Global & kommerziell: Das wachsende Netzwerk der Multi-Club-Ownerships im Profifußball
Was haben Manchester City, Olympiakos Piräus und die Austria Lustenau gemeinsam? Sie alle sind Teil eines sogenannten Multi-Club-Ownership (MCO) Konstrukts. Darunter versteht man Strukturen, in denen mehrere Fußballklubs unter derselben Eigentümerschaft stehen. Diese Modelle breiten sich im modernen Profifußball rasant aus. Für Investoren versprechen sie wirtschaftliche Vorteile, für Klubs finanzielle Stabilität. Gleichzeitig werfen sie Fragen nach Machtverhältnissen, sportlicher Integrität und der zunehmenden Kommerzialisierung des Spiels auf.
Gemäß eines Berichts der UEFA sind inzwischen über 300 Fussballklubs weltweit in ein Multi Club Ownership Konstrukt eingebunden, Tendenz steigend. Zwar befinden sich nach wie vor die meisten dieser Klubs in Europa, doch auch Märkte in Nord und Südamerika gewinnen für Investoren zunehmend an Bedeutung. Der Profifußball wird damit immer stärker zu einem kommerzialisierten und globalisiertem Produkt.
Multi Club Ownership bezeichnet im Fußball den Besitz mehrerer Klubs durch dieselbe Eigentümergruppe. Dabei handelt es sich jedoch keineswegs um ein einheitliches Modell. Vielmehr lassen sich unterschiedliche Typen von MCOs unterscheiden, deren Motive und Strategien teils stark variieren.
Unterschiedliche Motive
Zu den bekanntesten Akteuren zählen staatsnahe oder geopolitisch motivierte Eigentümergruppen. Ein prominentes Beispiel ist die City Football Group, die unter anderem Manchester City, den FC Girona und den FC New York City besitzt und eng mit den Vereinigten Arabischen Emiraten verbunden ist. „Diese Akteure kaufen sich hauptsächlich in den Fußball ein, um daraus politisches Kapital zu schlagen“, sagt Markus Breuer, Professor für Sportmanagement an der SRH University of Applied Sciences in Heidelberg, der intensiv zum Thema MCO forscht.
Eine zweite Gruppe bilden Unternehmen, die Fußballklubs primär als Marketingplattform nutzen. Das bekannteste Beispiel ist Red Bull. Der Konzern investiert seit Jahren gezielt in Klubs wie RB Leipzig, Red Bull Salzburg oder New York Red Bulls, um die eigene Marke global zu positionieren. Ähnlich agiert die mexikanische Grupo Caliente, die mit ihren Klubs Werbung für die eigene Wett- und Casino Plattformen betreibt. Zwar spielen wirtschaftliche Interessen auch hier eine Rolle, doch steht die Markenverbreitung klar im Vordergrund.
Eine dritte, bislang noch kleinere Gruppe bilden Eigentümer, die MCOs vor allem aus sportstrategischen Gründen aufbauen. Laut Breuer könnte dieses Modell in den kommenden Jahren jedoch an Bedeutung gewinnen. Ein Beispiel ist der Los Angeles FC aus der MLS, der unter anderem den Schweizer Rekordmeister Grasshopper Club Zürich besitzt. Über die Red and Gold Football Gruppe, die gemeinsam mit dem FC Bayern München geführt wird, erwarb man 2023 zudem Racing Montevideo in Uruguay. Auch Atlético Madrid verfolgt mit Klubs wie Atlético Ottawa und Atlético San Luis eine ähnliche Strategie der internationalen sportlichen Vernetzung.
Finanzinvestoren als treibende Kraft
Die inzwischen größte Gruppe stellen jedoch institutionelle und private Anleger dar, die Fußballklubs primär als renditestarke Investition betrachten. „Das ist die Gruppe, über die wir in der Öffentlichkeit am meisten sprechen und die in den letzten Jahren stark gewachsen ist“, sagt Breuer. Der Hintergrund liegt im wachsenden globalen Kapitalmarkt. „Der Venture Capital Bereich hat in den letzten Jahren enorme Zuflüsse erlebt und dieses Kapital sucht nach Anlagemöglichkeiten“, erklärt der Sportökonom. Fußball habe sich dabei als attraktives Investment etabliert. Oft kommen dabei die Investitionen aus den USA.
Wirtschaftliche Logik
Aus Investorensicht ergibt die Beteiligung an mehreren Klubs ökonomisch oft Sinn. Risiken werden durch Diversifikation reduziert, gleichzeitig lassen sich Synergien nutzen. Scoutingabteilungen werden zusammengelegt, Daten geteilt und Spieler innerhalb des Netzwerks verliehen, entwickelt und später gewinnbringend verkauft.
