Forest gegen Villa: Glorreiche Europacup-Historie trifft Gegenwart
Englisches Duell in der Europa League: Nottingham Forest und Aston Villa kämpfen in einem Halbfinale mit vielen Parallelen um den Finaleinzug, denn beide Vereine können glorreiche Europacup-Erfolge vorweisen.
Während Aston Villa mit Europa-League-Spezialist Unai Emery an der Seitenlinie wohl etwas favorisiert ins Aufeinandertreffen geht, kann Nottingham im Hinspiel (heute ab 20:15 Uhr auf Sky Sport Austria – streame mit Sky X) immerhin auf den Heimvorteil bauen. In der Saisonbilanz gelang Villa Anfang Jänner ein 3:1-Heimsieg, die zweite Premier-League-Partie Mitte April endete 1:1.
Aus historischer Sicht liegt der Vorteil bei Aston Villa: In insgesamt 120 Spielen holten die „Villans“ 56 Siege. 29 Partien endeten ohne Sieger, 35 mal ging Nottingham Forest als Gewinner vom Feld. Am heutigen Donnerstag und in der kommenden Woche treffen die beiden Klubs erstmals in einem internationalen Duell aufeinander.
Jüngere Vergangenheit überschaubar – Villa im Aufwind
Sowohl für Aston Villa als auch für Nottingham Forest waren größere internationale Teilnahmen, geschweige denn Titel, in den letzten Jahrzehnten Mangelware.
Obwohl Villa zum dritten Mal in Serie an einem Europacup-Wettbewerb teilnimmt – 2023/24 kam der Verein ins Conference-League-Halbfinale und 2024/25 ins Champions-League-Viertelfinale – gab es zuvor eine lange Durststrecke. So spielte der Verein zwischen 2016 und 2019 nur in der zweiten englischen Liga. Davor scheiterte Aston Villa 2009/10 und 2010/11 jeweils in der Europa-League-Qualifikation am SK Rapid, in den Jahren zuvor gab es die eine oder andere UEFA-Cup-Teilnahme.
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Deutlich schlechter verlief die jüngere Vereinshistorie von Nottingham Forest. Die „Tricky Trees“ stiegen erst 2022 wieder in die Premier League auf, nachdem der Klub 1999 abgestiegen war. Vor der diesjährigen Partizipation in der Europa League spielte Nottingham zuletzt 1995/96 international. Damals kam Forest bis ins Viertelfinale des UEFA Cups. Etwa ein Jahrzehnt früher zählten die „Garibaldi Reds“ zu den Topteams Europas.
Englische Dominanz zwischen 1977 und 1984
Die Champions League, damals noch Europapokal der Landesmeister, war zwischen 1976/77 und 1983/84 fest in englischer Hand. In acht Jahren gewann siebenmal ein Team von der Insel den Henkelpott. Mittendrin: Nottingham Forest und Aston Villa.
Während der FC Liverpool 1976/77, 1977/78, 1980/81 und 1983/84 gleich viermal den Landesmeister-Titel holte, war 1978/79 und 1979/80 Nottingham erfolgreich. 1981/82 siegte Aston Villa. Nur der Hamburger SV durchbrach 1982/83 die englische Dominanz.
Bemerkenswerte „Königsklassen“-Bilanz für Nottingham Forest
Aus der Sicht von Nottingham Forest ist das Landesmeister-„Double“ besonders bemerkenswert. Die „Tricky Trees“ nahmen in ihrer Vereinsgeschichte nur zweimal am Hauptbewerb der Königsklasse teil und gewannen beide Auflagen. Dabei lautet die Bilanz insgesamt: Zwölf Siege, vier Remis und zwei Niederlagen.
