Schiri-Boss Kassai: "Jede zweite Woche ein Fehler vom VAR ist okay"

Schiri-Boss Kassai: „Jede zweite Woche ein Fehler vom VAR ist okay“

Im Saison-Finish der ADMIRAL Bundesliga sind Schiedsrichter und der VAR öfter in den Mittelpunkt gerückt. Viktor Kassai, Technical Director im ÖFB für Schiedsrichter, ist vom Video Assistant Referee aber überzeugt. „VAR ist jetzt ein Schimpfwort im Fußball“, sagte der Ungar, gab sich aber zuversichtlich, dass „VAR in zehn Jahren wie Gelbe Karten ist, das gehört dazu“.

Der ehemalige Spitzenschiedsrichter sieht wesentlich mehr Vorteile und untermauerte am Mittwoch bei der Tagung von Sports Media Austria in Bozen seine Einschätzung mit Zahlen.

Demnach wurden in 200 Saisonspielen 85 schwerwiegende Fehler ermittelt, mit dem VAR wurden 65 Prozent davon korrigiert. 35 Prozent und damit mehr als ein Drittel aller schwerwiegenden Schiedsrichterfehler wurden somit auch vom VAR nicht entdeckt.

16 schwere Fehler trotz VAR

Falsch geblieben seien 30 schwerwiegende Fehlentscheidungen bei Tor, Roter Karte und Strafstoß – 16 seien auf VAR-Fehler zurückzuführen. „VAR ist kein Wundermittel für alle Schiedsrichter-Fehlentscheidungen. Jede zweite Woche ein Fehler vom VAR ist okay“, meinte Kassai.

Der Ungar war vor neun Jahren der erste Schiedsrichter, der bei einem internationalen Spiel den VAR einsetzte – und davon profitierte. Bei der Klub-WM 2016 in Japan entschied er im Spiel Kashima Antlers gegen Club America nach VAR-Intervention auf Elfmeter. „Heutzutage beträgt die VAR-Schulung drei Monate, damals hatten wir eine Woche Schulung“, erinnerte er sich.

Kassai arbeitet seit zwei Jahren für den ÖFB mit dem Ziel, das heimische Schiedsrichterwesen voranzubringen. Sein Vertrag wurde dieser Tage offenbar um zwei weitere Jahre verlängert, wie Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer erklärte.

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Kassai: EM 2028 mit ÖFB-Schiedsrichter

International sind Österreichs Schiedsrichter schon lange wenig präsent. Seit über zehn Jahren hat kein heimischer Referee in der Champions League gepfiffen, bei einer EM war Konrad Plautz beim Heim-Turnier 2008 der bisher letzte, eine WM findet seit Günter Benkö 1998 ohne österreichischen Spielleiter statt.

„Unser Ziel ist, dass ein österreichischer Schiedsrichter bei der EM 2028 dabei sein soll. Wir brauchen davor aber einen in der Champions League, sonst gibt es keine Chance, jemanden für die EM zu nominieren“, erklärte Kassai.

Die Konkurrenz ist aber groß, von den 250 europäischen Schiedsrichtern werden nur 18 bis 20 für eine EM und maximal zwölf für eine WM nominiert. Der ÖFB hofft, durch gute Leistungen, aber auch durch das gute internationale Standing von Kassai diese Flaute beenden zu können.

Neue Regel tritt in Kraft

Kassai bestätigte auch eine bevorstehende Regeländerung im Torhüterspiel. Bisher durfte der Torhüter den Ball sechs Sekunden in den Händen halten, andernfalls folgte ein indirekter Freistoß. Die Regel wurde aber nicht konsequent umgesetzt, weil ein indirekter Freistoß nahe am Tor „sensibel“ ist, wie Kassai meinte.

Künftig darf ein Tormann den Ball acht Sekunden halten, bei Verstoß folgt ein Eckball.

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Hetze gegen Schiedsrichter „Situation, die ich nicht gekannt habe“

Klar Stellung bezogen Kassai und Ali Hofmann, Leiter des Referee Departement im ÖFB, zu öffentlichen Angriffen gegen Schiedsrichter, die rote Linien überschritten haben. Tiefpunkt waren Morddrohungen und Veröffentlichungen privater und beruflicher Adressen in sozialen Medien.

„Es war für uns eine neue Situation, eine Situation, die ich in Österreich nicht gekannt habe“, sagte Hofmann. Es sei „negative Energie projiziert“ worden. „Österreich ist ein respektvolles Land, das war nicht typisch, was ich bisher in Österreich erfahren habe. Es war ganz wichtig, dass der ÖFB und die Schiedsrichter ein Zeichen gesetzt haben, dass es so nicht weitergehen kann“, betonte auch Kassai.

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