Kosovo-Teamchef Foda als Fan von NL-Gegner Österreich

Auf Österreichs Fußball-Nationalteam wartet am Sonntag im Wiener Happel-Stadion ein Treffen mit einem alten Bekannten. In der Nations League geht es gegen die Auswahl des Kosovos, die seit 2024 von Franco Foda betreut wird. Der Deutsche fungierte von 2017 bis 2022 als ÖFB-Teamchef und freut sich nun auf ein Wiedersehen. „Ich bin nach wie vor ein großer Fan der österreichischen Nationalmannschaft, außer natürlich, wenn wir gegen sie spielen“, sagte Foda der APA.

Für ihn selbst habe die Partie jedoch keine spezielle Bedeutung, versicherte der Coach. „Es ist mehr ein Thema für die Journalisten als für mich persönlich. Für mich ist jedes Länderspiel gleich. Es gibt eine Vorgeschichte und es sind noch einige Spieler dabei, mit denen ich gearbeitet habe, aber für mich ist dieses Match nichts Außergewöhnliches.“

Unter dem früheren Meistertrainer von Sturm Graz schaffte die ÖFB-Truppe unter anderem 2020 den Nations-League-Gruppensieg und holte das Ticket für die EM 2021, wo im Achtelfinale erst nach Verlängerung gegen den späteren Europameister Italien Endstation war. Damals dabei waren die aktuellen Teamspieler Alexander Schlager, Michael Gregoritsch, Xaver Schlager, Marco Friedl, Philipp Lienhart, Stefan Posch, Xaver Schlager und Sasa Kalajdzic.

Foda: ÖFB-Team trotz Ausfälle „eingespielte Mannschaft“

Ebenfalls in Fodas EM-Kader standen auch David Alaba, Marko Arnautovic, Marcel Sabitzer, Konrad Laimer und Christoph Baumgartner, die nun aus unterschiedlichen Gründen fehlen. Trotzdem sei Österreich der klare Favorit, betonte Foda. „Der Stamm steht ja und es sind nach wie vor viele dabei, die zuletzt immer gespielt haben. Das ist eine eingespielte Mannschaft.“

Für den 60-Jährigen ist das ÖFB-Team der mit Abstand aussichtsreichste Anwärter auf Endrang eins und damit den Aufstieg in Liga A. „Dahinter ist alles offen.“ Kosovo spekuliert zumindest mit Platz zwei, was die Teilnahme am Aufstiegs-Play-off bedeuten würde. Dass diese Hoffnung nicht unrealistisch ist, beweist ein Blick auf die vergangenen Monate.

WM 2026 wurde nur knapp verpasst

Die Auswahl des Balkanstaates, der erst seit 2016 FIFA- und UEFA-Mitglied ist, beendete die WM-Qualifikation hinter der Schweiz, aber noch vor Slowenien und Schweden auf Rang zwei. Im darauffolgenden Play-off gelang im Semifinale ein 4:3 in der Slowakei, ehe das Endspiel um ein WM-Ticket daheim gegen die Türkei mit 0:1 verloren wurde.

„Wenn man überraschend so nahe dran ist, will man auch den letzten Schritt gehen. Nach der Niederlage gegen die Türkei waren wir sehr enttäuscht, aber wenn man alles mit etwas Abstand Revue passieren lässt, sieht man, dass wir eine gute Entwicklung genommen haben“, erklärte Foda.

Trainerteam mit viel Österreich-Bezug

Zu seinem Trainerstab zählen Thomas Kristl, der Foda schon beim ÖFB assistiert hatte, sowie Ex-Austria- und -Ried-Trainer Robert Ibertsberger und der ehemalige österreichische Nachwuchsteamspieler Atdhe Nuhiu. Im aktuellen Kader stehen mit Valmit Matoshi (Sturm Graz), Vesel Demaku (Altach) und Dion Kacuri (Austria Lustenau) drei Profis aus der österreichischen Bundesliga. Zu den Leistungsträgern gehört unter anderem der früher für die Wiener Austria stürmende Fisnik Asllani, der es bei Hoffenheim mittlerweile auf einen Marktwert von 35 Millionen Euro gebracht hat.

Ex-Salzburg und -LASK-Spieler Valon Berisha steht nicht mehr zur Verfügung – ebenso wie der langjährige Kapitän Amir Rrahmani. Der Napoli-Verteidiger gab erst vor wenigen Tagen wegen Unstimmigkeiten mit den Verbandschefs seinen Team-Rücktritt bekannt. „Er war unser absoluter Leader“, sagte Foda.

Seiner Zuversicht für Sonntag tut dies keinen Abbruch, zumal die Kosovaren im Happel-Stadion wohl von vielen Anhängern unterstützt werden. „Egal, ob wir in Schweden, Slowenien oder der Slowakei gespielt haben – das Stadion war immer zur Hälfte mit unseren Fans gefüllt“, berichtete der Ex-Verteidiger. „Die Euphorie, die in den letzten zwei Jahren entstanden ist, kommt nicht von ungefähr. Gerade auswärts haben wir zuletzt extrem gut performt.“

EURO-2028-Ticket als großes Ziel

Foda begründete den Aufschwung damit, „dass wir es hinbekommen haben, das Mindset der Spieler zu verändern, die Infrastruktur zu verbessern und Spieler zu überzeugen, für Kosovo zu spielen. Dadurch ist die Entwicklung noch etwas schneller gegangen, als wir es erwartet haben.“ Der zumindest vorläufige Höhepunkt soll in knapp zwei Jahren erreicht werden. „Unser großes Ziel war immer die EURO-2028-Teilnahme, darauf arbeiten wir hin.“

Seine EM-Teilnahme mit dem ÖFB-Team vor fünf Jahren bezeichnete Foda als „absolutes Highlight“, das Out im Play-off-Semifinale für die WM 2022 als „absolut enttäuschend. Das bleibt negativ behaftet, ansonsten habe ich nur positive Erinnerung an die Zeit bei der österreichischen Nationalmannschaft.“

Der Vorwurf, Foda habe als ÖFB-Teamchef eine hochveranlagte Mannschaft zu defensiv spielen lassen, lässt den Coach kalt. „Das ist nicht mein Thema. Ich kann nur sagen, ich hatte eine wunderbare Zeit, es waren tolle Spieler, die für ihr Land alles gegeben haben. Und auch ich habe als Teamchef immer alles gegeben.“

Gute ÖFB-Bilanz von Foda

Fodas ÖFB-Bilanz steht bei 48 Partien, 27 Siegen, 6 Unentschieden und 15 Niederlagen. Mehr Länderspiele haben nur Ralf Rangnick (inklusive dem Donnerstag-Spiel gegen Israel 50), Herbert Prohaska (51), Marcel Koller (54), Josef Hickersberger (56) und Wunderteamchef Hugo Meisl (133) auf dem Konto. In puncto Siegen wird Foda lediglich von Rangnick (28 vor dem Israel-Match) und Meisl (71) übertroffen.

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