Strahinja Pavlovic – Ein „Bulle“ für Milan
Unsere KollegInnen von Sky Italia wollten vor dem Serie A-Auftakt genauer wissen, wer Strahinja Pavlović ist, der Ende Juli nach zwei Saisonen bei Red Bull Salzburg in die Serie A zum AC Milan für rund 20 Millionen Euro den Verein wechselte. Sky-Kommentator und Reporter David Eder mit einer detaillierten Analyse über den 23-jährigen Verteidiger.
Wer Strahinja Pavlović als „Beast“ bezeichnet, hat dafür gute Argumente. Der Serbe ist physisch stark, behauptet sich geschickt in Luftduellen und verfügt auch über Geschwindigkeit – eine attraktive Kombination für einen Innenverteidiger. Dass er Linksfuß ist, machte ihn für Milan grundsätzlich interessant, aufgrund der bereits vorhandenen, rechtsfüßigen Verteidiger im Kader aber umso mehr. Das macht die Rossoneri im Spielaufbau ohne Frage flexibler.
In zwei Jahren in Salzburg hat Pavlović kaum ein Spiel verpasst. Wenn doch, dann aufgrund von (wenigen) Sperren. Ernsthaft verletzt war er nie. Er verfügt trotz seines noch jungen Alters von 23 Jahren schon über große Routine, sein Spiel und sein Auftreten lassen ihn erfahrener wirken. Schon als 19-Jähriger hat er für die serbische Nationalmannschaft debütiert. Und genau das strahlt er auch aus: Keine Kulisse scheint ihn aus der Ruhe zu bringen, weder in der Champions League, noch im serbischen Trikot. Seine Aktionen sind klar, schnörkellos und ebenso seine Aussagen in Interviews. Er bringt die Dinge verbal auf den Punkt, auch das gehört zu Charakteristik eines Führungsspielers.
San Siro hat er auf Klub-Ebene bereits zwei Mal erlebt: Einmal gegen Milan, vergangene Saison auch gegen Inter, jeweils in der Champions League. Übrigens hat Pavlović sein erstes Champions-League-Spiel für den FC Salzburg gegen Milan absolviert, allerdings in Wals-Siezenheim. Systematisch ist Pavlović aus Salzburg eine Viererkette gewöhnt, ein 4-4-2 mit Raute war in den vergangenen Jahren das am häufigsten verwendete System – mit Pavlović als linker Innenverteidiger. Dass Pavlović zwei Jahre an der Salzach verbracht hat, hat sich zu 100 Prozent gelohnt. Salzburg hat sich damals eine unmittelbare Verstärkung erhofft und Pavlović ein Sprungbrett zu einem internationalen Großklub. Ein Modell, das in Salzburg bekanntlich für viele Spieler funktioniert.
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Pavlović defensiv und offensiv stark
Interessant sind auch Pavlovićs Statistiken: Bei den Zweikampf-Werten gehörte er in Österreich regelmäßig zu den Top-Spielern, das ist nicht verwunderlich. Aber auch in der Offensive hat er seine Spuren hinterlassen: Im Schnitt hatte Pavlović im Red-Bull-Trikot in etwa alle 6 Spiele eine direkte Torbeteiligung (6 Tore und 6 Vorlagen in 71 Pflichtspielen). 5 seiner 6 Tore hat er per Kopf erzielt. Daraus lässt sich einfach schließen: Er kann auch bei Offensiv-Standards ein wertvoller Faktor sein.
Bekannt war Pavlović in Österreich auch dafür, gegen Ende eines Spiels seine Mannschaft noch einmal emotional anzutreiben, sollte sie noch nicht in Führung gelegen sein. Immer wieder hat Pavlović auch selbst zu Dribblings in die gegnerische Hälfte angesetzt, Flanken in den Strafraum geschlagen oder den Weg vorne rein gemacht, um alles für den Sieg zu versuchen. Er ist ein klassischer Mentalitäts-Spieler und dementsprechend hat er Potenzial zum Fan-Liebling.
Manchmal schlägt seine emotionale, aggressive Art aber auch in die Gegenrichtung aus. Im Winter wurde er für kurze Zeit suspendiert, weil er im Mannschaftstraining Mitspieler zu hart und riskant attackiert hat. Das zeigt zwei Dinge: Zum Einen, dass sich Pavlović nicht mit Worten und Taten zurückhält, wenn es nicht gut läuft und er erkennt, dass die Mannschaft wachgerüttelt werden muss. Zum Anderen, dass er vielleicht auch manchmal gebremst werden muss, um nicht über die Stränge zu schlagen.
Was noch nicht absehbar ist: Wie geht Pavlović damit um, wenn er mit dem Ball am Fuß komplexere Situationen spielerisch lösen muss? In Österreich hatte er damit keine großen Probleme, das Level in der Serie A ist aber ein anderes. Auch der Vergleich mit seinen bisherigen Auftritten in der Champions League ist schwierig zu ziehen, weil Salzburg häufig zwar das aktivere Team ohne Ball war (v.a. im Pressing), aber nicht immer das aktivere Team mit dem Ball, im Speziellen nicht gegen große Mannschaften wie Milan, Chelsea oder Bayern. All das ist logisch, dennoch ist für Pavlović im Milan-Trikot möglicherweise eine Herausforderung darin zu erwarten, das Spiel im Aufbau noch mehr und öfter mit seinen Pässen tatsächlich zu gestalten.
Als Pavlović 2022 in Salzburg angekommen ist, war bereits nach kurzer Zeit klar, dass er nicht lange brauchen würde, um sich für einen Top-Klub in einer der großen europäischen Ligen zu empfehlen. Auch schon im Sommer vor einem Jahr wäre ein Transfer rein aufgrund seiner Leistungen nicht überraschend gewesen, das war allerdings nicht Teil des Plans des FC Salzburg.
Dass nun der Wechsel nach Mailand zustande gekommen ist, spricht im Grunde für alle drei Parteien: Für die Leistungen Pavlovićs, für die Berechnungen der Salzburger und für die Vorstellungen von Milan. Die Anforderungen in Italien sind natürlich deutlich höher einzuordnen als in Österreich. Aber mit seinem Profil bestehend aus fußballerischer Klarheit, physischer Stärke und aggressiver Führungsspieler-Charakteristik wäre es nicht überraschend, sollte Strahinja Pavlović auch für Milan ein hilfreicher Baustein werden.
(David Eder)/Bild: GEPA
