ÖFB-Team fordert den König des Ballbesitzes heraus

Österreichs Nationalteam trifft am Donnerstag im WM-Sechzehntelfinale in Los Angeles auf eine Mannschaft, die als Inbegriff des Ballbesitz-Fußballs gilt. Spaniens „Tiki-Taka“ ist nicht nur bei Gegnern, sondern auch bei so manchen Zuschauern gefürchtet, die darunter ödes Ballgeschiebe verstehen. Es ist aber weit mehr als das, und es ist vor allem erfolgreich: Die Iberer haben als regierender Europameister seit 33 Länderspielen nicht mehr in der regulären Spielzeit verloren.

Wie wohl kein anderer Nationalverband der Welt hält Spanien beginnend von den Nachwuchsauswahlen an seiner strikten Spielphilosophie fest. Das hat den Vorteil, dass auch Neuankömmlinge im A-Team sofort wissen, was zu tun ist. Die Automatismen sitzen und verleihen „La Roja“ eine Schlagkraft, die selbst dann bestehen bleibt, wenn die individuelle Klasse nicht mehr so hoch ist wie etwa vor rund 15 Jahren.

Damals dominierte Spanien mit Xavi, Andres Iniesta, Iker Casillas oder Sergio Ramos den Weltfußball, gewann 2010 den WM- sowie 2008 und 2012 den EM-Titel. 2024 folgte ein neuerlicher EURO-Triumph, und auch bei der Endrunde in Nordamerika werden die Spanier zu den aussichtsreichsten Titelanwärtern gezählt. Der Start verlief allerdings mit dem 0:0 gegen Kap Verde holprig, es folgten ein ungefährdetes 4:0 gegen Saudi-Arabien und ein mühevolles 1:0 gegen Uruguay.

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Mittelfeld als Prunkstück

Abgesehen von Lamine Yamal fehlen diesmal die ganz großen Kapazunder in der Offensive. Prunkstück ist traditionell das Mittelfeld, in dem Pedri und Rodri den Taktstock schwingen. Die Innenverteidigung wird vom 19-jährigen Pau Cubarsi und vom 32-jährigen Aymeric Laporte gebildet. Letzterer kickte schon zwei Jahre in Saudi-Arabien bei Al-Nassr, ehe er 2025 zu Athletic Bilbao zurückkehrte.

Als Teamchef fungiert seit Dezember 2022 Luis de la Fuente. Der 65-Jährige begann 2013 als U19-Coach, diente sich über die U21 bis zum A-Team hoch und hat jenes Prinzip verinnerlicht, das den spanischen Fußball kennzeichnet: Ballbesitz steht über allem.

Die Kritik, dass monotone Ballstafetten oft nicht zu Torgefahr führen, interessiert De la Fuente und weitere spanische Entscheidungsträger herzlich wenig. Sie sehen Ballbesitz nämlich auch als ein Mittel, um den Gegner zu zermürben, und als eine Möglichkeit, um Kräfte zu sparen. Wenn der Kontrahent den Ball nicht hat, kann er kein Tor erzielen, lautet das Credo von Pep Guardiola, der als einer der Architekten der spanischen Spielweise gilt, obwohl er selbst nie beim Nationalverband arbeitete.

Spanien mit hoher Pressing-Resistenz

Für die Umsetzung von „Tiki-Taka“ braucht es technisch beschlagene Spieler, auf die Spanien in hohem Ausmaß zurückgreifen kann. Diese Qualitäten sorgen für eine Pressing-Resistenz, was gerade gegen das österreichische Team, das sich selbst als Pressing-Mannschaft definiert, ein entscheidender Faktor sein könnte. Dazu kommt, dass Spanien vor allem wegen Lamine Yamal, der für seine Sololäufe Platz benötigt, in letzter Zeit öfter den schnelleren Weg nach vorne sucht.

Trotz aller Qualitäten des übermächtig erscheinenden Gegners bieten sich für die ÖFB-Auswahl auch Chancen, wie vor allem bei Spaniens Nullnummer gegen Kap Verde zu sehen war. Konsequentes Verhalten in der Defensive kann „La Roja“ vor große Probleme stellen. Zudem erlaubten sich die Spanier bisher überraschende Ballverluste im Mittelfeld, was zu speziell von Österreich geliebten gefährlichen Umschaltsituationen führte.