Grillitsch plötzlich Startelfkandidat: „Jeder brennt darauf, zu spielen“
Österreichs Nationalteam will sich am Donnerstag (21.00 Uhr MESZ) im WM-Sechzehntelfinale gegen Spanien seiner eigenen Stärken besinnen.
„Ich glaube, dass wir bisher noch nicht so unser wahres Gesicht gezeigt haben, wie wir es in der Qualifikation oder bei der EM hatten“, meinte Außenverteidiger Phillipp Mwene. Pressing und Gegenpressing seien nach wie vor die stärkste Waffe des ÖFB-Teams. „Ich glaube, dass wir Spanien mit unserer Spielweise am ehesten ärgern können.“
Wirklich aufs Feld gebracht haben die Österreicher den großen Druck auf den Ballführenden im WM-Verlauf bisher noch nicht. „Unser Pressing ist noch nicht so gut zur Geltung gekommen, aber wir wollen auf jeden Fall wieder dahinkommen“, sagte Mwene. Er habe nicht den Eindruck, dass das Team körperlich in einer schlechteren Verfassung sei als in den vergangenen Monaten, ergänzte Florian Grillitsch. „Unser Plan ist klar, unsere Identität, Energie und Intensität reinzubringen“, erklärte der Mittelfeldmann. „Jeder wird rennen, bis er umfällt.“
Man würde aber auch Ballbesitzphasen brauchen, um sich zu erholen. „Anders geht es nicht, sonst machst du dich kaputt“, meinte Grillitsch. Europameister Spanien werde spielerische Lösungen suchen, um sich dem ÖFB-Pressing zu entziehen. „Wir brauchen nicht drumherumreden, die Spanier sind mit dem Ball Weltklasse“, meinte Grillitsch. Dennoch müsse man mutig ins Spiel gehen. „Es ist ja auch so: Wenn wir den Ball haben, kann der Gegner kein Tor schießen.“
Grillitsch gegen Spanien in der Startelf?
Und da kommt Grillitsch ins Spiel. Der 30-Jährige, beim 3:3 gegen Algerien zur Pause für Xaver Schlager eingewechselt und damit erstmals bei dieser WM im Einsatz, könnte dem ÖFB-Team Ballsicherheit geben. „Das Spiel mit dem Ball ist meine Kernkompetenz“, sagte der Niederösterreicher. „Jeder von uns brennt drauf zu spielen. Jeder spielt gerne, auch ich. Ob es für die Startelf reicht, weiß ich nicht.“
Sein bisher letztes Länderspiel von Beginn an hat Grillitsch Ende März im Test gegen Ghana (5:1) bestritten. Davor war das seit der EM 2024 nur zweimal im März 2025 gegen Serbien der Fall. Bei Teamchef Ralf Rangnick sind üblicherweise eher Pressingspieler gefragt.
Unter Vorgänger Franco Foda war Grillitsch bei der EM 2021 zum Auftakt nur Ersatz gewesen, entwickelte sich aber, nachdem er öffentlich seinen Unmut darüber kundgetan hatte, bis zum Achtelfinal-Aus gegen den späteren Europameister Italien (1:2 n.V.) zum Schlüsselspieler.
Grillitsch spürt „mehr Vorfreude als Nervosität“
Am Ende dieser Saison plagte Grillitsch eine Muskelverletzung. Zu Beginn des WM-Vorbereitungscamps in Wien habe es „einen kleinen Rückschlag“ gegeben, erzählte der 60-fache Internationale am Dienstag in Santa Barbara. Nun sei er aber voll fit. Aus seinem Zweijahresvertrag bei SC Braga ist Grillitsch ausgestiegen. „Es war vor einem Jahr schon so, dass der Hintergedanke da war, dass ich nur ein Jahr bleibe. Deswegen gab es die Option.“ Gedanken, wie es weitergeht, will er sich erst nach dem Turnier machen. „Jetzt sind wir erstmal hier bei der WM – hoffentlich noch länger.“
Das ÖFB-Team bestreitet in Los Angeles sein erstes K.o.-Spiel bei einer WM-Endrunde seit 1954. „Wir wissen, dass es eine Riesenchance ist, auch Geschichte zu schreiben“, erklärte Mwene. „Ich verspüre mehr Vorfreude als Nervosität.“ Das Aufstiegsdrama in der Nachspielzeit gegen Algerien habe gezeigt, dass alles möglich sei – egal, wie aussichtslos eine Situation erscheine. „Das Spiel hat uns nochmal brutal zusammengeschweißt. Es hat uns Gewissheit gegeben, dass wir, auch wenn Spanien ein scheinbar übermächtiger Gegner ist, trotzdem die Chance haben zu gewinnen.“
Der Plan gegen Lamine Yamal
Ob Mwene seinen Platz links in der Viererkette behalten wird, ist offen. Gegen Jordanien (3:1) und Algerien stand der 32-Jährige in der Startformation, gegen Argentinien (0:2) und Lionel Messi kam er nicht zum Einsatz. Nun wartet auf seiner Seite mit Lamine Yamal ein weiterer Ausnahmekicker. „Er hat alles, was einen Weltklasseflügelspieler auszeichnet – super Technik, Tempo im Eins-gegen-Eins, einen brutalen Abschluss“, sagte der Mainz-Profi über den 18-Jährigen vom FC Barcelona.
Oberste Priorität werde sein, Yamal nicht auf seinen starken linken Fuß zu lassen, sondern ihn außen zu halten. „Du wirst ihn nicht zu 100 Prozent ausschalten können. Das ist ähnlich wie bei (Kylian) Mbappe oder (Lionel) Messi, die werden Situationen haben“, meinte Mwene. Im Eins-gegen-Eins könne man Yamal fast nicht stoppen. Man müsse versuchen, Überzahlsituationen herzustellen und ihm so wenig Platz wie möglich zu lassen. „Wenn wir gemeinsam als Mannschaft agieren, haben wir schon gezeigt, dass wir auch Weltklassespieler ausschalten können.“
Im Notfall soll dies auch im Elfmeterschießen gelingen. Geübt haben die Österreicher die Situation vom Punkt bisher noch nicht. Nach dem Training habe man aus Spaß aber bereits den einen oder anderen Elfmeter geschossen, verriet Grillitsch. Sollte er zu diesem Zeitpunkt auf dem Platz stehen, würde er gerne antreten, sagte der Mittelfeldmann. Bei seinen Wunschkandidaten nannte Grillitsch auf Nachfrage neben den standardmäßigen ÖFB-Schützen Marko Arnautovic, David Alaba und Marcel Sabitzer sowie ihm selbst auch noch Werder Bremens Romano Schmid.