Frankreich EM

Unspektakulär, aber erfolgreich: Frankreich nach nächstem Eigentor weiter

Unspektakulär, aber erfolgreich streben Frankreichs Minimalisten den Entscheidungsspielen der Fußball-EM entgegen. Ein Eigentor bescherte „Les Bleus“ am Montag den Einzug ins Viertelfinale, das 1:0 gegen Belgien in Düsseldorf wird als Arbeitssieg des Favoriten in die Geschichtsbücher eingehen. Der „blaue Bunker“ (L’Equipe) vor Frankreichs Torhüter Mike Maignan hielt wieder stand. Vorne ist Kylian Mbappe nach seinem Nasenbeinbruch weiterhin kein großer Faktor.

Die Partie zwischen dem Weltranglisten-Zweiten Frankreich und dem -Dritten Belgien brachte nicht unerwartet wenig Spektakel. Die Franzosen, die in den Gruppenspielen nur zwei Tore – ein Eigentor von Maximilian Wöber und einen Elfer von Mbappe – schossen, waren über weite Strecken spielbestimmend, aber erneut ohne große Durchschlagskraft. Die ebenfalls unter den Erwartungen gebliebenen Belgier konzentrierten sich aufs Verteidigen und Kontern.

Frankreich-Star reist vom Nationalteam ab

Der entscheidende Treffer in der 85. Minute war bezeichnend. Mit einem an sich ungefährlich Schuss erzwang Randal Kolo Muani den entscheidenden Ablenker von Jan Vertonghen. „Es ist nicht wichtig, schön zu spielen. Was zählt, ist der Sieg“, meinte Adrien Rabiot nicht zu Unrecht. Immerhin schoss Frankreich 20 Mal in Richtung belgisches Gehäuse. „Logisch“ sei der Sieg deshalb urteilte der im Viertelfinale gesperrt fehlende Rabiot.

Kolo Muani betonte: „Sicher sollten wir effizienter vor dem Tor werden. Aber die Defensive ist der Schlüssel zum Erfolg.“ Bei der nächsten Aufgabe wartet am Freitag (21.00 Uhr) in Hamburg das Duell mit Cristiano Ronaldos Portugiesen. Auch hier wird Didier Deschamps darauf vertrauen, dass seine Hintermannschaft die ballsicheren Iberer nicht zur Entfaltung kommen lässt. Deschamps schwärmte von der „defensiven Stabilität“ und Ballkontrolle seiner Elf. „Ich bin sehr stolz darauf, was wir gemacht haben“, sagte Deschamps und sprach von einem tollen Spiel. „Wir müssen das genießen. Wir dürfen es nicht kleinreden.“

„Wahnsinnig traurig“: Ronaldo nach Elfer-Drama emotional

Dass Topstar Mbappe zwei Wochen nach seinem in Düsseldorf gegen Österreich (1:0) erlittenen Nasenbeinbruch unauffällig agierte, sollte den Franzosen dennoch zu denken geben. Der künftige Star von Real Madrid hatte sich in den vergangenen Tagen wiederholt über die große Beeinträchtigung durch seine Gesichtsmaske beschwert. Tatsächlich ging vom 25-Jährigen wenig Gefahr aus. Auch die Performance von Antoine Griezmann als offensiver Freigeist hinter den beiden Spitzen war ausbaufähig.

Mbappé laut Deschamps wohl noch Wochen mit Maske

„Bedauerlich“: Belgien ohne Lukaku-Tor out

Die Belgier mussten wieder einmal vorzeitig die Segel streichen. In der 83. Minute scheiterte ihr Star Kevin de Bruyne mit einem wuchtigen Schuss an Maignan, kurz darauf fiel das entscheidende Gegentor. Mit nahezu versteinerter Miene saß Trainer Domenico Tedesco auf dem Podium in den Katakomben der Düsseldorfer EM-Arena und konnte die Niederlage nicht wirklich erklären. „Es ist sehr schwierig für mich, ins Detail zu gehen. Wir sind sehr, sehr enttäuscht“, sagte der Deutsch-Italiener.

Nach EM-Aus: Kritik an Belgien-Teamchef Tedesco

Nach dem erneut frühen Aus der „Roten Teufel“ bei einem großen Turnier dürfte auch der Druck auf den Trainer zunehmen. Tedesco hat noch einen Vertrag bis 2026 und innerhalb des Verbands laut Berichten die nötige Rückendeckung. In den belgischen Medien wurden dennoch vor allem die Taktik Tedescos als nutzlos kritisiert. Das Duo De Bruyne/Lukaku sei „während des gesamten Turniers unterfordert“ gewesen, schrieb „Le Soir“.

Romelu Lukaku war gewissermaßen ein Pechvogel der Endrunde. Drei Tore wurden ihm nach VAR-Interventionen aberkannt, er blieb am Ende ohne Treffer. „Wenn man darüber nachdenkt, dass Romelu ohne Tor nach diesen Spielen nach Hause fährt. Dass Jeremy Doku ohne Tor und ohne Assist geblieben ist. Das ist bedauerlich, das ist unglaublich“, sagte Tedesco. Immerhin wurden De Bruyne und Co. anders als beim 0:0 gegen die Ukraine im letzten Gruppenspiel von den belgischen Fans mit Applaus bedacht. Das Turnier ist für den ewigen Geheimfavoriten dennoch wieder vorbei.

Nach Achtelfinal-Aus: De Bruyne lässt Zukunft offen

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(APA).

Beitragsbild: Imago.