Von Allmen und Franzoni in Garmisch die Gejagten
Im frühlingshaften Garmisch macht sich Österreichs alpine Speed-Abteilung auf die Jagd nach Olympiadominator Franjo von Allmen und Shooting Star Giovanni Franzoni. Bei den Winterspielen in den Einzel-Entscheidungen medaillenlos geblieben, ist für Vincent Kriechmayr und Co. auf der Kandahar auch Wiedergutmachung angesagt. Um die Strecke in der Abfahrt am Samstag und dem Super-G am Sonntag zu schonen, wurden die Rennen um eine halbe Stunde vorverlegt.
Bei Temperaturen von über zehn Grad um die Mittagszeit kündigen sich Startnummernrennen an – auch wenn sich die Piste laut einhelliger Meinung in gutem Zustand präsentiert. „Garmisch ist immer sehr frühlingshaft. Alles nicht so tragisch“, meinte Kriechmayr. Grundlegend sei Garmisch hinter Bormio sicher eine der schwersten Abfahrten im Weltcup-Kalender, so der Oberösterreicher: „Es ist ein richtiger Klassiker.“
„Goldener“ Von Allmen ohne Druck
Für viele ist Garmisch Neuland. Raphael Haaser und Marco Schwarz geben am Fuße der Zugspitze ebenso ihre Premiere wie Von Allmen. Der Schweizer räumte im Zeichen der fünf Ringe mit dreimal Gold in Abfahrt, Super-G und Team-Kombination ab. Der 24-Jährige gab sich vor dem ersten Rennen „danach“ entspannt. „Ich habe jetzt noch weniger Druck als vorher. Ich kann die letzten Rennen wirklich genießen und versuchen, Gas zu geben“, meinte Von Allmen. Sicher seien die Verhältnisse in Garmisch anders als in Bormio. „Es gilt wieder, sich darauf einzustellen. Die Saison geht weiter, ich möchte mich weiter auf die Rennen fokussieren.“
In der Disziplinenwertung liegt Von Allen in der Abfahrt aktuell 115 Zähler hinter seinem führenden Landsmann Marco Odermatt. Im Super-G fehlen fast 200 Punkte auf den auch in der Gesamtwertung überlegen voran liegenden Odermatt. Kriechmayr liegt in der Super-G-Wertung auf Rang zwei hinter dem Schweizer, 158 Punkte trennen die beiden. Ein Rennen um die kleine Kristallkugel sieht der Oberösterreicher aber nicht mehr. „Da habe ich zu viel ausgelassen. Die Kugel ist weg“, sagte Kriechmayr. Er weiß, wie sich Siege in Garmisch anfühlen. 2021 gewann Kriechmayr den Super-G.
Kriechmayr studiert Franzoni
Ein Mann, den es zu schlagen gilt, ist der Kitzbühel-Sieger. Während sich Von Allmen noch herantastete, präsentierte sich Franzoni im ersten Training stark. Das zweite konnte er nicht beenden, nachdem er schon vor der zweiten Zwischenzeit den Ski verlor. Kriechmayr sah den Ehrgeiz des jungen Italieners als „Ansporn“, es besser zu machen. „Wir können ihn uns bei der Videoanalyse gleich hernehmen und versuchen, so gut wie möglich zu kopieren“, so der Routinier.
Daniel Hemetsberger beschrieb die Machtverhältnisse so: „Wenn er (Franzoni) oder Franjo (Von Allmen) eine sehr gute Fahrt machen, dann muss ich quasi eine Jahrhundertfahrt machen für meine Verhältnisse, um schneller zu sein.“ Der Oberösterreicher selbst zeigte sich in Garmisch von seinem wilden Sturz in Bormio zumindest optisch wieder genesen. „Die Nase tut schon noch weh“, meinte Hemetsberger. Auch das Sprunggelenk schmerzt.
Krank hütete in der vergangenen Woche Otmar Striedinger das heimatliche Bett. Für den Kärntner geht es in den ausstehenden Rennen darum, Werbung in eigener Sache zu machen. Für den 34-Jährigen steht der Platz im A-Kader auf dem Spiel. „Ich schaue, dass ich die Saison gut rüber bringe und alles raushole, was möglich ist“, meinte Striedinger nach einer bisher „sehr ernüchternden“ Saison. Den Takt in den Trainings gaben die Italiener an. Nach Franzoni am Donnerstag markierte am Freitag Mattia Casse die Bestzeit. Von den Österreichern schaffte es in beiden Einheiten nur Haaser als 14. in die Top 15.
(APA) / Artikelbild: GEPA
