Hütter gibt Liga-Comeback mit der „launischen Diva vom Main“
Adi Hütters Trainer-Comeback in der deutschen Bundesliga mit Eintracht Frankfurt startet am Samstag (15.30 Uhr) mit einem Gastspiel bei Union Berlin. „Ich freue mich riesig, dass es endlich losgeht“, erklärte der Vorarlberger im APA-Gespräch. Der 56-Jährige möchte bei den Hessen, die ihn „überragend“ empfangen hätten, einen „begeisternden Fußball“ spielen. Besonders freut sich Hütter auch auf ein Wiedersehen mit Trainerkollegen wie Christian Ilzer und Miron Muslic.
Die Vorbereitung bei der Eintracht verlief nicht ohne Nebengeräusche. Neben der Kaderplanung sorgte eine 0:7-Klatsche im Testspiel gegen Brentford und kurz darauf ein Cup-Rekordspiel (11:0-Sieg gegen St. Tönis) für Aufsehen. „Da haben wir uns in beiden Spielen ein bisschen so präsentiert, wie Frankfurt manchmal auch ist: ein bisschen die launische Diva vom Main“, meinte Hütter. Gerade die Brentford-Partie sorgte für Kopfweh. „Wenn man sich nach einem 0:7 nicht große Gedanken macht, dann wären wir fehl am Platz. Vielleicht war es auch zum richtigen Zeitpunkt ein Schuss vor den Bug.“
Große Erwartungen am Main
In Frankfurt, das die Vorsaison nur auf Rang acht beendet hatte, trifft Hütter auf große Erwartungen. „Die Leute wollen hier einen proaktiven Fußball, begeisternden Fußball, dass man nach vorne spielt, dass man marschiert.“ Das deckt sich mit den Vorstellungen des Trainerroutiniers, der sein Personal auch dementsprechend selektiert. Eine große Baustelle war und ist der große Kader. „Wenn du nur in der Meisterschaft und beim Cup mitwirkst, dann brauchst du keinen 35-Mann-Kader“, sagte Hütter, der zudem an einer Systemumstellung arbeitet. „Ich präferiere in erster Linie ein 4-2-2-2-System. Ich glaube, dass wir sicher noch ein, zwei Transferperioden brauchen, um das schlussendlich in die Bahnen zu bringen, wie ich mir das als Trainer vorstelle.“
Der Sommer sei jedenfalls kein einfacher gewesen. Erst am Donnerstag wurde Wunsch-Goalie Noah Atubolu vom SC Freiburg per Leihe mit Kaufmöglichkeit verpflichtet. Hütter sieht grundsätzlich viel Qualität in seiner jungen Mannschaft. Am wichtigsten sei für ihn aber momentan, „dass wir versuchen, so schnell wie möglich diesen Fußball zu adaptieren, der in meinem Kopf schwebt“. Das sei „ein Prozess, der geht nicht von heute auf morgen. Und als Trainer hat man ja praktisch keine Zeit. Aber das versteht jeder im Club, dass dieser Umbruch ein bisschen Zeit dauert. Trotzdem bin ich immer positiv. Wenn wir das schaffen, dann werden auch die Ergebnisse kommen.“
Die Rückkehr in den Europacup ist eines der sportlichen Ziele, die am Main verfolgt werden. Zunächst müsse aber der Umbruch vollzogen werden. „Manchmal macht es auch Sinn, ein bisschen kleinere Brötchen zu backen und trotzdem sehr, sehr ambitioniert zu bleiben. Das ist für mich ganz, ganz wichtig. Natürlich, Eintracht Frankfurt ist ein Club, der gehört irgendwo ins internationale Geschäft oder möchte da wieder hin“, sprach Hütter Klartext, verwies aber auch auf die starke Konkurrenz aus München, Dortmund, Leipzig, Stuttgart, Leverkusen, Freiburg oder Hoffenheim.
„Gefühl, dass ich wieder nach Hause komme“
Wie viel Geduld man mit dem Vorarlberger in Frankfurt haben wird, das wird sich erst weisen. Der Empfang in der Bankenmetropole war jedenfalls „überragend. Man merkt es erst immer dann, wenn man weg war, wieder zurückkommt, wie es sich anfühlt. Und es war für mich wirklich so ein Gefühl, dass ich wieder nach Hause komme“, erzählte Hütter. Die positiven Reaktionen der Eintracht-Fans hätten das Ihre dazu beigetragen. „Das ist schon richtig unter die Haut gegangen. Das gibt einem natürlich auch wieder sehr viel Kraft und Zuversicht für die kommenden Aufgaben.“
Das ganze Frankfurter Umfeld war für Hütter, der von 2018 bis 2021 bereits Eintracht-Coach war, Hauptgrund für die Rückkehr. „Als ich angefangen habe, hatten wir, glaube ich, 90-95.000 Mitglieder. Jetzt haben wir 160.000. Das Stadion ist ausgebaut worden von 51.000 auf 60.000. Und der Club an sich, der so richtig groß ist und eine enorme Energie und Wucht hat, hat einfach dann schlussendlich dafür gesprochen, dass ich sage: ‚Okay, ich habe große Lust darauf.‘ Vielleicht bin ich auch da noch nicht ganz fertig gewesen.“ Letztlich habe er mit seinem „langjährigen Trainerfreund Christian Peintinger entschieden, wir gehen wieder zurück zu Frankfurt.“
Vorfreude auf Ilzer, Muslic und Co.
Auf die Frage, worauf er sich in dieser Saison am meisten freue, meinte Hütter: „Auf jedes Heimspiel. Ganz egal, gegen wen wir spielen, wird die Hütte immer voll sein. Diese Atmosphäre in Frankfurt ist schon speziell.“ Zudem freue er sich, viele Trainerkollegen wieder zu treffen, „wie den Chris (Ilzer, Anm.) bei Hoffenheim, Niko Kovac in Dortmund, Urs Fischer in Mainz.“ Muslic kenne er natürlich auch. „Er hat einen super Job gemacht bei Schalke. Es ist schon beeindruckend, dass es mittlerweile viele österreichische Trainer gibt, die sich auch in der deutschen Bundesliga beweisen können. Darauf sind wir auch alle stolz. Das zeigt, dass wir eine gute Trainerausbildung haben. Es zeigt aber auch, dass wir uns nicht verstecken müssen. Da muss man schon allen ein Kompliment aussprechen.“
Hütter ist nun seit fast zwei Jahrzehnten im Trainergeschäft tätig. Neben seinem ersten Frankfurt-Engagement hätten auch jene in Bern und Grödig herausgestochen. „Mit einer Mannschaft, die eher Mittelmaß war in der zweiten Liga, souverän aufzusteigen und dann in der Bundesliga mit einem Budget von 3,5 Millionen Dritter zu werden hinter Red Bull Salzburg und Rapid, war eine starke Leistung vom gesamten Team“, meinte Hütter über die Zeit in Grödig.
Mit den Young Boys den FC Basel zu entthronen und nach 32 Jahren den Titel nach Bern zu holen, sei auch „ein Riesenerfolg“ gewesen. „Viele Highlights, viele große Erfolge, vielleicht ein bisschen zu wenig Titel noch. Aber jede einzelne Station hat mir extrem geholfen und mich weitergebracht. Und dass ich eigentlich schon so lange auf so hohem Niveau Trainer bin, macht mich sehr, sehr stolz“, bilanzierte Hütter.