In der Erfolgsära unter Trainer Brian Clough gewann Nottingham das erste Finale 1979 gegen Malmö FF mit 1:0. Im Münchner Olympiastadion erzielte Trevor Francis per Kopf das Siegestor. Ein Jahr später hieß der Gegner HSV mit Chefcoach Branko Zebec. Im Bernabéu-Stadion in Madrid setzte sich Nottingham Forest ebenfalls mit 1:0 durch, diesmal sorgte John Robertson für das Goldtor.
Mit den zwei Erfolgen ist Forest der einzige Klub, der den Europapokal der Landesmeister (2) häufiger gewonnen hat als die nationale Meisterschaft (1).
Aston Villa schockt Bayern 1982
Im Gegensatz zu den „Garibaldi Reds“ konnte Aston Villa die englische Meisterschaft siebenmal gewinnen, zuletzt 1980/81. Die sechs Triumphe davor gab es teilweise zum Ende des 19. Jahrhunderts und damit in einer anderen Ära des Fußballs.
Die größte Errungenschaft der Klubgeschichte gelang den „Villans“ im Frühjahr 1982. Die Elf von Trainer Tony Barton besiegte den FC Bayern München um Star-Stürmer Karl-Heinz Rummenigge im Landesmeister-Finale mit 1:0. Im De Kuip in Rotterdam entschied Peter Withe nach der Pause die Partie zugunsten der Engländer.
In der Folgesaison gelang Aston Villa noch einmal der Vorstoß bis ins Viertelfinale der Königsklasse, dort scheiterte man an Juventus Turin. 1997/98 gelang noch ein Einzug ins Viertelfinale des UEFA Cups.
Villa der Favorit – Formkurve von Nottingham zeigt nach oben
Vor dem Showdown in der Europa League ist die Rollenverteilung zumindest auf dem Papier klar.
Cheftrainer Unai Emery betreut Aston Villa seit Ende 2022, der Spanier brachte nach langer Zeit wieder Konstanz und Kontinuität in den Verein: Die PL-Plätze sieben, vier und sechs in den vergangenen drei Jahren können sich sehen lassen, in der aktuellen Spielzeit liegt man nach 34 Spieltagen auf Platz fünf – acht Zähler vor Rang sechs. Damit ist die Teilnahme an der Champions League im kommenden Jahr so gut wie gesichert, zumal sich Villa auch mit dem Triumph in der Europa League einen CL-Startplatz sichern könnte.
Weniger beständig präsentierte sich Nottingham Forest. Seit der PL-Rückkehr 2022 beendete der Klub die letzten drei Saisonen auf den Plätzen 16, 17 und sieben. Derzeit kämpft das Team von Chefcoach Vitor Pereira gegen den Abstieg und liegt auf Rang 16. Nach zwei guten Spielzeiten unter Trainer Nuno Espirito Santo, der im September 2025 entlassen wurde, lief es bei Forest monatelang gar nicht. Nach kurzen Intermezzos von Ange Postecoglou (acht Spiele) und Sean Dyche (25 Spiele) konnte Pereira zuletzt das Ruder etwas herumreißen.
In den letzten sechs PL-Partien holten die „Tricky Trees“ drei Siege und drei Remis. Im EL-Viertelfinale eliminierte man den FC Porto. Aston Villa kassierte in den vergangenen sechs PL-Matches bei zwei Siegen und einem Unentschieden stolze drei Niederlagen. Im Viertelfinale der Europa League warf man den FC Bologna ohne Probleme raus.
X-Faktor Unai Emery?
Der große X-Faktor könnte Villa-Coach Emery sein: Der 54-Jährige durfte sich in seiner Laufbahn bereits viermal über den Gewinn der Europa League freuen, dreimal mit dem FC Sevilla, einmal mit Villarreal. Damit ist Emery der erfolgreichste Coach in der Geschichte des Wettbewerbs.
Im EL-Endspiel wird es auf jeden Fall österreichische Beteiligung geben, denn im zweiten Semifinale treffen SC Braga mit ÖFB-Legionär Florian Grillitsch auf den SC Freiburg mit Philipp Lienhart.
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