Ernst Happel: Vom “Zauberer” zur brillianten Trainerpersönlichkeit

via Sky Sport Austria

Insgesamt 19 Titel konnte der große Ernst Happel in seiner Karriere als Trainer holen  – eine imposante Bilanz! Was dabei oftmals vergessen wird: Auch als Spieler hatte der Wiener großartige Qualitäten. Als technisch hervorragender und manchmal auch unorthodoxer Verteidiger, wurde er 1954 bei der WM in der Schweiz dritter und zum Publikumsliebling bei Rapid. Neben großen Sternstunden im grün-weißen Dress, inklusive Hattrick gegen Real Madrid, brachte er regelmäßig die Mitspieler mit seinen oftmals waghalsigen Manövern ins Schwitzen.

“Kaffeehaus-Talk” im Gedenken an Ernst Happel

Eigentor Marke “Happel”

Eine Aktion blieb dabei besonders in Erinnerung. Im Rahmen der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft in der Schweiz 1954 traf die österreichische Nationalmannschaft in einem Testspiel auf eine Auswahl aus der Arlberg-Liga. Beim Spielstand von 14:0 für Österreich bekommt Happel im Mittelfeld den Ball, dreht sich um und beginnt aufs eigene Tor zuzulaufen. Der damalige Tormann, Walter Zeman, schaut seinen Mitspieler ungläubig an. Ehe er sich versieht versenkt Happel den Ball aus 16 Metern im eigenen Tor! Tiger Zeman traute seinen Augen nicht. Happels Kommentar:”Wos bistn du für a Goimann do drin, wennst net amoi mein Boin hoitst?!”

Auf seine riskante Spielweise angesprochen, antwortete er regelmäßig in Happel-Manier: “Wos wüstn, ist e nix gscheng ?!” Nicht zuletzt  seine herausragende Ballbehandlung und Spielübersicht brachten ihm schließlich auch den Spitznamen “Zauberer” ein.

Vom brillianten Spieler zum legendären Trainer

Nach seinem Karrierende begann Happel seine Laufbahn an der Seitenlinie. Aufgrund seiner Erfolge bei seinen ersten Trainerstationen in Den Haag und Feyernoord, verehren die Holländer den “Grantler” bis heute: Nach einem Cup-Sieg mit ADO konnte er mit  Feyernord Rotterdam die Meisterschaft, den Pokal und als besonderes Zuckerl den Europapokal der Landesmeister gegen Celtic Glasgow 1970 gewinnen.

Ernst Happel gewann mit Feyenoord Rotterdam 1970 den Europapokal.
Ernst Happel nach dem Gewinn des Europapokals mit Feyenoord Rotterdam 1970 den Europapokal.

 

Nachdem er den FC Sevilla in die erste spanische Liga geführt hatte, lief es auch in Belgien ausgesprochen gut – auf der Trainerbank des FC Brügge konnte er dreimal den Meistertitel und einmal den Pokalsieg feiern.

Bondscoach Happel

Als Nationaltrainer führte er die Niederländer 1978 bei der WM in Argentinien bis ins Finale. Nach einer etwas holprigen Gruppenphase, kommt die Mannschaft immer besser in Form und besiegt unter anderem die Österreicher mit 5:1. Im Finale trifft die Elf von Ernst Happel auf Gastgeber Argentinien, damals noch regiert von einem brutalen Militärregime. Dass es für die Oranje schlussendlich nur zum Vizeweltmeister reicht, liegt neben einigen dubiosen Vorkommnissen im Vorfeld des Spiels, nicht zuletzt an Mario Kempes, der in der Verlängerung das Goldtor für die Heimmannschaft erzielt.

Nach dem Engagement als Nationaltrainer gewann Happel mit Standard Lüttich den belgischen Cup und kam danach zum Hamburger Sportverein.

Hamburg meine Perle

In den ersten zwei Saisonen gewann Happel auf Anhieb die Meisterschaft um sich schließlich 1983 mit dem Europapokal-Triumph in Athen endgültig unsterblich zu machen. Bis heute wird die Trainerlegende in der Hansestadt verehrt. Seinen letzten Triumph in Deutschland, den DFB Pokal 1987, feierte er ebenfalls mit dem Hamburger Sportverein.

Zum Ende seiner Karriere kehrte Ernst Happel in seine Heimat Österreich zurück und wurde mit Swarovski Innsbruck zweimal Meister und einmal Cupsieger.Bei seiner letzten Station als Trainer, übernahm Happel, schwer gezeichnet von seiner Krankheit, die österreichische Nationalmannschaft.

In Erinnerung bleibt der Wiener durch sein unglaubliches Charisma, sein Fachwissen und auch durch seine oftmals grantige Art. Mit wenigen Worten war er etwa in der Lage, seinen Spielern alles Wesentliche mitzugeben. Den Journalisten gegenüber reichte in der Regel ein einfaches  “hauts eich in Schnee”.

Zum 25. Mal jährt sich heute der Todestag des legendären Ernst Happel. Noch heute schwelgen wir täglich in Erinnerungen an diese einzigartige Persönlichkeit.

ÖFB-Teamchef Franco Foda und Kapitän Julian Baumgartlinger über Ernst Happel

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