Fix! Schicker wechselt zu Hoffenheim
Der Abgang von Sturm-Sportdirektor Andreas Schicker zur TSG Hoffenheim ist fix! Die Ablöse soll laut Sky-Informationen bei rund einer Million Euro liegen. Mittlerweile erfolgte bereits die offizielle Bestätigung der Vereine. Präsentiert wird der 38-Jährige am morgigen Donnerstag.
Schicker gilt seit Monaten als absoluter Wunschkandidat der TSG Hoffenheim (Sky berichtete exklusiv). Hintergrund der Personalrochade in Hoffenheim ist die Entlassung des bisherigen Sportdirektors Alexander Rosen Ende Juli. Übergangsweise hat Nachwuchschef Frank Kramer die Aufgaben übernommen, darunter auch die Abwicklung der Sommertransfers. Sturm bestätigte indes bereits den Abgang sowie die Auflösung des Vertrags.
In Hoffenheim hat der derzeitige Sturm-Sportdirektor direkt mehrere Aufgaben zu bewältigen: Auch der Posten des Sportdirektors ist noch vakant und muss besetzt werden. Zudem muss die Zukunft von Trainer Pellegrino Matarazzo geklärt werden. Der 46-jährige führte die Hoffenheimer in der vergangenen Saison überraschend in die Europa League. In der laufenden Saison steht Hoffenheim erst bei vier Punkten in der Bundesliga, zeigte zuletzt aber deutlich stabilisierte Leistungen. Bei der Mannschaft hat der US-Amerikaner ein hohes Standing.
Sky-Interview: Schicker am Sonntag über seinen bevorstehenden Wechsel
„Ich habe hier die Chance bekommen, mich zu beweisen – dafür bin ich extrem dankbar. Die Erfolge der letzten Jahre – die Titel, die Spieler, die aus Graz den Schritt in den europäischen Topfußball geschafft haben, sowie die Gesamtentwicklung des Vereines und der Mannschaft – machen mich extrem stolz“, sagte Schicker in einer Club-Mitteilung und bedankte sich bei allen Mitstreitern. „Ich freue mich auf die Aufgaben, die auf mich warten – kann aber versprechen, dass die Steiermark immer meine Heimat bleiben wird, ich den SK Sturm weiter genau verfolgen werde und diesem Verein für immer verbunden bleibe.“
Die Beförderung des Chefscouts 2020 wurde zu einer ganz speziellen Liaison. Mit der Verpflichtung von Trainer Christian Ilzer und Führungsspielern wie Jon Gorenc Stankovic und Gregory Wüthrich goss Schicker das Fundament für einen zuvor noch undenkbaren Erfolgslauf. Seine Trefferquote am Transfermarkt war vor allem in den ersten Jahren außergewöhnlich. Die Stürmer Kelvin Yeboah (6,5 Mio. Euro), Rasmus Højlund (20,0) und Emanuel Emegha (13,0) brachten dem Verein finanzielle Potenz und internationales Renommee ein. In diesem EM-Sommer folgte Alexander Prass (bis zu 12,0) nach Hoffenheim. Der aktuell beim ÖFB-Team weilende Prass freut sich auf die Reunion mit einem „Topmensch und Topmann“.
Schicker-Abschied: Sturm-Verantwortliche bedanken sich für „großartigen Einsatz“
Schicker hat Sturm in neue Sphären gehoben und strukturell professionalisiert, er wird in Graz für Millionen-Einnahmen und sein bodenständiges Auftreten in Erinnerung bleiben. Sturm-Boss Christian Jauk zeichnete zuletzt das Bild „vom Lehrling zum in Deutschland begehrten Superstar“. Parallelen zum einstigen Salzburger Erfolgsmanager Christoph Freund sind da. In Deutschland treffen die beiden nun wieder aufeinander. Freund im Dienste des FC Bayern, Schicker von Hoffenheim.
