Sollbauer exklusiv || Vergangene Monate bei Rapid „waren alles andere als einfach“

Nach zuvor sechs Gegentoren in zwei Bundesliga-Auftritten stand beim 2:0-Erfolg des SK Rapid gegen den SCR Altach (VIDEO-Highlights) vergangenes Wochenende im Ländle defensiv endlich wieder die Null. Innenverteidiger Michael Sollbauer, den einige Kritiker bereits abgeschrieben hatten, hatte bei seinem ersten Startelfeinsatz in dieser Bundesliga-Saison maßgeblichen Anteil an der weißen Weste

Im exklusiven Interview mit Sky-Reporter Eric Niederseer gab der 33-Jährige nun interessante Einblicke in die Schwierigkeiten der letzten Monate, ein wiederkehrendes Szenario im Winter-Transferfenster, eine teaminterne „Lerngruppe“ und das kommende Duell gegen seinen ehemaligen Trainer Markus Schopp.

Sky: Für Sie womöglich ein unüblicher Start eines Interviews, aber ich würde dieses gerne mit dem Spiel „THIS or THAT“ starten. Lieber 1:0 oder 4:3?

Michael Sollbauer: „1:0.“

Wo wir auch schon beim Thema der knappen Siege sind: Würden Sie mir zustimmen, wenn ich sage, der SK Rapid hat in Altach bewiesen, auch enge Spiele gewinnen zu können?

„Definitiv. Es war mit Sicherheit ein Spiel, dass in dem Moment den Charakter des Teams gebraucht und auch gezeigt hat. Die Umstände waren nicht besonders und auch die Art und Weise wie Altach das Spiel angelegt hat, waren natürlich so, dass wir uns darauf einstellen mussten. Aufgrund des Mix‘ aus äußeren Umständen und der Spielweise dort, kann man sicherlich von einer Charakterleistung sprechen.“

Gegen Altach stand Michael Sollbauer in der Startelf des SK Rapid – hier im Duell mit Angreifer Atdhe Nuhiu. | Bild: GEPA

Teamplayer und Mentalitätsmonster aus der zweiten Reihe

Bezugnehmend auf die vergangenen Wochen und Monate, in denen Sie zumeist von außen zusehen mussten: Wie schwierig war diese Zeit für Sie?

„Natürlich alles andere als einfach. Es war definitiv eine herausfordernde Situation, weil ich mir natürlich mehr Einsatzzeit erhofft habe. Nichtsdestotrotz sehe ich mich in der Pflicht, das eigene Ego hintenanzustellen. Mich zwar keinesfalls mit der Einsatzzeit zufrieden zu geben, mich aber trotzdem in den Dienst der Mannschaft zu stellen und zu schauen, dass ich fit bin, sodass die Mannschaft auf höchstem Level trainieren und performen kann. Es liegt auch in meiner Verantwortung, auch wenn man nicht in der ersten Reihe ist, dass die Mannschaft erfolgreich ist. Ich war es als Fußballer aus den letzten Jahren immer gewohnt, mittendrin zu sein. Mit viel Einsatzzeit und dem Bewusstsein, der Mannschaft helfen zu können, fühle ich mich natürlich am wohlsten. Aus diversen Umständen ist das jetzt anders. In der jetzigen Situation ist es natürlich einfacher darüber zu sprechen, aber bis dahin war es schon ein breiter Weg, der nicht immer leicht und lustig war. Es ist natürlich schön, dass sich jetzt die Möglichkeit ergibt, dass ich wieder zu Einsätzen komme, was viele nicht gedacht haben.“

Sie haben es angesprochen: Lange Zeit mussten Sie auf Ihre Chance warten. Wie viel Genugtuung ist es, dass Sie in den letzten beiden Spielen bewiesen haben, dass man auf Sie zählen kann?

