Sensation geglückt! Potapova bezwingt Titelverteidigerin Gauff
Anastasia Potapova hat am Samstag bei den Tennis-French-Open die Titelverteidigerin aus dem Bewerb genommen. Die als Nummer 28 gesetzte ÖTV-Akteurin behielt in einem Drittrunden-Krimi gegen die US-amerikanische Weltranglistenvierte Coco Gauff nach 2:37 Stunden mit 4:6,7:6(1),6:4 die Oberhand. Als Belohnung darf sie sich zum zweiten Mal nach 2024 im Achtelfinale des Sand-Grand-Slam-Turniers versuchen. Dort wartet die auf Position 22 eingestufte Russin Anna Kalinskaja.
Gauff bleibt damit eine gern gesehene Gegnerin für Potapova, die die jüngsten drei Duelle allesamt für sich entschieden hat. 2023 hatte sie in Stuttgart und Miami das bessere Ende gehabt, nachdem es in den ersten zwei Aufeinandertreffen noch Niederlagen gesetzt hatte. Die 25-Jährige sorgte für die erste österreichische Achtelfinal-Teilnahme in Roland Garros seit der Niederlage von Sybille Bammer im Jahr 2007. Ihre Gegnerin und ehemalige engere Landsfrau Kalinskaja musste beim 6:3,0:6,6:2 über die Kolumbianerin Camila Osorio auch über drei Sätze gehen.
„Einfach nur glücklich“
„Es fällt mir schwer, Worte zu finden. Ich bin einfach nur glücklich. Wir haben uns vom ersten bis zum letzten Punkt einen unglaublichen Kampf geliefert“, sagte Potapova im Siegerinterview am Platz. Dabei hatte sie mit Krämpfen im rechten Schlagarm zu kämpfen. „Es krampft ein bisschen, aber alles soweit okay“, beruhigte die Nummer 30 der Welt. Vom größten Erfolg ihrer Karriere wollte sie nicht sprechen. „Ich denke, dass ich schon vorher große Erfolge hatte, aber der Sieg ist schon sehr weit oben einzureihen, unter den ersten drei.“ Schade war, dass der rund 15.000 Zuschauer fassende Center Court nur schütter besetzt war, eine Partie auf über weite Strecken enorm hohen Niveau hätte sich mehr Fans verdient gehabt.
Für Potapova hätte die zeitgleich zum Männer-Fußball-Champions-League-Finale ausgetragene Partie nicht besser beginnen können, dank eines Zu-Null-Breaks und sechs Punkten in Folge zog sie mit 2:0 davon. Vor allem mit starken Rückhandschlägen gab sie den Ton an. Beim Stand von 4:2 bekam die Neo-Österreicherin bei zwei Breakchancen die Möglichkeit, den Vorsprung weiter auszubauen. Gauff wehrte aber mit einem Ass und einer gewonnenen Rallye jeweils ab und legte den Grundstein für die Wende. Im folgenden Game gelang ihr bei der ersten Breakchance das Rebreak, weil sich Potapova einen unerzwungenen Fehler leistete.
Von dieser Schwächephase konnte sich die gebürtige Russin im ersten Satz nicht mehr erholen. Nach einem zu Null verlorenen Aufschlagsspiel samt abschließendem Doppelfehler war dieser nach 46 Minuten verloren. Sie fand aber schnell wieder in die Spur, stellte nach einem vergebenen 0:40 mit der vierten Breakchance auf 1:0. Nach einem weiteren Break zum 3:0 lief alles auf einen deutlichen Gewinn des zweiten Satzes für die ÖTV-Spielerin hin, es folgte allerdings ein völlig verrücktes Geschehen. Potapova breakte bis zum 5:2 immer, vergab dann aber zwei Satzbälle, beim ersten hatte erst der Schiedsrichter nach Ansicht des Abdrucks auf Out entschieden.
Starkes Tiebreak leitete Wende ein
Potapova haderte mit sich selbst, streute viele Fehler ein und lag plötzlich 5:6 zurück, ehe sie sich noch ins Tiebreak retten konnte. Dort drehte sich die Partie wieder, Potapova zog auf 5:0 davon und verwertete ihren dritten Satzball zum 7:1. Im Entscheidungssatz nahm die 22-jährige Gauff ihrer Gegnerin zum 2:1 den Aufschlag ab. Mit einem starken Winner gelang Potapova das Rebreak zum 3:3. Im folgenden Servicegame sah sich diese aufgrund des achten Doppelfehlers mit zwei Breakbällen gegen sich konfrontiert, zog mit guten Aufschlägen aber den Kopf aus der Schlinge. Gauff zeigte bei ihrem letzten Aufschlagspiel Nerven und Potapova verwertete gleich ihren ersten Matchball.
Ihren aufgrund des Spielverlaufs sicher nicht unverdienten Erfolg konnte sie gar nicht so richtig glauben. Nach dem 5:7,6:4,6:2 gegen die Britin Katie Boulter zuletzt kämpfte sie sich wieder nach einem Satz-Rückstand zurück. Nun hat sie die Chance, erstmals in ihrer Karriere in ein Major-Viertelfinale einzuziehen. 2024 in Paris hatte sie damals noch als Russin in der Runde der letzten 16 gegen die spätere Siegerin Iga Swiatek verloren.
(APA)/Beitragsbild: Imago