Gerüchte über einen Deutschland-Wechsel hatte es schon monatelang gegeben. Ein Engagement bei Werder Bremen kam nicht zustande, kurz darauf sagte Schicker Hoffenheim noch ab. Er sei es Sturm quasi schuldig gewesen, die Kaderplanung für die CL-Saison zu finalisieren, sagte Schicker nach dem fulminanten 5:0 am Sonntag gegen Salzburg. Einzig seine erfolgreiche Arbeit in Graz erlaubte es dem Steirer, mit Akzeptanz des Vereins, der Fans und Medien weiter offen mit der größeren Fußballwelt zu kokettieren.
Schicker als Hopp-Wunschkandidat
Für den milliardenschweren Geldgeber Dietmar Hopp blieb er Wunschkandidat – obwohl die Hoffenheim-Fans seine Verpflichtung offen ablehnen. „Ich will die TSG-Fans mit guter Arbeit von mir überzeugen“, sagte Schicker zur APA. Es warten aber nicht nur eine durch Rang 16 unzufriedene Fanszene, sondern kolportierte Machtspielchen im Verein und Einflussnahmen von außen.
Von Hopp wurde er mit warmen Worten begrüßt: „Andreas Schicker steht für eine klare Spielphilosophie und erarbeitete sich in den vergangenen Jahren aufgrund seiner geschickten Transfers von jungen Talenten einen exzellenten Ruf in der Branche.“ Die TSG hat nun große Teile der Führungsebene, darunter den Geschäftsführer Finanzen sowie die Direktion Sport (Frank Kramer), neu strukturiert.
Als Spieler blieb Schicker stets in Österreich. Wenige Partien absolvierte der Ex-U21-Teamverteidiger für Austria Wien, einige mehr für Ried und Wiener Neustadt. Als Manager ist sein Handlungsspielraum in Graz nahezu ausgereizt, die aktuelle Saison zeigt durchaus die Tücken in der Kaderplanung ab einem gewissen Niveau auf. Der Moment für einen Wechsel scheint für alle Beteiligten stimmig. Österreichs Doublesieger aber steht nun vor der wichtigsten Personalentscheidung seit viereinhalb Jahren. Wer Schicker nachfolgen wird, ist offen.
Die Sturm-Statements im Wortlaut:
Andreas Schicker sagt via Aussendung zu seinem Abgang: „Die vergangenen sechs Jahre beim SK Sturm im Rückspiegel zu betrachten, fällt nicht leicht. Ich möchte mich beim gesamten Verein, dem Präsidenten und Vorstand, meinem Geschäftsführer-Kollegen Thomas, dem gesamten Trainerteam, allen Spielern, Betreuern und Mitarbeitern sowie den großartigen Fans dieses Klubs für eine fantastische Zeit bedanken. Ich habe hier die Chance bekommen, mich zu beweisen. Dafür bin ich extrem dankbar.
Die Erfolge der letzten Jahre – die Titel, die Spieler, die aus Graz den Schritt in den europäischen Topfußball geschafft haben, sowie die Gesamtentwicklung des Vereines und der Mannschaft – machen mich extrem stolz. Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass ich irgendwann den Sprung in die deutsche Bundesliga machen möchte. Dennoch ist mir diese Entscheidung nicht leicht gefallen. Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass nun der richtige Zeitpunkt – sowohl für mich, als auch für den Verein, um sich neu aufzustellen – für diesen Wechsel gekommen ist. Ich freue mich auf die Aufgaben, die auf mich warten. Ich kann aber versprechen, dass die Steiermark immer meine Heimat bleiben wird, ich den SK Sturm weiter genau verfolgen werde und diesem Verein für immer verbunden bleibe.“
Stöger über Schicker-Wechsel: „Eine große Chance für ihn“
Präsident Christian Jauk erklärt dazu: „Andreas Schicker vor vier Jahren zum Geschäftsführer Sport zu bestellen, war damals eine mutige Entscheidung, für die es auch Kritik gab. Vier Jahre später wissen wir, dass wir uns damals nicht besser entscheiden hätten können. Andis fachliche Kompetenz, gepaart mit seinen menschlichen Qualitäten sowie seinen natürlichen Instinkten und Gespür, haben in großartiger Arbeit für den SK Sturm gemündet. Dass sportliche Erfolge wie die unseren in den vergangenen Jahren – an denen Andreas Schicker als Geschäftsführer Sport großen Anteil hatte – Begehrlichkeiten wecken, ist nur natürlich im Fußball.