„Es ist ein schon ein bisschen Genugtuung dabei, dass ich diesen Weg gegangen bin, Gas gegeben und die Möglichkeit gesehen habe, dass ich zu meinen Einsatzzeiten kommen kann. Dass dann die persönliche und die Leistung der Mannschaft zusammenpasst, ist umso erfreulicher. Ich habe nie daran gezweifelt, auch wenn ich zehn Spiele weniger mache, dass sich an meiner Leistung etwas großartig ändern wird. Ich bin überzeugt von meinen Fähigkeiten und davon, dass ich jeder Mannschaft helfen kann. Das Trainerteam hat mir (während der schwierigen Zeit) auch ganz klar gesagt, dass sie sehen, dass sie immer auf mich zählen können. Das war natürlich schön zu hören. Ich habe das Vertrauen der Spieler (vor dem Spiel) direkt gespürt und auch vom Trainerteam ganz klar die Anweisung bekommen, dass ich gleich wieder laut am Platz sein soll. Das sind die Dinge, die in mir drinnen sind. Ich habe sofort versucht, daran anzuknüpfen. Unterm Strich bin ich einfach glücklich, dass es so gekommen ist“.

Michael Sollbauer bei einem Testspiel gegen Amstetten im September. | Bild: GEPA

Qualitätszeit mit dem Sohnemann, um Akkus aufzuladen

Die Mannschaft und auch Sie haben in der vergangenen Saison viel Kritik einstecken müssen. Wie geht man persönlich damit um und wo holen Sie sich in dieser schwierigen Zeit die Energie?

„Wenn du die Möglichkeit hast, bei Rapid zu spielen und dich dafür entscheidest, sollte dir ganz schnell klar sein, dass der Erfolgsdruck ziemlich groß ist. Dass ein Sieg alleine nicht reicht, sondern mit der Art und Weise zusammenpassen muss. Mit dem muss man einfach umgehen können oder auch ein Stück weit lernen, damit umzugehen. Es war letztes Jahr auf keinen Fall so, dass die Leistung überdrüber gut war, aber es war dann oft schon relativ normal, dass ein einfacher Sieg nicht gereicht hat. Es hat dann immer relativ viel Spektakel sein müssen. Wir sind die ersten und ich vorne weg, die sagen, dass die Leistung bei Weitem nicht immer ausreichend war. Aber ich finde es ist eine gute Erfahrung, das mitzunehmen. Sich dieser Kritik anzunehmen, es aber trotzdem zu schaffen, sich ein Stück weit davon zu entfernen, ohne es zu negativ zu sehen. Bei mir als Vater von einem bald 5-jährigen Sohn ist es so: Zunächst liegt der Fokus natürlich auf dem Spiel und darauf, die eigene Leistung zu bringen. Dann ist das Spiel vorbei und die Würfel sind, wie man so schön sagt, gefallen. Nach dem Match ist es dann so, dass ich Zeit mit meinem Sohn habe. Es klingt jetzt blöd, aber für ihn ist das aktuell nicht entscheidend, ob du gewinnst oder verlierst. Er ist einfach froh, dass wir zusammen sind und da genieße ich einfach die Zeit, um mich voll auf ihn zu konzentrieren und in seine Welt einzutauchen. Dadurch bekomme ich relativ schnell einen anderen Blickwinkel. Dadurch sammle ich eine gewisse Energie, um mit Vorfreude in die Woche zu starten“.

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Von außen gibt es ja immer wieder kritische Stimmen, die meinen, dass es dem jungen Kader von Rapid an „Typen“ mangelt. Wie sehen Sie die Ausgewogenheit im Kader mit vielen jungen Spielern? Und was kann man als Führungsspieler an die jüngere Generation weitergeben?

