Strittige Szene: Kein DFB-Elfmeter nach Cucurella-Handspiel
Große Aufregung nach dem EM-Viertelfinal-Out von Gastgeber Deutschland. Das DFB-Team scheidet dramatisch mit einem 1:2 gegen Spanien aus – und ärgert sich vor allem über ein mögliches Handspiel.
Nach einem Handspiel von Marc Cucurella (106.) hätte es Elfmeter geben können – der englische Schiedsrichter Anthony Taylor entschied sich dagegen. Zwar berührte der spanische Verteidiger den Ball deutlich mit der Hand, der Referee samt VAR-Team griff allerdings nicht korrigierend ein. So setzte es in der 119. Minute den spanischen Siegestreffer per Kopfball durch Mikel Merino.
Siegestor in 119. Minute! Spanien wirft Deutschland aus Heim-EM
Zahlreiche Verwarnungen prägten Partie
Überhaupt wurde die Partie von insgesamt 14 Gelben Karten geprägt. Zudem wurde Daniel Carvajal kurz vor Schluss mit seiner zweiten Verwarnung vom Platz gestellt. Schon in der Anfangsphase sorgte zudem ein hartes Kroos-Foul an Pedri für Aufsehen: Während der DFB-Routinier nicht einmal verwarnt wurde, musste der Barcelona-Youngster verletzt ausgewechselt werden.
„Der Schiedsrichter hat auch ein bisschen für Spanien gepfiffen“, kritisierte DFB-Bundestrainer Julian Nagelsmann nach dem 1:2 nach Verlängerung bei MagentaTV. Es sei „ein Thema, das schwer zu bewerten ist. Es wäre fußball-like, wenn man bewertet, ob der Ball in die Stuttgarter Altstadt fliegt – dann wäre es niemals Elfmeter.“
Nagelsmann äußert sich zu der Handszene von Cucurella
Schiedsrichter-Expertin Bibiana Steinhaus-Webb:
„Der Schiedsrichter muss alle Kriterien bewerten, die ihm zur Verfügung stehen. Wahnsinnig schwierig in dem einen Moment. Der Schuss kommt aus einer kurzen Distanz, ist wahnsinnig scharf geschossen. Was der Schiedsrichter jetzt bewerten muss: Ist es eine unnatürliche Vergrößerung der Körperfläche, ja oder nein? Er hat sich hier dafür entschieden, dass es eine relativ natürliche Bewegung ist, die angemessen ist für diese Verteidigungshaltung. Aus dem Grund hat er weiterlaufen lassen. Der Videoassistent kann da nicht unterstützen, weil es keine glasklare Fehlentscheidung ist. Die unnatürliche Vergrößerung der Körperfläche ist das einzige Argument, was wir hier diskutieren können.“
Schiri-Experte Patrick Ittrich:
„Den muss man eigentlich geben. Die Sachlage ist in der Tat so, dass der Schiedsrichter sachlich und unemotional entscheiden muss. Aus Sicht des Schiedsrichters muss geschaut werden: Was macht der Spieler? Der Spieler zieht am Ende des Schusses die Hand aus der Schussbahn zurück. So kann man es interpretieren. Und deswegen wurde der Schiedsrichter vom VAR nicht rausgeschickt. Dieses Handspiel macht das ganze Dilemma des Handspielproblems und der Regel sichtbar. Wir haben das Problem, dass wir hier einen Interpretationsraum haben.“
(SID/sport.sky.de/Red.)
Beitragsbild: Imago.