Uns war wichtig, eine Lösung zu finden, mit der wir uns alle in die Augen schauen können, das ist uns gelungen. Wir wünschen unserem ,Steirerbuam‘ alles Gute für seine Zukunft. Wir bedanken uns für den großartigen Einsatz, den er für unseren SK Puntigamer Sturm Graz und die gesamte Sturmfamilie geleistet hat. Andi Schicker ist in Graz und beim SK Sturm immer herzlich willkommen!“
Geschäftsführer Wirtschaft Thomas Tebbich betont: „Andreas Schicker hat in den vergangenen Jahren ausgezeichnete Arbeit für den SK Sturm geleistet. Er war stets ein großartiger Partner in der Geschäftsführung, mit dem die Zusammenarbeit zwischen Geschäftsstelle und sportlicher Abteilung hervorragend harmonierte. Wir haben als Gesamtverein in den letzten Jahren eine tolle Entwicklung genommen, die ohne dieses Vertrauen und gegenseitige Wertschätzung nicht möglich gewesen wäre. Ich wünsche Andi alles erdenklich Gute für seine weiteren Aufgaben. Ich bin überzeugt davon, dass er seinen Weg weiter machen wird!“
Baumgartlinger über Schicker: „Hat sich für Größeres empfohlen“
Statements der TSG zum Transfer:
Neo-Geschäftsführer Andreas Schicker zu seinem Wechsel: „Die deutsche Bundesliga ist für mich stets ein Ziel gewesen, auf das ich hingearbeitet habe. Daraus habe ich nie einen Hehl gemacht. Umso schöner ist es nun, dass es mit meinem Wechsel zur TSG geklappt hat. Hoffenheim ist ein spannender Verein mit unheimlich viel Potential. Und einer Nachwuchsarbeit, die schon seit Jahren herausragend ist. Mit dem speziellen Weg der TSG, der unter anderem eine starke Durchlässigkeit in den Profi-Bereich vorsieht, kann ich mich absolut identifizieren. Ich freue mich jetzt sehr darauf, die Mannschaft, das Trainerteam, den Staff und alle weiteren Mitarbeitenden des Vereins kennenzulernen“.
Jörg Albrecht, 1. Vorsitzender des e.V. und Mehrheitsgesellschafter der Fußball-GmbH, sagt indes: „Andreas Schicker war die absolute Wunschlösung. Er steht für eine qualitativ außergewöhnliche Arbeit und damit für Erfolg. Die Gespräche mit ihm waren von hoher Professionalität und Vertrauen geprägt. Er hat uns während der gesamten Verhandlungen stets das Gefühl vermittelt, unbedingt zur TSG wechseln zu wollen, Die gesamte Geschäftsführung ist in der neuen Konstellation hervorragend aufgestellt. Er wird die TSG in eine positive Zukunft führen.“
Dietmar Hopp, Gesellschafter der TSG, ergänzt: „Andreas Schicker steht für eine klare Spielphilosophie und erarbeitete sich in den vergangenen Jahren aufgrund seiner geschickten Transfers von jungen Talenten einen exzellenten Ruf in der Branche. Wir sind froh, ihn für die TSG Hoffenheim gewonnen zu haben.“
(APA/Red./SK Sturm Graz/TSG Hoffenheim).
Bild: GEPA