„Ich finde schon, dass wir eine jüngere Mannschaft haben. Eine Mannschaft, die wenig Erfahrung an Spielen, und folglich auch an gewissen Situationen, hat. Das war von außen zum Beispiel beim 3-3 gegen den WAC klar ersichtlich. Da wird es aufgrund des Spielverlaufs für jeden Spieler, egal wie viele Spiele er absolviert hat, hektisch und ungemütlich. Meiner Meinung nach ist es einfacher, wenn mehrere Spieler schon in solch einer Situation waren und wissen, wie man damit umgehen muss. Aber die Vereinsführung hat sich für diese Kaderzusammenstellung entschieden und deswegen ist es natürlich so, dass viele Jungs einfach noch nicht so viele Spiele haben. Jeder hat seine Berechtigung von den Jungs und liefert super Leistungen ab, aber es ist natürlich schwierig bei so einem Verein wie Rapid immer auf höchstem Level und meist fehlerfrei zu agieren. Ich kann nur von meinen eigenen Erfahrungen sprechen und sagen, dass ich früher froh war, an der Seite älterer Spieler gewesen zu sein. Einerseits aufgrund der Kommunikation, die ‚rough‘ und nicht immer angenehm war. Da gab es keine Streicheleinheiten, aber es war ein guter Weg zum Lernen. Aber gleichzeitig war es auch so, dass man sich als junger Spieler natürlich auch an die Schulter eines Älteren lehnen oder dahinter verstecken konnte, wenn es ungemütlich wurde. Genau das ist für eine Entwicklung enorm wichtig und würde ich auch jungen Spielern immer weitergeben. Diese Erfahrung, wie man mit gewissen Situationen, sei es in einer Drucksituation oder auch im Erfolgsfall, nach einer Niederlagen-Serie oder einem verlorenen Cupfinale, umgeht. Genau deswegen ist diese Balance im Kader wichtig, damit die Jungs auch die Möglichkeit haben, sich zu entwickeln“.

Nach Cup-Finalfrust im vergangenen Jahr – Inneres Verlangen zur Wiedergutmachung

Die letzte Saison hat für Sie persönlich ein bitteres Ende genommen: Sie waren bei der Niederlage im ÖFB-Cup in Ihrer Heimat Kärnten gesperrt. Wie groß ist das Verlangen, sich nochmal die Chance auf ein Cupfinale zu erarbeiten, um es diesmal besser zu machen?

„Es war persönlich natürlich unglücklich und auch nicht so smart im Spiel davor, aber das gehört zum Sport dazu. Dementsprechend gibt es in mir drinnen schon dieses Verlangen, es heuer bis zum Finale zu wiederholen, damit dann der Ausgang ein besserer ist. Da geht es gar nicht so um dieses Träumen, sondern viel mehr um das Verlangen, Runde für Runde weiterzukommen. Um dieser Situation wieder nahe zu kommen und die Möglichkeit zu haben, es besser zu machen. Wir wollen zu diesem Finale definitiv wieder hin. Speziell in diesen Spielen merkt man schon, dass  wir es sehr, sehr ernst nehmen, weil wir letzte Saison und auch heuer wieder die Möglichkeit sehen, mit wenigen Spielen sehr schnell wieder dort zu sein, wo wir sein wollen.“

Alarmglocken klingen vor Duell mit dem Ex-Trainer – „Hartberg zurecht dort, wo sie sind“

Lassen Sie uns vorausblicken: Am Wochenende wartet ein Gegner, der seine Stärken in der Offensive besitzt. Was kommt in Hartberg auf das Team zu?

„Man muss mit vollem Respekt sagen: Hartberg macht das richtig gut. Ich habe Markus Schopp kurze Zeit in England als Trainer gehabt. Man hat dort von Beginn an gesehen, was er der Mannschaft mitgeben will. Wir sind darauf vorbereitet, dass wir auf eine spielstarke Mannschaft treffen, die Viele gar nicht so am Schirm haben. Aber die das richtig gut machen und die vorne auch Jungs haben, die richtig gut drauf sind. Man merkt schon, dass es dort ein klares Konzept gibt und dass die Mannschaft gut zusammengestellt ist. Wir haben Respekt vor der Aufgabe, aber wir wissen auch um unsere Stärken. Es wartet eine schwierige Aufgabe auf uns, aber wir fahren mit dem Wissen hin, dass wir Hartberg vor Probleme stellen können und auch werden. Wir müssen ganz klar im Kopf sein, die Alarmglocken sind schon an: Hartberg ist richtig gut und zurecht dort, wo sie jetzt sind.“

TSV Hartberg gegen SK Rapid am Samstag ab 16 Uhr live & exklusiv auf Sky Sport Austria 2 – streame das Spiel mit dem SkyX-Traumpass!

