Premiere der Teamchef-Stars im Duell der Erzrivalen
In einer Aufbruchstimmung startet das deutsche Fußball-Nationalteam in die Nations League. Im Duell mit dem Erzrivalen Niederlande am Donnerstag (20.45 Uhr – live auf RTL) in Amsterdam steht Jürgen Klopp erstmals an der Seitenlinie. Der Startrainer soll das DFB-Team zurück an die Spitze bringen. Auch bei den Gastgebern gibt es eine Premiere. Der Spanier Xavi ist der erste ausländische Oranje-Teamchef seit dem verlorenen WM-Finale 1978 unter dem Wiener Ernst Happel.
Klopp nominierte für die anstehenden vier Spiele 44 Profis, um sich einen Überblick zu verschaffen. „Die Jungs haben alle Lust, also dementsprechend empfinden wir Aufbruch“, betonte der 59-Jährige, der über zwei Jahre nach seinem Rückzug beim FC Liverpool auf die Trainerbank zurückkehrt. „Ich war mir nicht sicher, ob irgendwas eingerostet ist, aber es geht. Zwei Jahre und drei, vier Monate habe ich nicht auf dem Trainingsplatz gestanden. Es geht. Es ist ein bisschen wie Fahrradfahren“, sagte Klopp.
Das Feuer, das er mit seiner positiven Art ausstrahlt, hat im Quartier in Herzogenaurach alle im DFB-Team erfasst. Gleich beim ersten Teamtraining wurde klar: Da steckt Energie drin. Inhalte der Vorbereitung wollte Klopp nicht verraten. „Dass wir einen guten Fußball spielen wollen, ist klar. Ein bisschen überraschend wollen wir auch noch sein“, sagte er. Der Klassiker wird gleich eine echte Standortbestimmung sein. „In Amsterdam habe ich nicht von vielen Freundschaftsspielen gehört. Also, da geht es direkt zur Sache“, war Klopp überzeugt.
Kühlerer Empfang für Xavi
Die Niederlande gehen mit ähnlichen Voraussetzungen ins Spiel. Denn so wie Deutschland schied auch das Oranje-Team bei der WM in der ersten K.o.-Runde aus, als Bondscoach folgte Xavi auf Ronald Koeman. „Es wird eine große Herausforderung für mich persönlich, eine große Herausforderung für die Mannschaft“, sagte der Spanier. „Wir müssen unser Top-Level zeigen, weil wir gegen eine Top-Mannschaft spielen. Es ist ein sehr schöner Start“, erklärte Xavi.
Ein Erfolgserlebnis kann Xavi dringend gebrauchen. Im Gegensatz zu Klopp wurde er nicht unbedingt herzlich empfangen. Ein ausländischer Coach für die Elftal – das gefiel den stolzen Niederländern nicht wirklich. Doch weil zunächst Wunschkandidat Arne Slot und dann auch Peter Bosz absagten, zauberte Sportdirektor Nigel de Jong die Barcelona-Ikone Xavi aus dem Hut. Klopp kann die Entscheidung gut nachvollziehen. Xavi und Oranje, das könnte gut passen. „Barcelona und Holland, gar nicht so weit auseinander von der Spielidee, sagen wir mal so“, meinte Klopp. Der FC Barcelona genießt seit den Zeiten des legendären Johan Cruyff in den Niederlanden einen exzellenten Ruf.
Portugal: Immer weiter mit Ronaldo
Im Sommer 2030 sind die Portugiesen ein Co-Gastgeber der nächsten WM. Das ist in der Regel ein guter Anlass für eine Zäsur. Mit Jorge Jesus allerdings geht die „Seleção“ leicht ergraut in das erste Nations-League-Spiel gegen Wales am Donnerstag (20.45 Uhr). Als der Titelverteidiger der Nations League knapp drei Monate nach dem WM-Aus gegen Spanien zum ersten Mal wieder zusammenkam, begrüßte der 72-Jährige auch den 41-jährigen Cristiano Ronaldo, mit dem er schon in der vergangenen Saison beim saudi-arabischen Club Al-Nassr zusammengearbeitet hatte.
Das Verständnis für Ronaldos Dauerpräsenz in dem fußballbegeisterten Land schwindet aber immer mehr. Unter dem Titel „Jesus und die Apostel“ veröffentlichte Portugals größte Sportzeitung „A Bola“ dazu einen kritischen Kommentar. „Dankbarkeit rechtfertigt es nicht, dass er mit 41 Jahren weiterhin zwingend nominiert wird, geschweige denn einen Stammplatz in der Nationalmannschaft innehat“, heißt es darin. Der neue Trainer ist bemüht, das Thema Ronaldo tief zu hängen: „Cristiano ist ein Spieler wie jeder andere“, sagte er. „Wenn er gut performt, dann spielt er. Wenn nicht, dann spielt er nicht.“
1.000 Tore als Karriereziel?
Warum Portugals Rekordjäger auch nach 233 Länderspielen, sechs WM- und sechs EM-Teilnahmen immer noch im Nationaltrikot weiterspielt, darüber gibt es verschiedene Mutmaßungen. Eine davon: der fünfmalige Gewinner des „Ballon d’Or“ möchte möglichst schnell die magische Grenze von 1.000 Karrieretoren für das National- und die Clubteams erreichen. Aktuell steht er bei 979.
