Super Bowl LX: Finaler Showdown zwischen Seahawks und Patriots
Südlich von San Francisco steigt in der Nacht auf Montag (00:30 Uhr) der große NFL-Showdown: Im Super Bowl LX in Santa Clara kämpfen die Seattle Seahawks und die New England Patriots um die Krönung als weltbestes Footballteam.
Während es für Seattle um den zweiten Titel der Clubgeschichte geht, greifen die Patriots nach einem neuen Ligarekord. Der sechsfache Champion aus Massachusetts will zum siebenten Mal die Vince-Lombardi-Trophäe erobern.
Während die Punkband Green Day vor dem Endspiel und Latin-Rapper Bad Bunny in der Halbzeitpause den knapp 70.000 Zuschauern im Levi’s Stadium einheizen werden, sind die Seahawks und die Patriots für das sportliche Spektakel auf dem Rasen zuständig. Dass sie mit Punkten nicht geizen, haben beide Teams im Grunddurchgang gezeigt, wo New England und Seattle am zweit- bzw. dritthäufigsten angeschrieben haben. Obendrein verfügen sie über exzellente Verteidigungsreihen. So haben die Seahawks in der „Regular Season“ die wenigsten Punkte kassiert.
Nicht zuletzt deshalb gilt Seattle als Favorit. Cheftrainer Mike Macdonald hat binnen zwei Jahren eine Championship-Truppe geformt. „Im Frühjahr waren wir das noch nicht“, erklärte der 38-Jährige, der mit der drittjüngsten Mannschaft der NFL zum besten Team in der National Football Conference (NFC) aufgestiegen ist und verdient in der Super Bowl steht. „Um eine solche Bühne zu erreichen und ein solches Spiel zu gewinnen, brauchst du genau so eine Entwicklung. Wir werden diese Momente genießen.“ Den Leistungsnachweis erbrachte man auch im Conference-Finale beim 31:27-Sieg gegen die Los Angeles Rams.
Darnolds Cinderella-Story
Macdonald stellte seinen jungen Spielern auch Routiniers wie Wide Receiver Cooper Kupp zur Seite und landete mit dem bereits abgeschriebenen Quarterback Sam Darnold einen Treffer. Der 28-Jährige, der einst als Elite-Prospekt von den New York Jets gedraftet worden war, kam nach erfolglosen Jahren bei den Jets und den Carolina Panthers über San Francisco sowie Minnesota vor dieser Saison nach Seattle und kämpft nun um einen Meisterring. „Man sieht Beispiele dafür überall: Spieler, die vielleicht nicht so erfolgreich sind, wie sie es oder die Medien erwartet haben“, sagte Darnold. „Ich habe aus meinen Fehlern gelernt.“
Im Grunddurchgang war Darnold mit 4.048 Passing Yards fünftbester Quarterback der Liga und warf 25 Touchdown-Pässe (9.). Dieser Wandel und das Durchhaltevermögen Darnolds nötigt auch dem jungen Patriots-Spielmacher Drake Maye viel Respekt ab. „Was er für eine Karriere hinter sich hat. Er hat es ihnen (den anderen Teams, Anm.) heimgezahlt“, sagte der 23-Jährige diese Woche.
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Vrabels Erfolgsgeschichte
Maye wurde 2024 – wie Darnold sechs Jahre davor – im Draft an dritter Stelle ausgewählt, hat aber bereits in seiner zweiten Saison den Sprung ins Endspiel geschafft. Mit 72 Prozent erfolgreichen Pässen stellt er den Bestwert der Liga, 31 Touchdown-Würfe (3.) und 4.394 Passing Yards (4.) sind ebenfalls Topmarken. Längst wird ihm eine große Zukunft in der NFL vorhergesagt. Sein Headcoach Mike Vrabel lobte aber auch die Fortschritte in der Defense: „Das Team hat sich kontinuierlich verbessert, vor allem in der Verteidigung.“
Vor elf Jahren hatten sich die Patriots in einem dramatischen Finale gegen Seattle mit 28:24 durchgesetzt. Bei der Neuauflage gelten sie als Underdog, Vrabel fühlt sich in der Rolle aber wohl. „Die Mehrheit der Menschen sind wahrscheinlich eher Außenseiter als Favoriten“, erklärte der 50-Jährige, der aus einem Team mit einer Bilanz von vier Siegen und 13 Niederlagen binnen einer Saison eine schlagkräftige Truppe mit 14 Erfolgen und drei Pleiten sowie drei Play-off-Siegen geformt hat.
Dass er als dreifacher Super-Bowl-Champion als Spieler der Patriots nun auch als Cheftrainer derselben Franchise reüssieren könnte, sei nie wirklich ein Plan gewesen. „Aber manchmal sind Dinge einfach vorherbestimmt. Und wenn man zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist und die Dinge richtig macht, kommen sie zu einem“, meinte Vrabel. Der einstige Linebacker fing 2004 in der Super Bowl XXXVIII gegen Carolina einen Touchdown-Pass als Verteidiger – geworfen von Tom Brady, der für die bisherigen sechs Pats-Titel verantwortlich ist. „Die Patriots sind zurück“, meinte Brady nun. Und das ist der Verdienst in erster Linie von Vrabel.
(APA) / Bild: Imago