Doch warum akzeptieren Klubs diese Modelle, obwohl sie dabei häufig einen Teil ihrer Eigenständigkeit verlieren? „Für die Clubs geht es primär um Geld, um Infrastruktur aufzubauen und sportlichen Erfolg zu generieren“, sagt Breuer. In vielen Fällen sichern Investoren das kurzfristige finanzielle Überleben.
Sie stellen Liquidität bereit und stabilisieren die Klubfinanzen. Diese Art einen Klub zu finanzieren, funktioniert jedoch nur einmal. Wird der Verein später weiterverkauft, fließt das Geld zwischen Investoren und kommt nicht mehr dem Verein zugute.
Risiken für kleinere Klubs
Gerade für kleinere Klubs innerhalb eines MCO-Netzwerks können jedoch auch erhebliche Risiken entstehen. In klar hierarchischen Systemen besteht für sie die Gefahr, dauerhaft als Ausbildungsclub untergeordnet zu werden. „Das ist wahrscheinlich das größte Risiko für den Club in einem MCO“, sagt Breuer.
Ein aktuelles Beispiel verdeutlicht diese Problematik. Nach der Entlassung von Enzo Maresca bediente sich der FC Chelsea kurzerhand beim Partnerklub RC Strasbourg und verpflichtete dessen erfolgreichen Coach Liam Rosenoir. Der französische Klub hatte in dieser Angelegenheit kaum Mitspracherecht, musste den Entscheid jedoch akzeptieren, da beide Vereine zur Eigentümergruppe BlueCo gehören.
Auch wirtschaftlich gehen MCO-Investitionen nicht immer auf. Die Pacific Media Group etwa führte den belgischen Klub KV Ostende in den Konkurs. Mit dem dänischen Verein FC Esbjerg stand ein weiterer Klub der Gruppe ebenfalls kurz vor dem Aus und konnte nur durch ein Urteil des Konkursgerichts im letzten Moment gerettet werden.
Eine Frage der Regulierung
Angesichts solcher Entwicklungen stellt sich die Frage, ob MCO-Konstrukte stärker reguliert werden sollten. Nicht zuletzt ist auch die Integrität des Sports betroffen: Wenn mehrere Vereine demselben Eigentümer gehören oder gar im selben Wettbewerb aufeinandertreffen, steigt die Gefahr von Absprachen und unlauteren Transferpraktiken.
Zwar hat die UEFA entsprechende Regeln eingeführt, diese lassen sich jedoch teilweise umgehen. So kommt es beispielsweise vor, dass der Besitz eines Vereins kurzfristig an Treuhandgesellschaften übertragen wird, um den Richtlinien zu entsprechen. Auf dem Papier gehört der Klub dann zwar jemand anderem, doch den Einfluss behalten die ursprünglichen Eigentümer häufig weiterhin.
Rolle der Fans
Auch Fanorganisationen stehen MCO-Übernahmen häufig kritisch gegenüber. Besonders in Europa bei Traditionsvereinen gibt es große Vorbehalte gegenüber MCO-Konstrukten. „Ob es langfristig ein Problem wird, weiß ich nicht“, sagt der Sportökonom Markus Breuer. Ein Blick in die USA zeige beispielsweise, dass hochkommerzialisierte Klubs und Ligen dennoch starke Fanbindungen entwickeln können.
Fest steht jedoch auch, dass Fans einen gewissen Einfluss auf den Entscheid von Vereinen ausüben können. Wie wirksam Fanproteste sein können, zeigen frühere Beispiele. So wurde das Investorenprojekt der DFL nach massiven Protesten gestoppt. Auch die geplante europäische Super League scheiterte innerhalb kürzester Zeit am Widerstand der Fans. „Wenn Fans etwas nicht wollen, können sie es verhindern“, sagt Breuer.
Das schwierige wird es in Zukunft sein den Richtigen Umgang mit MCO’s zu finden. Oft haben Vereine in solchen Strukturen auch stärkere finanzielle Mittel, weshalb es für jene die sich bewusst gegen diesen Weg entscheiden in Zukunft schwieriger werden könnte sportlich mitzuhalten. Dies zeigt sich bereits heute in der Premier League, wo 70 Prozent der Klubs in irgendeiner Weise in ein MCO-Konstrukt involviert sind, wer nicht mitzieht wird oft abgehängt. „Schwierig wird es, wenn man Spitzenfußball und traditionelle Vereinsstrukturen gleichzeitig haben will. Beides zu vereinen ist sehr schwierig“, sagt Breuer.
Bild: Imago