Make your Move #26: Professor Paolo

via Sky Sport Austria

„Gegen uns spielt keiner gern!“ Paul Radakovics vom BC Hallmann Vienna spricht diesen Satz mit ungemeiner Überzeugung. Wie alles, was der 31jährige AHS-Lehrer sagt. „Paolo“ stammt aus Oberwart, hat aber wie viele seiner Landsleute in Wien eine zweite Heimat gefunden.

Er unterrichtet am Gymnasium Schuhmeierplatz in Ottakring Englisch und Sport. Professor Paolo hat übrigens völlig recht. Gegen seine Mannschaft zu spielen, ist oft „a schware Partie“. Der BC Vienna hat sich ohne Starspieler Stjepan Stazic zu einer echten Kämpfertruppe entwickelt. Gegen Gmunden, Oberwart und Sankt Pölten mussten sich die Wiener erst in der Overtime geschlagen geben. „Hätten wir diese drei Siege gelandet, wären die Top 6 möglich gewesen“, trauert Radakovics einer vergebenen Chance nach.

Gresta und “Paolo” schätzen sich sehr

„Es macht unheimlich viel Spaß, in dieser Mannschaft zu spielen. Bei uns kämpft jeder für den anderen.“ Diese Philosophie trägt die Handschrift von Headcoach Luigi Gresta. Der 49jährige ist in der Lage, aus jedem Spieler das Beste herauszuholen. Radakovics spielt schon seit 14 Jahren in der höchsten Spielklasse, hatte bereits vier Stationen hinter sich.

Headcoach Luigi Gresta legt sehr viel Wert auf den Teamgeist. Bild: GEPA

Aber unter Gresta hat er einen wichtigen Schritt nach vorne gemacht. „Luigi hat zu mir gesagt: Paolo, du bist ein guter Werfer. Also wirf! Du bist defensiv stark, also zeig es! Du hast das Potenzial zum Leader, also sei es!“ Wenn Radakovics von seinem Trainer spricht, wird er euphorisch. Und nachdenklich zugleich. Luigi Gresta ist derzeit zuhause in der norditalienischen Hafenstadt Pesaro. Dort hat das Corona-Virus richtiggehend gewütet. Grestas Eltern sind über 90 Jahre alt, er selbst zählt nach einem Eingriff am Herzen auch zur Risikogruppe. „Es ist aber alles okay. Wir telefonieren regelmäßig, es geht ihnen gut“, schildert Radakovics.

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In schwierigen Zeiten wie diesen kommt der Zusammenhalt beim BC Vienna besonders stark zum Ausdruck. Nach dem Abbruch der Meisterschaft musste Topscorer Jason Detrick etwas länger auf seinen Flug in die USA warten, hatte aber in Österreich keine Bleibe mehr. „Ich hab Jason dann bei mir einquartiert. Er hat eine Woche lang auf meiner Couch geschlafen“, lacht Radakovics. Die Wege der beiden kreuzen sich nicht zum ersten Mal.

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Paul war Nachwuchsspieler bei den Gunners, als Detrick direkt vom College ins Burgenland gekommen ist. „Er ist völlig verloren in der Halle gestanden und hat den Unterschied zwischen Oklahoma und Oberwart kaum gepackt“, erinnert sich Radakovics. Ein paar Monate später war Jason Detrick Cupsieger, Vizemeister und zweifacher MVP. Weitere 16 Jahre später zählt der mittlerweile 39-Jährige noch immer zu den Topspielern in der BSL, war in der Saison 18/19 Scoring Champion und Austrian MVP.

Gibt Stazic noch ein Comeback?

Detrick wird wohl weiterhin für die Hallmänner auf Korbjagd gehen. Trotz widriger Umstände wird er kaum Probleme haben, die Rückreise nach Österreich anzutreten. JD ist Österreicher und hat einen Sohn in der Steiermark. „Ich bin zuversichtlich, dass unser Team im Kern zusammenbleibt“, ist Radakovics voller Tatendrang. Zu diesem Kern zählt auch Point Guard Luka Gvozden, der sich unter Gresta zu einem Leistungsträger entwickelt hat. „Luka war zuletzt in der Form seines Lebens. Für ihn ist es doppelt bitter, dass die Saison abgebrochen wurde.“

Stjepan Stazic (links) hat wohl noch nicht genug und kehrt vielleicht noch einmal auf den Court zurück. Bild: GEPA

Und wer weiß, vielleicht gibt es ja noch eine unvermutete Verstärkung für die Wiener. Gerüchte über ein mögliches Comeback von Stjepan Stazic nach seinem Achillessehnenriss halten sich hartnäckig. Radakovics möchte sich dazu nicht äußern. Gut, dann mache ich es: Ich glaube, Stjepan kann’s nicht lassen. Von einer Verletzung lässt sich ein Stazic nicht stoppen. Auf diese Art und Weise tritt eine Galionsfigur nicht ab.

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Bild: GEPA