiger Lustenau 

Selbstzweifel vor dem Durchbruch – „Bin ich gut genug für die Bundesliga?“

Sky: „Durch Ihre Leistungen stehen Sie derzeit sicherlich auch unter Beobachtung einiger Interessenten. Wie sieht Ihre Wunschzukunft aus?“

„De facto ist eins: vor einem Jahr bin ich dagesessen und habe mich gefragt: ‚Bin ich gut genug für die Bundesliga?‘. Man muss nichts überstürzen, außerdem habe ich bis jetzt gar nichts mitbekommen, dass irgendein Verein interessiert wäre. Von daher muss ich mir auch keinen Kopf machen. Wenn ich jedoch meine Leistungen seit der Rückrunde bis zum Ende abrufen kann, dann werden wir sehen, was passiert. Ich habe einen Vertrag in Lustenau, es sieht so aus, dass ich bleibe. Ich fühle mich wohl hier, andererseits muss ich aber auch ehrlich sein: Ich bin den Weg nach Lustenau gegangen, um den nächsten Schritt in meiner Karriere zu machen. Wenn ein Angebot kommt, dann werde ich mich damit auseinandersetzen. Zurzeit bin ich jedoch in Lustenau und sehr glücklich“.

Bild: GEPA