Make your Move #32: Der Riese vom Wörthersee

von Gerfried Pröll

Wenn Sie im Sommer 2020 Urlaub am Wörthersee machen und einen auffallend langen Stand-Up-Paddler sehen, dann ist das sehr wahrscheinlich Rasid Mahalbasic.

Für den 2m10-großen Center der Baskets Oldenburg beginnt am 8. Juni das einzigartige und mit Spannung erwartete Finalturnier der deutschen BBL. Und trotzdem freut sich Rasid am meisten auf den Heimaturlaub danach. Der 29-Jährige ist so etwas wie ein Parade-Europäer. Geboren im slowenischen Jesenice, bosnische Eltern, aufgewachsen in Klagenfurt. Und mittlerweile war Mahalbasic in zehn europäischen Ländern als Basketball-Profi tätig: Österreich, Türkei, Kroatien, Slowenien, Polen, Tschechien, Kasachstan, Russland, Spanien und Deutschland. Seit 2017 hat er gemeinsam mit seiner russischen Frau und seiner Tochter in Oldenburg eine zweite Heimat gefunden. Und trotzdem kehrt er während unseres Gesprächs immer wieder von sich aus nach Klagenfurt zurück.

Rasids großes Vorbild ist Benjamin Ortner. Dem Tiroler ist es bekanntlich gelungen, in einer europäischen Topliga (Serie A in Italien) jahrelang auf hohem Niveau zu spielen. Ähnliches möchte Mahalbasic in Deutschland schaffen. Die vergangenen Saisonen haben gezeigt, dass er sogar zu Höherem fähig ist. Aber es gibt noch einen anderen österreichischen Center, dem Rasid nacheifert. Er hat Bernd Volcic 2011 genau verfolgt, als dieser nach vielen Jahren als Legionär seinen Heimatklub Oberwart im Alter von 35 Jahren zum österreichischen Meistertitel geführt hat. „Bernd war damals in seiner letzten Saison voll motiviert und eine unfassbare Kante. Ich möchte meine Karriere wenn möglich auf ähnliche Weise beenden und meine Wörthersee Piraten zurück in die erste Bundesliga führen“, weiß Mahalbasic schon exakt, wie er seine erfolgreiche Laufbahn abschließen möchte.

Auch die Folgen der Corona-Krise in Österreich registriert Rasid aus der Ferne ganz genau. „Am meisten leiden Sport, Kultur und Gastronomie. Aber genau davon leben wir Österreicher! Das gehört rasch geändert.“ Mahalbasic war immer schon einer, der sein Herz auf der Zunge trägt. Auch als wir ihn 2007 in Klagenfurt als Teenager zum ersten Mal für Premiere interviewt haben. Und das wird auch immer so bleiben. In Oldenburg kommen sie mit seiner direkten Art offenbar sehr gut zurecht. Das ist aber lange nicht der einzige Grund, warum sich der Center in Niedersachsen so wohl fühlt. „In anderen Ligen haben meist nur Statistiken gezählt. Hier sind andere Faktoren wichtiger: Hartnäckigkeit, individuelles Training und professionelle Ernährung“, schwärmt Rasid. Bereits nach der ersten BBL-Saison hat der Kärntner 18 Kilogramm abgenommen.

Für das Finalturnier in München ist Mahalbasic optimistisch. „Unser Vorteil ist, dass wir eingespielt sind. Wir trainieren zwar erst seit ein paar Tagen wieder als Team mit dem Ball, das sollte aber reichen.“ Gleich im ersten Spiel geht’s gegen Ulm mit Thomas Klepeisz. Während der Zwangspause hat sich Mahalbasic in der Kraftkammer der Baskets Oldenburg fit gehalten. Und danach im Garten seines Reihenhauses seiner Tochter beim Spielen zugeschaut. „Ich bin total entspannt und gleichzeitig voll fokussiert. Die BBL hat bei diesem Turnier eine Riesenchance, sich international zu präsentieren. Und wir wollen unseren Teil dazu beitragen“, sagt Rashid Mahalbasic. Angebote aus anderen Ligen gibt es für den Center genug. Er fühlt sich aber in Oldenburg sehr wohl und möchte dort noch ein paar Saisonen anhängen. Bis zum Showdown mit 35, 36 Jahren am Wörthersee.

Make your Move #31: Der Verein lebt wieder

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