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Sollbauer wollte nicht „beim ersten Gegenwind die Flucht ergreifen“

Im Sommer war meines Wissens ein Abschied bereits Thema: Was hat schlussendlich doch für Rapid gesprochen?

„Bereits zu Beginn des Sommers haben mir die Verantwortlichen signalisiert, dass nicht geplant ist, dass ich zu viel Einsatzzeit komme. Ende Sommer waren ein paar Sachen am Tisch und es waren schon interessante Optionen dabei, aber Nichts, bei dem ich auf Biegen und Brechen weg wollte. Denn ich bin selten einer, der vor einer Situation davonläuft. Unterm Strich habe ich mich gegen Wechsel entschieden, weil ich im Herbst einfach Gas geben und schauen wollte, was rauskommt. Ich habe mich für diese Herausforderung entschieden, durch eine Situation durchzutauchen, die vielleicht nicht angenehm ist und wo die Vorzeichen eher schwierig sind. Es hätte sicher auch leichtere Wege gegeben, aber ich wollte diesen leichten Weg nicht gehen. Denn ich hatte auch vor dem Wechsel zu Rapid das Bewusstsein: Da ist Konkurrenzkampf, da kann es auch einmal ungemütlich werden. Ich habe mich bewusst für diese Aufgabe entschieden und wollte nicht sofort beim ersten Gegenwind die Flucht ergreifen. In mir drinnen habe ich mir natürlich trotzdem mehr erhofft. Dass es jetzt noch zu Spielen kommt, ist umso schöner für mich. Im Winter wird es wieder ein ähnliches Szenario sein. Also Abwiegen, was Sinn macht und es sich anhören, wenn es Möglichkeiten gibt. Aber der Fokus ist schon, bei Rapid Gas zu geben, aber auch nicht blauäugig herumzulaufen und zu sagen, es ist alles super. Ich selber muss auch die Augen offen haben.“

Michael Sollbauer
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Michael Sollbauer

PositionVerteidigung
VereinSV Oberbank Ried

Rapid-Quartett auf dem „steinigen“ Weg zur Trainerlizenz

Nun zur Karriere nach der Karriere. Wenn ich richtig informiert bin, büffeln Sie zurzeit mit Guido Burgstaller, Roman Kerschbaum und Thorsten Schick für die Trainerlizenz bzw. das B-Diplom. Wer ist denn der Musterschüler von Ihnen Vieren?

Ich würde schon sagen der ‚Kerschi‘. Er hat bei uns auch die Mannschaftskasse über. Von dem her merkt man schon, dass er administrativ und bürokratisch einen gewissen Vorteil hat. Wir drei künsteln uns da gerade etwas durch, aber mal schauen. Also aktuell würde ich sagen, dass Kerschi der Organisierteste ist“.

Und wer hat die beste Aussicht auf eine Trainerkarriere?

„Aktuell vom Motivationslevel wohl ich. Also, wenn ich die Jungs so höre, können sich derzeit wenige vorstellen, das durchzuziehen. Aktuell bin ich wohl am motiviertesten („lacht“)“

So wie wir das Interview begonnen haben, würde ich es auch gerne enden lassen, deswegen nochmal THIS or THAT: Ihr Vertrag läuft am Saisonende aus, deswegen die Frage: 2024/25 mit Michael Sollbauer auf dem Spielfeld oder doch bereits auf der Trainerbank?

„Auf dem Spielfeld.“

Beim SK Rapid oder anderes Abenteuer?

„Beim SK Rapid.“

Vielen Dank für das Gespräch.

Throwback: Aufsteiger Hartberg düpiert Rapid im ersten Bundesliga-Duell

Bild: GEPA